logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo
star Bookmark: Tag Tag Tag Tag Tag
Switzerland

Seine WG feiert keine Partys – wie ein Aargauer Boxer Europa erobert

Zwei Wochen haben ihm die Trainer freigegeben. Davide Faraci gönnte sich drei Tage. Dann stand der 28-jährige Boxer bereits wieder in der Trainings­halle. Der Aargauer mit italienischen Wurzeln hat am vergangenen Wochenende den zuvor unbesiegten deutschen Boxer Emre Cukur bezwungen und damit auch seinen 15. Profikampf gewonnen.

Für den hochge­handelten Cukur und seine Promoter war es ein böses Erwachen. Nichts als ein Sieg gegen den Mann aus dem Boxer­niemandsland Schweiz war budgetiert: «Erst der Kampf gegen Davide Faraci, dann die EM gegen De Carolis», titelte eine renommierte Boxwebsite. Doch Faraci zerstörte die Titelträume mit einem klaren Sieg nach Punkten.

«Das war schon ein toller Erfolg», sagt Faraci. Aber auf dem Triumph ausruhen? Sicher nicht. «Natürlich ist die Regeneration sehr wichtig. Aber ein dosiertes ­Training ist schon möglich.» Der Mann aus Kleindöttingen ist es sich gewohnt, viel zu tun. Die Schweiz wurde Faraci, der mehr als 150 Amateurkämpfe bestritt, bevor er 2016 zu den Profis wechselte, schnell einmal zu klein. Zu unbedeutend ist der Boxsport hier, zu wenig gut die Fördermöglichkeiten.

In seiner zweiten Heimat Italien waren die Voraussetzungen besser. Zweimal wurde er italienischer Meister, bis auch der Süden zu wenig Perspektiven bot. «Meine Reise geht weiter, meine Ziele sind gross.»

Der Türöffner zum ersehnten Titelkampf?

Für den Cukur-Kampf ar­beitete Davide Faraci eng mit Georg Bramowski zusammen. Der Trainer war lange für den Boxstall Sauerland tätig, einer der Grössen im deutschen Markt. Mittlerweile ist er bei PGP Boxing in Liechtenstein, das stark in den deutschen Markt drängt.

«Noch sind wir in den letzten Verhandlungen – aber es sieht sehr gut aus, dass wir uns einigen werden», sagt Faraci, der weiter auf die Dienste seines Managers Toni Barbera zählen wird. Einig heisst, dass er fix bei PGP Boxing unterschreibt. Das würde Türen öffnen. Zum so ersehnten Titelkampf?

So einfach ist das nicht. Boxen ist kompliziert. Nur weil Faraci den für den EM-Kampf vorge­sehenen Cukur besiegte, kommt er nun nicht automatisch selbst zum Zug. «Ich habe zwar viele Punkte gewonnen und bin nun die Nummer 30 der Welt. Aber noch fehlt ein wenig.» PGP zum Beispiel.

Ein Kubaner und ein Ire mit dem gleichen Traum

Doch auch die deutsche Lizenz, mit der er künftig boxen wird, hilft. «Ich glaube, dass die ­Titelchance bald kommt», sagt Davide Faraci, der nach seinem jüngsten Triumph sehr positives Echo aus der Szene erhielt.

Der Aargauer Boxer trainiert zwar immer mal wieder in der Schweiz und verbringt Zeit im Kanton Aargau. Doch das Leben als Boxer führt ihn herum. Eine Wohnung in Italien tauschte er für den Cukur-Kampf mit einer WG im liechtensteinischen Bendern.

Seine Mitbewohner: ein Kubaner und ein Ire, beide ebenfalls Boxer. «Wir sehen uns aber kaum. Am Abend verschwinden wir meist schnell und müde in unseren Zimmern», sagt Faraci. Zweimal Training am Tag, dazu ein strikter Ernährungsplan und Verzicht auf so vieles. Die Boxer-WG hat so gar nichts mit einer Partyhütte von Studenten zu tun, die sich ebenfalls eine Wohnung teilen.

«Es gibt schon Momente, in denen ich mich frage, warum ich das alles auf mich nehme», sagt Faraci. Doch schon kurz darauf übernehmen die Träume das Denken. «Es geht immer schnell und vor allem geht es immer weiter», sagt er. Drei Tage sind im Leben des Aargauer Boxers locker Pause genug.

Themes
ICO