Switzerland

«Schweizer Eishockey kompakt»: ZSC erringt einen Pflichtsieg und gedenkt einem seiner grössten Funktionäre +++ Vorläufig fast keine Samstagsspiele mehr in der National League

Der Davoser Spengler-Cup und die Liga finden eine Kompromisslösung. Wes Walz ist der letzte Meistermacher des EV Zug. Und in der Statistik widmen wir uns den produktivsten Sturmduos. Legendäres, Kurioses und Aktuelles gibt es in «Schweizer Eishockey kompakt».

Auf nzz.ch/sport finden Sie während der Eishockeysaison an dieser Stelle täglich Legendäres, Kurioses, Aktuelles und Einordnungen aus den höchsten Schweizer Eishockeyligen – alles wohlgeordnet und kurz nach der Schlusssirene aktualisiert.

50 Zuschauer – Tore : 7. Pettersson (Noreau / Ausschluss Berger) 1:0. 39. Sigrist (Krüger) 2:0. 57. Sturny (Grossniklaus) 2:1. – Vierter Sieg in Folge für die Zürcher, die am Schluss aber noch schwer unter Druck geraten. Das Team ist resultatmässig auf Kurs, die Leistungen allerdings überzeugen nicht richtig. Die Lions stehen an der Spitze, auch weil Lausanne gegen Gottéron mit 6:1 gewinnt, allerdings haben sie mehr Spiele ausgetragen als ihre beiden Verfolger.

Das ist uns aufgefallen: Einträchtiges Schweigen im Hallenstadion. Langnauer wie Zürcher erweisen Simon Schenk die letzte Reverenz anlässlich ihres ersten Aufeinandertreffens in dieser Saison. Schenk verstarb im Frühling nach Komplikationen mit dem Herzen, aber bisher gab es keine Gelegenheit, seiner gemeinsam zu gedenken. Schenk war im Emmental, seiner Heimat, wie später in Zürich über viele Jahre prägend. Er lotste den Goalie Ari Sulander ins Hallenstadion und war der Architekt des Aufstiegs des ZSC vom ewigen Sorgenkind zum Meisterteam. Dabei schadete Walter Freys dickes Portemonnaie freilich auch nicht, aber Schenk war ein schlauer Fuchs, der seine Mannschaften mit Gespür zusammenstellte.

Bei den SCL Tigers ist in Corona-Zeiten nun allerdings so wenig Flüssiges vorhanden, dass auch ein gewiefter Manager, wie Schenk einer war, keine Wunder vollbringen könnte. Überleben heisst die Devise. Und so verläuft auch dieses Spiel zum grossen Teil. Die Gäste tun, was sie glauben tun zu müssen: fast nichts. Erst im letzten Drittel wagen sie etwas, und siehe da, sie können die Zürcher sogar immer wieder unter Druck setzen. Aber zu diesem Zeitpunkt laufen sie bereits einem Rückstand hinterher, der nur deshalb nicht höher als 0:2 lautet, weil die Zürcher bei all ihrer Überlegenheit im Abschluss bemerkenswert ineffizient sind. Man fragt sich: Warum tritt Langnau nicht schon viel früher mutig auf? Da wäre mehr als nur der späte Anschlusstreffer möglich gewesen, der die neunte Niederlage im elften Spiel auch nicht verhindert.

Die Zürcher wiederum gewinnen zum vierten Mal in Serie und zum dritten Mal seit ihrer Quarantäne. Aber was sie tun, überzeugt nur bedingt. Diese Mannschaft muss mehr zu zeigen imstande sein: mehr Kaltblütigkeit, mehr Entschlossenheit. Simon Schenk hätte am Auftritt beider Teams wohl keine besondere Freude gehabt. (pic.)

Die Swiss Hockey League passt nach den vielen Verschiebungen wegen Corona-Quarantänen den Spielplan ab Dezember an. Bis im Februar gibt es am Samstag praktisch keine angesetzten Spiele mehr.

