Switzerland

Silvester ohne Feuerwerk? Wie die Corona-Pandemie eine alte Debatte neu entfacht

Wie jedes Jahr diskutiert Deutschland heftig übers Krachen am Silvesterabend. Den Befürwortern eines Feuerwerksverbots kommt nun Corona zupass – doch rechtfertigt die Pandemie das Lahmlegen einer weiteren Branche?

Krachen oder Nichtkrachen: Deutschland könnte ein sehr ruhiger Jahreswechsel bevorstehen.

Krachen oder Nichtkrachen: Deutschland könnte ein sehr ruhiger Jahreswechsel bevorstehen.

Imago

In den Niederlanden wird es in diesem Jahr an Silvester ruhig bleiben. Um die Corona-bedingt stark beanspruchten Spitäler zu entlasten, gilt dort ein komplettes Feuerwerksverbot – nur einfaches Feuerwerk, wie etwa Wunderkerzen, soll erlaubt sein. Folgt Deutschland diesem Beispiel?

Auch um diese Frage wird sich der nächste Corona-Gipfel zwischen Bund und Ländern an diesem Mittwoch drehen. Die unionsgeführten Bundesländer wollen Feuerwerk auf belebten Plätzen zwar verbieten, der Verkauf und das Mitführen von Pyrotechnik soll aber nicht untersagt werden. Geht es nach den SPD-geführten Bundesländern, soll Deutschland in diesem Jahr auf Feuerwerk gänzlich verzichten.

Dafür müssten sich die Länder zunächst mit dem Bund einig werden. Denn: Sowohl das dem Gebrauch von Feuerwerk zugrunde liegende Sprengstoffgesetz als auch ein mögliches Verkaufsverbot sei auf Bundesebene geregelt, erklärte ein Sprecher der Berliner Innenverwaltung am vergangenen Montag. In der Hauptstadt dringen vor allem die Berliner Grünen auf das Thema. So soll es der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Schalte mit den Ministerpräsidenten der Länder und der Bundeskanzlerin ansprechen.

Fest steht allerdings bereits jetzt, dass es auch ohne weitere Beschlüsse einzelne Böllerverbotszonen in deutschen Städten geben kann und wird. Welche genau das in der Hauptstadt sein würden, entscheide sich bis Ende November, sagte Martin Pallgen, der Pressesprecher der Berliner Senatsverwaltung. Im vergangenen Jahr betrafen diese Zonen in Berlin den Bereich rund um das Brandenburger Tor, den Alexanderplatz sowie einzelne Bereiche der Pallasstrasse.

Ist eine Umsetzung durch die Polizei überhaupt möglich?

Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, spricht sich für ein Feuerwerksverbot aus. Zum Feuerwerk gesellten sich rasch Alkohol, Personengruppen und Partystimmung, sagte Wendt, und das sei in diesem Jahr nicht angesagt. Das sieht man – zumindest im Hinblick auf Berlin – bei der Gewerkschaft der Polizei anders. Natürlich begrüsse man die Idee, durch ein etwaiges Verbot Angriffe auf Einsatzkräfte zu minimieren, sagt der Sprecher Benjamin Jendro. Es sei bloss nicht umsetzbar. Schliesslich gelte es, die gesamte Hauptstadt mit fast vier Millionen Einwohnern abzudecken. «Alles mit der Gefahr durch die Corona-Pandemie zu begründen, finden wir nicht ganz schlüssig.»

Wie sich ein Generalverbot von Feuerwerk auf die Belastung der Krankenhäuser auswirken würde, lässt sich für ganz Deutschland nicht pauschal beantworten. Die Datenlage ist dürftig, es gibt keine vergleichenden Statistiken über die Zahl der in den vergangenen Jahren durch Böller und Raketen verletzten oder sogar getöteten Menschen.

Eines der grössten Zentren für Schwerbrandverletzte in Deutschland ist das Unfallkrankenhaus Berlin. Über den Jahreswechsel werden dort durchschnittlich 50 Patienten mit Amputationsverletzungen oder Verbrennungen durch Feuerwerkskörper behandelt, sagt die Pressesprecherin Angela Kijewski. Diese Zahl hält auch Dietmar Pennig, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, für valide; jede geeignete Klinik behandle etwa 50 bis 60 Silvester-Patienten pro Jahr. Derzeit geht man im Berliner Unfallkrankenhaus davon aus, dass auch an diesem Silvester ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stünden. Trotz Corona.

Die Datenlage ist mau

Die Bandbreite der Verletzungen, die jährlich von Feuerwerkskörpern verursacht würden, sei gross, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, Michael Raschke. Die Silvesternacht bedeute Hochbetrieb in der Unfallchirurgie. Eine Entlastung in Form eines Böllerverbots sei wünschenswert, würde aber die akribische Vorbereitung auf den Jahreswechsel nicht schmälern: Denn dann müsse man damit rechnen, dass selbstgebaute oder illegale Sprengkörper zum Einsatz kämen. «Hier sehen wir jedes Jahr katastrophale Fälle.»

Erleichtert ist indes Marco König, der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst. Er begrüsst ein Feuerwerksverbot, um eine übermässige Belastung der Spitäler zu verhindern; allerdings nur, wenn dieses für das gesamte Bundesgebiet gelte. Sonst stünde Silvestertourismus innerhalb Deutschlands zu befürchten, sagt König. Auch der Deutsche Feuerwehrverband ist dem Verbot nicht abgeneigt. Jeder Fall, zu dem die Feuerwehr nicht ausrücken müsse, sei gut; das gelte erst recht in der gegenwärtigen Lage, in der die Feuerwehrleute Pandemiebedingungen unterworfen seien, sagt die Pressesprecherin Silvia Oestreicher. Man habe allerdings auch Verständnis dafür, dass sich Menschen in der momentanen Situation über alles Positive freuten. Das könne auch Feuerwerk sein. Statistisches Datenmaterial, das die Anzahl der durch Böller verursachten Brände aufschlüsseln würde, gibt es nicht.

Was das generelle Verbot von Feuerwerkskörpern jedenfalls mit sich brächte, ist die Lahmlegung einer weiteren Branche. Klaus Gotzen, der Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie, kann nachvollziehen, dass Grossveranstaltungen und generell grössere Menschenansammlungen an Silvester vermieden werden sollen. Allerdings könnten private Feuerwerke durchaus Corona-konform abgebrannt werden, sagt er. Der Jahresumsatz der gesamten Feuerwerksbranche lag im vergangenen Jahr bei etwa 130 Millionen Euro, ein generelles Feuerwerksverbot wäre existenzgefährdend. Die Tatsache, dass alle Kosten für dieses Jahr bereits entstanden seien, würde mit dem Wegfall dieses Umsatzes wohl die Insolvenz der ganzen Branche bedeuten, sagt Gotzen.

Was die Deutschen vom Böllern in Corona-Zeiten halten, zeigt sich in einer aktuellen Umfrage von Civey für «T-Online». Laut der Erhebung befürworten 57,8 Prozent ein Verbot von Silvesterfeuerwerk, 36,7 Prozent lehnen es ab. Im vergangenen Jahr sah es in einer «YouGov»-Umfrage ganz ähnlich aus. Damals sprachen sich 57 Prozent der Befragten für ein Feuerwerksverbot aus – allerdings aus Umwelt- und Sicherheitsgründen. Corona hatte damals noch niemand auf dem Schirm.

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