Switzerland

Sie hilft Tag und Nacht weiter: Die ärtzliche Notfallnummer

Warum wird zunehmend die Ambulanz gerufen? Viele Menschen könnten Situationen nicht mehr gut einschätzen oder trauen es sich nicht mehr zu, ist die Erfahrung von Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes. Zudem wolle man nichts falsch machen. Komme dazu, dass in TV-Notfall-Serien immer mehr gezeigt werde, wie Ambulanzen selbst für Bagatellfälle «wie bei einer Schürfwunde am Arm» aufgeboten werden.

Er fragt sich auch, ob es wirklich bei jedem Verkehrsunfall mit einer verletzten Person automatisch eine Ambulanz braucht. In einem akuten Notfall sei das keine Frage, sagt Lareida, «aber es gibt auch Situationen, wo eine Verletzung so leicht und eine innere Blutung nicht zu befürchten ist, dass man zum Hausarzt gehen oder sich privat ins Spital bringen lassen oder selbst hingehen kann».

Oft können die Pflegefachpersonen das Problem selbst lösen

Wenn man plötzlich ein drängendes gesundheitliches Problem hat, kann man sich rund um die Uhr auch an die Ärztenotrufnummer wenden. Man wird mit einer Pflegefachperson verbunden, die mit dem Anrufenden zusammen versucht, herauszufinden, was genau das Problem und was die beste Therapie ist: «In 25 Prozent der Fälle kann die Pflegefachperson das Problem selbst lösen», sagt Ärzte-Präsident Lareida.

In der Mehrzahl der Fälle verbindet sie den Anrufenden mit einem Arzt, einer Ärztin, empfiehlt den Gang zum Hausarzt, gegebenenfalls zum Notfallarzt. Durchschnittlich einmal pro Tag bietet die Ärztenotfallnummer für einen Anrufenden aber gleich selbst eine Ambulanz auf.

Ein Problem der Notfallnummer ist, dass man pro Minute (gerechnet wird nur die Beratungszeit am Telefon) 3.23 Franken zahlen muss. Eingeführt wurde die Gebühr vor einigen Jahren im Zuge der Sparprogramme des Kantons. Lareida hat nicht grundsätzlich ein Problem damit, findet aber, alle Notrufsysteme sollten ähnlich funktionieren (für die Notrufnummer 144 wird keine separate Gebühr verrechnet).

Die Notrufnummer wird mehr als 20'000-mal gewählt

Jährlich wird die ärztliche Notrufnummer im Aargau rund 21'000-mal gewählt. Die Zahlen sind leicht rückläufig, so Nadia Haller, Geschäftsführerin des Aargauischen Ärzteverbandes. Sie ist von der Notrufnummer überzeugt: «Dank ihr können viele gesundheitliche Probleme ohne Ambulanz gelöst oder erfolgversprechend angegangen werden, gleichzeitig wird die Notfallpforte der Spitäler für die gravierenden Fälle freigehalten.» Ein Grund für die rückläufigen Zahlen dürften auch mobile Notärzte oder Versicherungsmodelle sein, nach denen man erst die Versicherung anrufen müsse, so Haller.

Die ärztliche Notrufnummer lautet: 0900 401 501 (3.23 Franken pro Minute für Anrufe aus dem Festnetz).