Switzerland

«Schweizer Eishockey kompakt»: Die ZSC Lions finden wieder ein Fettnäpfchen: In Genf erleiden sie eine Overtime-Niederlage

Die ZSC kassieren in Genf die fünfte Niederlage in den letzten acht Spielen. Und nur Willi Vögtlin kennt die Antwort im Spielplanchaos. Legendäres, Kurioses und Aktuelles gibt es in «Schweizer Eishockey kompakt».

Auf nzz.ch/sport finden Sie während der Eishockeysaison an dieser Stelle täglich Legendäres, Kurioses, Aktuelles und Einordnungen aus den höchsten Schweizer Eishockeyligen – alles wohlgeordnet und kurz nach der Schlusssirene aktualisiert.

Die ZSC Lions (rechts Roman Wick) verpassen es in Genf, ihre nominellen Vorteile auszunützen – Guillaume Asselin (links) erzielt das entscheidende Tor.

Die ZSC Lions (rechts Roman Wick) verpassen es in Genf, ihre nominellen Vorteile auszunützen – Guillaume Asselin (links) erzielt das entscheidende Tor.

Salvatore Di Nolfi / Keystone

Tore: 9. Morant (Andrighetto, Roe) 0:1, 13. Rod (Richard / Ausschluss Pedretti) 1:1, 22. Jacquemet 2:1, 24. Sigrist (Pettersson) 2:2, 63. Asselin (Karrer) 3:2. – Nach Niederlagen gegen Langnau und Ambri treten die Zürcher wieder in ein Fettnäpfchen. Gegen personell stark geschwächte Genfer verlieren sie noch in der Verlängerung.

Das ist uns aufgefallen: Die Fahrt nach Genf ist diesmal aufgrund der Wetterlage noch länger, weshalb der Zürcher Mannschaftsbus schon um 13 Uhr in Richtung Genf abfährt. Dort angekommen, wartet eine Aufgabe auf die ZSC Lions, die leichter lösbar scheint als üblich. Weil Servette in den letzten Runden über Gebühr gewütet hat, sind nicht weniger als sechs Spieler vom Einzelrichter gesperrt, darunter die Leistungsträger Henrik Tömmernes, Linus Omark und Damien Riat. Die Zürcher versuchen sofort, ihren nominellen Vorteil auszunützen, sie sind initiativ und feuern mehr Schüsse ab als der Gegner. Aber der fulminante Start der Lions wird schlecht belohnt, kurz nach der ersten Pause liegen sie sogar im Rückstand, der jedoch postwendend wieder ausgeglichen wird.

In einer Form, in der sie Vorteile auszunützen wissen, sind die ZSC Lions derzeit nicht. Entsprechend tun sie sich auch in diesem Spiel schwer, sie sind verwundbar und wirken nervös, auch annähernd acht Minuten in Überzahl können sie nicht ausnützen. Und so kommt es auch in der dritten Direktbegegnung dieser Mannschaften, dass die Entscheidung erst nach Ablauf der regulären Spielzeit fällt. Nach zwei Penaltyschiessen diesmal schon in der Verlängerung. Und die geschwächten Genfer bringen es tatsächlich fertig, das Spiel noch zu gewinnen, wobei das Ganze eine geradezu höhnische Note trägt: Der Schütze des 3:2 heisst Guillaume Asselin, ist Kanadier und steht eigentlich in Sierre in der Swiss League unter Vertrag. Er kam als kurzfristige Leihgabe nach Genf – wegen der vielen Gesperrten. Damit haben die ZSC Lions fünf ihrer letzten acht Spiele verloren. Oder anders ausgedrückt: Gut sind sie derzeit vor allem dann, wenn es darum geht, ein Fettnäpfchen zu finden. (pic.)

Der SC Bern war 2019 der letzte Meister im Schweizer Eishockey. Ob es in diesem Frühjahr einen gibt, wird immer fraglicher.

Der SC Bern war 2019 der letzte Meister im Schweizer Eishockey. Ob es in diesem Frühjahr einen gibt, wird immer fraglicher.

Imago

gen.

Wer weiss: Wenn die Eishockey-Saison dereinst im Juni, im Juli oder auch erst im August zu Ende ist, vielleicht werden wir zurückschauen und lachen. Der EV Zug, der Lausanne HC, die ZSC Lions oder wer sonst dem Virus bis zuletzt getrotzt hat, wird T-Shirts mit dem Aufdruck «Corona-Meister 2021» drucken. Der Spielplanverantwortliche Willi Vögtlin wird wie üblich in weissen Handschuhen und neuerdings auch mit Schutzmaske den Pokal überreichen. Und vielleicht werden sogar ein paar Anhänger im Stadion stehen und Applaus spenden.

Doch sind wir ehrlich. Ob und wann es einen Meister gibt: Wen interessiert das noch? Die Meisterschaft ist längst eine Farce. An diesem Wochenende hätten gemäss dem Spielplan die Qualifikationsrunden 33 und 34 stattfinden sollen. Der SCB hat bis heute gerade 19-mal gespielt und vorerst wieder Pause. Die nächsten vier Partien sind gestrichen.

