Switzerland

Sinkende Einschaltquoten bei «Wilder»: Hat das Publikum genug von Rosa Wilder, Manfred Kägi und Co.?

Endlich ist der Schnee da. Auf diesen Moment hat die Filmcrew um die Schauspieler Sarah Spale und Marcus Signer gewartet. Als sie am Dienstag am Rand der Dreharbeiten für Staffel 3 der SRF-Krimiserie «Wilder» in La Chaux-de-Fonds Interviews geben, tobt ein Schneesturm. Die dritte Staffel soll wie die erste im Winter spielen und beim Publikum diese schaurigen Momente auslösen, zu denen der Anblick von Blut im Schnee führt. Ein gängiges Rezept, bekannt aus «Fargo» der Coen-Brüder oder «The Hateful Eight» (Quentin Tarantino).

Pünktlich zum Finale von Staffel 2 am Dienstagabend hat SRF in den Jura eingeladen, wo sich auch die nun beendete Geschichte abspielte. Darin mussten Kommissarin Rosa Wilder (gespielt von Sarah Spale) und Bundeskriminalpolizist Manfred Kägi (gespielt von Marcus Signer) einen Dreifachmord aufklären.

SRF punktete mit Spannung bis zuletzt und einer überraschenden Auflösung: Ausgerechnet Dorfpolizistin Susann Walther (gespielt von Manuela Biedermann), auf die Wilder grosse Stücke hält, steckt zusammen mit ihrem Mann hinter den Verbrechen im beschaulichen jurassischen Dorf. Sie, die ihre Tochter wegen eines Vergewaltigers aus demselben Dorf verloren hatten, kamen dem Täter auf die Schliche und griffen zu einem besonders perfiden Mittel der Selbstjustiz.

Derselbe Täter hat auch die Schwester von Ermittler Kägi vergewaltigt. Diese wurde schwanger. Ihr Sohn, Kägis Neffe, hat einen Vergewaltiger zum Vater. Und so ist nach Rosa Wilder in der ersten Staffel nun Manfred Kägi derjenige, der privat in den Fall gezogen wird. Kägi sinnt auf Rache am Peiniger seiner Schwester. Dieser Zorn steht Schauspieler Signer und damit der Serie gut.

Bilder-Highlights aus dem unbekannten Jura

Wie gut aber war die zweite Staffel insgesamt? Wir finden, besser als die Erste. Der Mörder bleibt bis zuletzt im Dunkeln. Daneben besticht der Jura als wunderbarer Krimi-Schauplatz. Die schönen Landschaften, der leicht schäbige Charakter dieser abgelegenen Dörfer und Beizen und als Kontrast dazu das urbane Biel zeigen eine weniger ­bekannte und damit spannendere Ecke der Schweiz als die Schneehänge in den Alpen aus Staffel 1.

Weniger gut ist das Tempo. Die Folgen hätte man ruhig straffen können, die Ungeduld wächst zum Beispiel dann, wenn SRF den Zuschauern alles auf’s Auge drücken muss. Ein wenig mehr Interpretationsspielraum hätte der Serie gutgetan. Auch etwas irritierend: Rosa Wilder, die für die Betreuung ihres Sohns auf die Dienste ihrer Mutter angewiesen ist und abends ihren Arbeitstag in bemitleidenswertem Ton immer so zusammenfasst: «Es war streng».

Dreharbeiten für 3. «Wilder»-Staffel – Täter wird früh bekannt

Setbesuch bei der Krimiserie "Wilder"

«Ich kämpfe dafür, dass Rosa eine emanzipierte Frauenfigur ist», sagt Sarah Spale im Gespräch mit dieser Zeitung. Ihr Kampf ist berechtigt: Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist anstrengend. Aber warum lassen die Autoren Rosa Wilder so kindlich auftreten, sobald sie ihre Mutter zu Gesicht bekommt?

Egal. Insgesamt gefällt diese Frau als gewissenhafte Kommissarin, auch wenn Spales Talente besser zur Geltung kommen, wenn sie im aktuellen Kinofilm «Platzspitzbaby» als drogenabhängige Mutter auftritt. Zu den schauspielerischen Highlights neben Spale und Signer gehört Ueli Jäggi, der den Patron der alten Sägerei und heimlichen Dorfkönig mimt – und selbst ein düsteres Geheimnis mit sich trägt.

Quote bleibt hinter der ersten Staffel zurück

Bei den Zuschauern hingegen kam Staffel 2 weniger gut an als die erste. Die Einschaltquoten hingen vor allem in der Staffel-Mitte durch, wie die gestern publizierten Zahlen zeigen: 535'000 Zuschauer sahen sich durchschnittlich die Folgen der zweiten Staffel am Fernsehen an. In Staffel 1 waren es über 600'000. SRF ist trotzdem zufrieden und schreibt: «Das sind herausragende Reichweiten.»

Und so ist es nur logisch, dass in einem Jahr bereits die dritte Staffel auf den Schirm kommt. Drehbuchautor Béla Batthyany verrät in La Chaux-de-Fonds, dass diesmal etwas weniger vom angeblich heilen Landleben zu sehen sein wird. «Die Handlung spielt sich nun stärker im städtischen Umfeld ab.» Mit der in der Deutschschweiz unbekannten Jurastadt La Chaux-de-Fonds verspricht das Spannung.

Auch haben die Drehbuchautoren die Erzählstruktur geändert. Staffel 3 wird kein klassischer Kriminalfall sein, sondern ein Thriller. So viel wollen die Macher verraten: Es kommt zu einem Duell zwischen Wilder und einem Widersacher, der ein ganzes Polizeikorps terrorisiert. Und Kägi? Der wird auch wieder mithineingezogen, diesmal holt ihn eine Geschichte aus der beruflichen Vergangenheit ein.