Switzerland

Skullbreaker-Challenge: «Zuerst klappte es nicht, also sprang ich nochmal»

Die neue Skullbreaker-Challenge – auf Deutsch «Schädelbrecher-Challenge» – kursiert seit kurzem im Internet. Viele der Videos wurden über die App Tiktok verbreitet. Die Plattform hat die Inhalte mittlerweile aber gelöscht. Weltweit soll es durch das Wegziehen der Beine während des Aufspringens schon zahlreiche Verletzte gegeben haben. Auch eine 16-Jährige aus dem Kanton Aargau landete deswegen mit einer Gehirnerschütterung in der Notaufnahme. «Ich war mit zwei Schulkameradinnen in der Stadt, als sie mich aufforderten, zu springen. Ich dachte mir nichts dabei und machte es einfach», sagt die 16-Jährige zu 20 Minuten. Wie sie sagt, habe sie zuvor nichts von der Skullbreaker-Challenge gewusst.

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Auch die 13-jährige Linda aus dem Kanton Zürich hat bei der Skullbreaker-Challenge mitgemacht. Gegenüber 20 Minuten erklärt sie, was daran so faszinierend ist und warum die Challenge in ihrer Altersgruppe so viel Anklang findet: «Ich habe auf Tiktok ein Video gesehen, wo eben diese Challenge gemacht wurde. Es sah lustig aus, also dachten meine Kollegen und ich, dass wir das mal ausprobieren müssten», so die 13-Jährige. Sie betont, dass das Video von Tiktok nicht ansatzweise so brutal gewesen sei, wie die, die jetzt kursierten. «Die Kommentatoren unter dem Video sprachen von einem achterbahnartigen Gefühl, und das wollte ich auch erleben. Keiner hat gesagt, dass das gefährlich sein könnte», erzählt Linda.

Hier sieht man die Challenge. (Video: Youtube/20 Minuten)

«Ich dachte, meine Hüfte sei ausgerenkt»

Daher entschloss sie sich, den Part der mittleren Person zu übernehmen: «Beim ersten Versuch bin ich nicht umgefallen, daher haben wir es noch einmal probiert», erzählt die Jugendliche. Eine Kollegin hätte die Szenen für das Trio gefilmt. Dass die ganze Aktion doch nicht so lustig sei, wie sie zuerst gedacht hatte, habe sie erst beim Aufprall festgestellt. «Ich bin mit meinem Po hart auf dem Boden gelandet. Im ersten Moment dachte ich, dass ich mir die Hüfte ausgerenkt hätte.» Ernsthaft verletzt habe sich Linda aber nicht. «Ausser Rückenschmerzen und ein paar blauen Flecken ging es mir gut.» Laut der 13-Jährigen sollen sich die Szenen kürzlich in einer Schule im Kanton Zürich abgespielt haben.

Doch die Jugendlichen konnten das Sturz-Video in den sozialen Medien nicht teilen: «Eine Aushilfslehrerin stoppte uns und fragte, was wir da machen. Als wir es ihr erzählten, erklärte sie uns, wie gefährlich das sei. Sie sagte, dass wir ihr unsere Handy geben sollten», sagt Linda. Dann seien alle Inhalte, die etwas mit der Skullbreaker-Challenge zu tun hatten, von der Lehrperson gelöscht worden. Die Schulpflege war am Freitagnachmittag für 20 Minuten nicht erreichbar.

Heute würde sie die Challenge nicht mehr machen, sagt Linda: «Ich habe gemerkt, wie sehr man sich verletzten kann, und habe auch eingesehen, dass es echt gefährlich ist.»

«Man sollte nie das Leben von sich oder anderen gefährden»

Daniel Süss, Medienpsychologe und Dozent an der ZHAW, sagte damals in Bezug auf die gefährlichen Tiktok-Aktionen zu 20 Minuten, dass die Jugendlichen Grenzen ausloten wollten. «Grundsätzlich geht es um Aufmerksamkeit, Prestige und als besonders mutig oder originell zu erscheinen», so Süss. Laut ihm hätten die Teilnehmer das Gefühl, dass sie unverwundbar seien. Nach dem Motto: «Es ist zwar riskant, aber mir passiert schon nichts.» Jugendliche seien stärker von momentanen Emotionen bestimmt, weshalb Impulskontrolle und Abwägen oft noch nicht so stark ausgeprägt seien, erklärte der Medienpsychologe.

Das perfekte Video sei niemals das Risiko von ernst zu nehmenden Verletzungen wert. «Wenn man etwas Mutiges macht, sollte man nie das Leben von sich oder anderen gefährden, nur um Aufmerksamkeit zu erzielen», so Süess.

(juu)