Nachdem mittlerweile jedes der zwölf Teams der National League mindestens einmal in Quarantäne musste, sah sich die Liga gezwungen, den Spielplan anzupassen, um zumindest zu versuchen, die Qualifikation wie vorgesehen bis am 22. März zu beenden. Dabei konzentriert man sich auf die Spieltage Dienstag und Freitag, um nicht jedes Mal drei Matches verschieben zu müssen, wenn ein Team in Quarantäne muss.

Aus diesem Grund sind bis am 20. Februar mit Ausnahme des 2. Januar an Samstagen keine Spiele mehr angesetzt. Die Absage des Spengler-Cups ermöglicht es ausserdem, am 27., 28. und 30. Dezember mehrere Spiele anzusetzen. Weiter sollen an den Sonntagen des 10., 17., 24. und 31. Januar weitere verschobene Spiele nachgeholt werden. (sda)

Auch in Zukunft sind in der Altjahreswoche alle Augen auf den Spengler-Cup gerichtet.

Auch in Zukunft sind in der Altjahreswoche alle Augen auf den Spengler-Cup gerichtet.

Melanie Duchene / Keystone

nbr. Am 28. Dezember duelliert sich der HC Davos mit Ambri-Piotta. Eigentlich ist daran nichts erstaunlich, in der Altjahreswoche wird in Davos ja seit fast einem Jahrhundert Eishockey begangen, am Spengler-Cup, und wie schon 2019 wären heuer Davos und Ambri die Schweizer Vertreter gewesen. Doch die 94. Austragung haben die Organisatoren absagen müssen, das Turnier fällt der Pandemie zum Opfer – stattdessen trägt der HCD drei Meisterschaftsheimspiele aus.

Seit längerem stand im Raum, dass dies das neue Normal wird: National-League-Partien während des Spengler-Cups – die Davoser Macher mussten sich überlegen, ob sie sich die Abgaben für den Schutz dieser Termine noch leisten wollen. Der HCD entrichtet einen Obolus an die übrigen Vereine, damit die Liga pausiert und dem Spengler-Cup in jener Woche fast ungeteilte Aufmerksamkeit zuteilwird. 800 000 Franken lassen sich die Veranstalter dieses Privileg kosten, viel Geld. 2021 endet der Vertrag mit der Liga, im HCD gab es Gedankenspiele, ihn nicht zu verlängern. Doch nun ist der Entscheid gefallen, die Vereinbarung wird voraussichtlich um fünf Jahre zu identischen Konditionen fortgeführt. Grundsätzlich bleibt auch die Spengler-Cup-Teilnahme der Nationalmannschaft denkbar, in Olympiajahren; das Turnier von 2018 war für die Organisatoren ein Erfolg gewesen.

So attraktiv die Termine in der Altjahreswoche auch für die restlichen Vereine wären: Wahrscheinlich ist es für das Schweizer Eishockey eine gute Nachricht, dass es weitergeht mit dieser Kompromisslösung. Der Spengler-Cup ist nicht nur ein Branchentreffen, sondern auch eine internationale Institution, die geschwächt worden wäre, würde die National League einfach weiterspielen. Längst ist es zur Tradition geworden, dass man zwischen den Feiertagen nach Davos schielt und sich am oft ungezügelten Offensivspektakel erfreut.

Und wer mit dem marketinglastigen Schauturnier nichts anzufangen weiss, dem bieten sich im Unterland ja Alternativen: Die gemeinhin unterschätzte zweithöchste Liga, die Swiss League, absolviert jeweils zwei Vollrunden.

Als letztes National-League-Team hat nun auch der SC Bern einen Corona-Fall. Das Team der Berner muss wegen eines positiven Corona-Falls für zehn Tage in Quarantäne; die geplanten Partien gegen die ZSC Lions (am 27. November), Lugano (28.11.) und Ajoie (Schweizer Cup/30.11.) wurden verschoben. Damit mussten alle zwölf Teams der National League in den ersten siebeneinhalb Wochen der Eishockey-Meisterschaft mindestens einmal in Quarantäne; der EV Zug sogar zweimal. (sda)

Im Play-off-Halbfinal 1998 gegen Ambri-Piotta läuft Wes Walz (rechts) zur Hochform auf – im entscheidenden Spiel erzielt er einen Hattrick.

