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Schwinger Ledermann ist der erste grosse Wurf geglückt: Dieses Bubi ist jetzt ein richtig Böser

Von seinem Onkel Thomas Stöckli (46) hat Michael Ledermann das «böse» Gen geerbt. Stöckli erkämpfte in seiner Laufbahn als Schwinger zweimal den Kranz beim Bergklassiker am Schwarzsee. Als Onkel Thomas 2007 seinen letzten Wettkampf bestritt, verfolgte der damals 7-jährige Michael das Geschehen mit glänzenden Augen von der Tribüne aus.

«Unmittelbar nach meiner Abschiedsvorstellung hat mir Michael klargemacht, dass auch er Schwinger werden möchte. Es dauerte dann ungefähr ein Jahr, bis ich miterleben durfte, wie er gleich bei seinem ersten Buben-Schwinget das ‹Zweigli› gewann», erinnert sich Stöckli.

In der Zwischenzeit hat sich der kleine Zweigli-Gewinner zum grossen Kranzfest-Sieger entwickelt. Vor acht Tagen legte der gelernte Landwirt, der sich derzeit zum Agro-Techniker weiterbilden lässt, in einem spektakulären Schlussgang am Berner Mittelländischen Adrian Walther aufs Kreuz.

Zu müde, um nervös zu sein

Die dickste Freudenträne hat nach diesem grossen Wurf aber nicht Ledermann, sondern sein einstiger Jungschwingerleiter Reto Zbinden gezeigt. Der 37-Jährige ist mittlerweile Ledermanns Chef in der Landi Schwarzwasser-Schwarzenburg. «Ich hatte am Samstagmorgen ein richtig schlechtes Gewissen. Weil ein Grossteil unseres Teams an der BEA im Einsatz war, musste Michael am Freitag die Arbeit in unserem Betrieb nahezu im Alleingang erledigen», erklärt Zbinden. «Ich hatte deshalb Angst, dass ihm im Wettkampf die Frische fehlt.»

Doch Ledermann selbst glaubt, dass genau das Gegenteil der Fall war: «Sehr wahrscheinlich habe ich in der Nacht vor dem Mittelländischen so gut geschlafen, weil nach diesem intensiven Arbeitstag die Müdigkeit sehr viel stärker war als die Nervosität.»

Der 1,93-Meter-Mann bezeichnet seine Tätigkeit als stellvertretender Leiter in der Agrar-Abteilung generell als Idealjob für einen Schwinger. «Es kommt immer wieder vor, dass ich fünfzig Kilo schwere Futtersäcke verladen muss. Damit wird mein Broterwerb zu einem richtig guten Krafttraining.»

In drei Jahren 20 Kilo zugelegt

Ledermanns gigantische Entwicklung ist auch auf die Kochkünste seiner Mutter zurückzuführen. «Als ich in Zug 2019 erstmals an einem Eidgenössischen teilnahm, habe ich 90 Kilo auf die Waage gebracht. Eine Ernährungsberaterin hat mir geraten, dass ich ab sofort doppelt so viel essen soll. Weil meine Mutter gelernte Köchin ist, fiel es mir nicht schwer, diesen Rat in die Tat umzusetzen. Nun wiege ich 110 Kilo ...»

Dass Ledermann dennoch mit einer athletischen Figur besticht, ist auch das Verdienst des ehemaligen Triathleten Stefan Riesen. Der Triumphator des Iron Man France 2004 betreut Michael seit acht Jahren als Kraft- und Konditionstrainer. «Als ich als Achtklässler erstmals ein Training unter Stefans Leitung absolviert habe, brachte ich knapp drei Liegestütze hin. Dank seinen genialen Methoden habe ich rasch Fortschritte gemacht.»

Gelingt ihm heute am Berner Seeländischen in Oberwil bei Büren der nächste grosse Schritt? Im Anschwingen bekommt er es mit dem Eidgenossen Remo Käser zu tun. Dieses Duell gab es zuvor noch nie.