Switzerland

Sika profitiert gleich von mehreren Megatrends

Der Bauchemiehersteller funktioniert wie eine gut geölte Maschine und steckt Widrigkeiten weg. Das ehrgeizige Management muss allerdings aufpassen, dass es darob nicht zu übermütig wird.

Dank florierendem Klebstoffgeschäft und weltweiten Partnern steht es um die Aktien von Sika AG gut.

Dank florierendem Klebstoffgeschäft und weltweiten Partnern steht es um die Aktien von Sika AG gut.

Christian Beutler / KEYSTONE

Turbulenzen scheinen dem Bauchemiehersteller Sika nichts anzuhaben. Davon sind zumindest die Investoren überzeugt, denn die Aktie hat wieder einen Höchststand erreicht. Dabei hat das Unternehmen durchaus mit Widrigkeiten zu kämpfen. Rund 8% der Verkäufe macht es beispielsweise mit Autoherstellern, und diese drücken die Preise, weil sie in Bedrängnis sind. Und das Coronavirus ist bei Sika selbstverständlich auch ein Thema, denn 10% des Umsatzes erzielt die Gesellschaft in China.

Der Bauchemiehersteller ist mittlerweile aber so global aufgestellt, dass er solche Schocks wegsteckt. In China produziert Sika für den dortigen Markt; im Unterschied zu vielen Industriefirmen ist man also nicht von einheimischen Lieferanten abhängig, um das Exportgeschäft zu betreiben. Zudem liegen die Produkte von Sika offenbar voll im Trend gewisser wirtschaftlicher Entwicklungen. Der Automarkt ist zwar jüngst geschrumpft, doch Sika entzog sich diesem Sog teilweise dank seinem Klebstoffgeschäft. Fahrzeuge werden heute nicht mehr geschweisst, sondern aus Aluminium und Kunststoffen zusammengeklebt. Das macht die Autos leichter – auch wenn sie ständig grösser werden.

Im Baugeschäft kommen dem Unternehmen ohnehin diverse Entwicklungen zugute. Wahrscheinlich profitiert kein anderer Sektor so stark von den niedrigen Zinsen wie die Bauzulieferer. Und dann gibt es noch den globalen Megatrend der Verstädterung. Um Brücken und Hochhäusern Stabilität zu verleihen, sind Zusatzstoffe von Sika vonnöten. Schliesslich hat die Firma das Glück, mit diesen Geschäften einen hohen freien Cashflow zu erzielen. Vor 13 Monaten hat sich Sika stärker verschuldet, um den Mörtelhersteller Parex zu akquirieren. In kurzer Zeit hat man diese Verschuldung bereits wieder stark reduziert.

Das Management muss allerdings aufpassen, dass es darob nicht übermütig wird. In Lokalwährungen gerechnet, will es die Verkäufe pro Jahr um 6 bis 8% steigern. Im vergangenen Jahr kam Sika auf einen Wert von 16%, organisch waren es aber nur 3,3%. Die Differenz schlossen Akquisitionen, darunter jene von Parex. Übernahmen sind jedoch auch ein wenig Glückssache; sie gelingen nicht immer, zumal ein passendes Objekt auf dem Markt sein muss.