Im Play-off-Halbfinal 1998 gegen Ambri-Piotta läuft Wes Walz (rechts) zur Hochform auf – im entscheidenden Spiel erzielt er einen Hattrick.

Sigi Tischler / Keystone

nbr. Als der EV Zug 1998 zum ersten und bisher letzten Mal Meister wurde, hatte ein Spieler besonders grossen Anteil an diesem Meritum: Wes Walz, der kanadische Wirbelwind, der sich zum Play-off-Topskorer aufschwang. Als der EVZ in der Halbfinalserie gegen Ambri in Schieflage geriet, erzielte Walz in Spiel Nummer 7 in der Valascia einen Hattrick; insgesamt traf er in jenem Play-off 16 Mal.

Walz wurde 2017 von den Lesern der Lokalzeitung zum «wertvollsten Ausländer» der letzten fünfzig Jahre gewählt, aber er verabschiedete sich im Unfrieden: 1999 brach er seinen Vertrag, um einen Wechsel in die NHL zu erzwingen. Der EVZ liess ihn widerwillig ziehen – und setzte ein Gentlemen’s Agreement auf, das besagte, dass kein Schweizer Klub Walz bei einer allfälligen Rückkehr verpflichten darf. Der HC Lugano tat das unter dem Manager Beat Kaufmann trotzdem und sorgte für frostiges Klima in der Liga.

Kaufmann und der Trainer Jim Koleff – jener Mann, der Walz einst als EVZ-Coach in die Schweiz geholt hatte – realisierten den Transfer unbeirrt. Der Affront lohnte sich nicht: Nach 18 Partien wanderte Walz erneut nach Nordamerika ab – und schaffte es bei diesem Anlauf, das Glück zu finden. Sieben Jahre spielte er für die Minnesota Wild und wurde dort sesshaft; heute analysiert der inzwischen 50-Jährige die Partien der Wild am TV für Fox Sports. Die Begeisterung für das Eishockey hat er an seine Kinder weitergegeben: Sein Sohn Kelvin spielte in den letzten zwei Jahren für die EVZ Academy und den SC Langenthal. Die Tochter Jaedyn war Captain des Teams der Universität von Wisconsin.

Lust auf weitere Legenden? Hier geht es zu den gesammelten Legenden der Woche.

Gottérons Coach Christian Dubé hat kürzlich das Duo Julien Sprunger/Andrei Bykow wiedervereinigt. Die beiden spielen seit Menschengedenken für Freiburg; der heutige Captain Sprunger (34) debütierte 2002/03, Bykow (32) zwei Jahre später. Zahllose Trainer haben sie in der letzten Dekade gemeinsam stürmen lassen und wieder getrennt, aktuell stürmt das Duo wieder zusammen. Weil Klubtreue heutzutage eher kleingeschrieben wird, sind Sprunger/Bykow das mit Abstand produktivste National-League-Duo der letzten 10 Jahre, sie kommen auf 66 Tore, bei denen einer der beiden für den anderen assistiert hat. Und sie werden ihre Führung in den kommenden Monaten weiter ausbauen. (nbr.)

Die produktivsten Duos der letzten 10 Jahre

1. Julien Sprunger/Andrei Bykow Gottéron 66 Tore
2. Tommi Santala/Denis Hollenstein Kloten 41
Marc Wieser/Perttu Lindgren Davos 41
Lino Martschini/Josh Holden Zug 41
Benjamin Plüss/Julien Sprunger Gottéron 41
6. Fredrik Pettersson/Linus Klasen Lugano 37
7. Mark Arcobello/Simon Moser Bern 34
8. Mark Arcobello/Thomas Rüfenacht Bern 32
9. Denis Hollenstein/Vincent Praplan Kloten 30
10. Reto Suri/Lino Martschini Zug 29
Roman Wick/Ryan Shannon ZSC Lions 29
Reto Suri/Josh Holden Zug 29

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