Der Klub, der sich noch im November selber gelobt hat, Corona besonders gut im Griff zu haben, ist zum dritten Mal innerhalb von sieben Wochen in Quarantäne. Statt Lausanne, Langnau oder Lugano heisst es für die Spieler erneut Uno oder Backgammon. Geht die Saison für die Berner in demselben Rhythmus weiter, werden irgendwann Ende August auch sie die 50 Qualifikationsspiele absolviert haben.

Die Meisterschaft ist zur Schnitzeljagd mutiert: Keiner weiss genau, wohin die Reise als nächstes geht. Mittlerweile droht selbst der Spielplaner Vögtlin die Übersicht zu verlieren. Er schiebt die Partien hin und her wie den Wein, den er im Haupterwerb vertreibt. Spielraum hat er kaum mehr.

Die Liga stellt sich auf das Worst-Case-Szanario ein und hat festgelegt, nach welchen Kriterien der Meister ausgerufen wird, falls die Qualifikation nicht zu Ende gespielt werden kann. Den Pokal erhält dann das Team mit dem höchsten Punkteschnitt pro gespieltem Match. Zur Anwendung kommt dieses Reglement aber nur dann, wenn jedes Team mindestens 39 der angesetzten 52 Qualifikationsrunden bestritten hat. Bei gleich bleibender Kadenz wäre das für den SCB ungefähr Ende Mai der Fall.

Unbeantwortet bleibt die Frage, was geschieht, falls es in diesem Jahr tatsächlich zu Play-offs kommt und dort ein Team in Quarantäne muss. Fahren dann die verbliebenen Teams zur gemeinsamen Erholung ans Meer, bis sie die Meisterschaft fortgesetzt können? Nicht einmal Vögtlin kennt die Antwort.

Spezialist für das Januarloch: Arno Del Curto prophezeite nach dem Spengler-Cup jeweils eine Niederlagenserie biblischen Ausmasses.

Spezialist für das Januarloch: Arno Del Curto prophezeite nach dem Spengler-Cup jeweils eine Niederlagenserie biblischen Ausmasses.

Simon Tanner / NZZ

gen.

Was waren das noch für Zeiten, als die Schweizer Eishockeymeisterschaft ungebremst vom Dezemberhoch ins Januarloch stürzte. Kein Klub symbolisierte die Katerstimmung nach den Festtagen besser als der HC Davos: Die Spengler-Cup-Trophäe in den Händen, kündete der Trainer Arno Del Curto jeweils eine Niederlagenserie biblischen Ausmasses an. Am liebsten hätte er wohl prophylaktisch für sämtliche Partien Forfait erklärt und sich für 31 Tage zum Pokerspielen ins Dischma-Stübli zurückgezogen.

Del Curto neigte zur Übertreibung. Wider die Prognose gewann der HCD gelegentlich einen Match – wenn auch nur mit Glück und entgegen dem Spielverlauf, wie der Trainer danach richtigzustellen pflegte. Doch ganz falsch lag Del Curto mit seinem Pessimismus nicht. Nie waren die Beine schwerer und der Kopf leerer als im Januar. Nicht nur er tat sich schwer mit dem Monat: Die Euphorie des Saisonstarts ist verflogen, die entscheidende Phase noch weit weg. Drei Viertel der Liga befinden sich auf sicherem Play-off-Kurs. Die Zuschauer bleiben zu Hause.

Wer auf dem Eis mit übertriebenem Aktionismus auffiel, wurde mit einem Testspielaufgebot der Nationalmannschaft, verbunden mit einer abenteuerlichen Reise in einer in die Jahre gekommenen Tupolew ins slowakische Hinterland, bestraft. Doch seit Corona wütet, hat der Januar viel von seinem Schrecken verloren. Man sehnt sich nach der Leere des Moments, weil Momente per Definition ein Ende haben.

Neuerdings dauert das Januarloch nicht mehr 31 Tage, sondern von Oktober bis März. Zuschauer hat es die ganze Saison keine. Wer die Play-offs verpasst, wird mit vorzeitigen Ferien belohnt. Abstieg droht keiner. Die Aussicht auf zwei, drei zusätzliche Wochen am Strand ist nicht mehr als ein angemessenes Schmerzensgeld für 20 Prozent Lohnreduktion, 30 Tage Quarantäne und 50 bis 60 Rachenabstriche. Es sind Tage, wie sie sich selbst Arno Del Curto nicht schwärzer hätte ausmalen können. Dann doch noch lieber mit der Nationalmannschaft in die Slowakei.

Lust auf weitere Legenden? Hier geht es zu den gesammelten Legenden der Woche.

gen.

Simon Moser und Dustin Jeffrey trafen beim 3:1-Sieg des SC Bern am Dienstag nach langem Warten erstmals wieder, Moser musste gar 16 Spiele lang auf einen Torerfolg warten. Wer sich auf die Suche nach Gründen der bisher schwachen Berner Leistungen macht, der endet schnell bei der harmlosen Offensive. Verlässliche Skorer wie Moser, Jeffrey, Pestoni, Untersander, Andersson oder Scherwey laufen ihrer Form seit Wochen hinterher.

Serien ohne Tor im SCB

Simon Moser*Mika HenauerAlain BergerGrégory SciaroniInti PestoniRamon UntersanderCalle AndersonTristan ScherweyDustin Jeffrey*16111111109986

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