Switzerland

Sein Auto ging in Flammen auf, aber er fuhr erneut mit 110 km/h – jetzt muss er in den Knast

Im Zivilschutz betreut er alte Demente, im Job bildet er Lehrlinge aus und führt ein kleines Team, in der Freizeit macht er eine Weiterbildung, hat eine feste Beziehung und eine Familie, die noch funktioniert und sich gegenseitig hilft. Ja, ein «korrekter Bürger», ein «wertvolles Mitglied der Gesellschaft» sei er, fand sein Verteidiger.

Nur: Es gibt auch Abgründe. Sie flackern auf, wenn der junge Mann ein Gaspedal unter der Schuhsohle hat. Und auf 110 km/h beschleunigt, obwohl nur 60 km/h erlaubt sind. «Wenn er jetzt nicht gestoppt wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er jemanden tötet», sagte der Staatsanwalt am Dienstag, als der heute 22-jährige Schweizer mit Migrationshintergrund vor Gericht stand – schon zum zweiten Mal innert kurzer Zeit.

Erstmals auf ihn aufmerksam wurde die Staatsanwaltschaft im November 2017. Nach einem halsbrecherischen Überholmanöver mit mindestens 110 km/h verlor der damals 19-Jährige im 60-km/h-Bereich auf der Bernstrasse zwischen Urdorf Nord und der Schönenwerdkreuzung die Herrschaft über sein Auto. Dieses kollidierte mit einer Lärmschutzwand, beschädigte andere Fahrzeuge sowie ein Gebäude und brannte dann aus. Nur dank der Dietiker Feuerwehr griff das Feuer nicht auf ein Industriegebäude über. «Auto in Flammen – zwei Personen bei Selbstunfall verletzt» ­titelte damals die «Limmattaler Zeitung». Im Oktober 2018 verurteilte das Bezirksgericht Dietikon den Horrorcrash-Fahrer zu einer nur bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten. Dieser juristische Warnschuss verfehlte sein Ziel; und auch das Ausbrennen seines BMWs brachte den jungen Mann nicht zur Vernunft. Bereits im September 2019, nach einem Besuch in einer Shisha-Bar in Spreitenbach, drückte er wieder das Gaspedal eines BMWs. Diesmal war die Überlandstrasse der Tatort. Nachdem der Temposünder von der Mutschellenstrasse auf die Überlandstrasse in Richtung Dietikon eingebogen war, bremste er runter auf 40 km/h. Dann packte er den Bleifuss aus, rauf auf mindestens 110 km/h, sein Kollege im Auto nebenan ebenfalls. Ein Beschleunigungsrennen, dahinter per Zufall die Polizei mit 122 km/h. Danach: Handschellen. Zwei Tage Untersuchungshaft. Die sind dem Pferdestärken-Protz eingefahren. Aber es war schon zu spät.

«Es bestand die Gefahr, dass es Tote gibt»

Er, der zurzeit keinen Führerausweis hat, ÖV fährt und seinen geleasten Mercedes nun an seinen Bruder ausgeliehen hat, muss nochmals hinter Gitter. 18 Monate teilbedingte Freiheitsstrafe verkündete der Dietiker Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher nach der Verhandlung. Sechs Monate muss der Temposünder absitzen, damit er besser lerne, sich im Griff zu haben. «Was Sie sich eingebrockt haben, müssen Sie jetzt ausbaden», sagte Aeschbacher. «Es bestand die Gefahr, dass es Tote gibt.» Nur wenn er eine Strafe verbüsse, könne ihm für die Zukunft eine günstige Prognose gestellt werden.
Die Probezeit für den bedingten Teil der Strafe beträgt fünf Jahre. Wenn in dieser Zeit nochmals etwas passiert, hat er sein Leben endgültig für den Temporausch verspielt.

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