Switzerland

«Schweizer Eishockey kompakt»: Der EV Zug stoppt den SC Bern – die Zentralschweizer gewinnen 4:1 +++ Rob Schremp war der König des Rock’n’Roll

Schremp fiel auch neben dem Feld auf, zum Beispiel betrunken an der Weihnachtsfeier des EVZ. Seine Ehefrau lernte er beim Rauchen kennen. Legendäres, Kurioses und Aktuelles gibt es in «Schweizer Eishockey kompakt».

Auf nzz.ch/sport finden Sie während der Eishockeysaison an dieser Stelle täglich Legendäres, Kurioses, Aktuelles und Einordnungen aus den höchsten Schweizer Eishockeyligen – alles wohlgeordnet und kurz nach der Schlusssirene aktualisiert.

Die Entscheidung fällt zwei Minuten vor der zweiten Drittelspause: Zugs Jérôme Bachofner (Bildmitte, Nr. 10) jubelt nach seinem Tor zum 3:0.

Die Entscheidung fällt zwei Minuten vor der zweiten Drittelspause: Zugs Jérôme Bachofner (Bildmitte, Nr. 10) jubelt nach seinem Tor zum 3:0.

Peter Klaunzer / Keystone

Tore: 12 Alatalo 0:1. 39. Leuenberger 0:2. 40. Bachofner 0:3. 55. Haas 1:3. 60. Klingberg 1:4. – 24 Stunden nach dem 2:1-Sieg in der Zentralschweiz verlor der SCB die Revanche gegen den EV Zug in Bern 0:3. Die Entscheidung fiel in den letzten zwei Minuten vor der zweiten Drittelspause, als Sven Leuenberger und Jérôme Bachofner innerhalb von 127 Sekunden vom 1:0 zum 3:0 erhöhten. Beim 4:1 ins verlassene Berner Tor erzielte der Schwede Carl Klingberg den ersten Skorerpunkt in der laufenden Saison für die Zuger.

Was uns aufgefallen ist: Im zweiten Match nach dem Trainerwechsel von Don Nachbaur zu Mario Kogler erlitten die Berner zwar ihre erste Niederlage, doch wie bereits am Donnerstag in Zug zeigten sie sich defensiv erneut stark verbessert. Ungenügend bleibt weiterhin die Effizienz im Abschluss. Inti Pestoni allein hätte in den beiden Spielen vier Tore erzielen können. Stattdessen traf er einmal den Pfosten. Die Sturmlinie mit Gaëtan Haas, Ted Brithén und Simon Moser hat zumindest auf dem Papier das Potenzial, jeden Gegner vor Probleme zu stellen. Doch ausser beim 1:3 von Haas hatte das Trio am Freitag kaum zwingende Offensivaktionen. Dem SCB fehlt ein abschlussstarker Stürmer, wie es Marc Arcobello während vier Jahren in Bern gewesen war. Doch der Amerikaner spielt seit dieser Saison für den HC Lugano. Als einziges Team der Liga spielt der SCB Corona-bedingt nur mit zwei ausländischen Feldspielern.

Eine Stocktechnik zum Niederknien – trotzdem blieb Rob Schremp die grosse NHL-Karriere verwehrt.

Eine Stocktechnik zum Niederknien – trotzdem blieb Rob Schremp die grosse NHL-Karriere verwehrt.

Jean-Christophe Bott / Keystone

nbr. · Rob Schremp ist ein Faszinosum. Es hat im 21. Jahrhundert vermutlich nicht viele Spieler gegeben, die mit mehr Talent gesegnet sind als der Amerikaner. Und mit Sicherheit gab es wenige, die ihre Begabung so hingebungsvoll verschwendet haben wie Schremp.

Schremp, 34, war 2004 ein Erstrundendraft der Edmonton Oilers, einer der besten Stocktechniker der Welt, es war zum Niederknien, was er mit dem Puck anfangen konnte. Doch die NHL-Karriere endete nach nur 114 Partien, er galt als schlampiges Genie, etwas trainingsfaul und gar anfällig für die Versuchungen des Lebens. Er verliess Nordamerika 2011 und suchte sein Glück als Vagabund rund um den Globus, länger als ein Jahr hielt es ihn nirgendwo.

2013 wechselte Schremp in die Schweiz, zum EV Zug, und wurde seinem Ruf als König des Rock’n’Roll schnell gerecht: Bei der Weihnachtsfeier des Klubs schaute er so tief ins Glas, dass nur die schützende Hand des Trainers Doug Shedden ihn vor der vorzeitigen Entlassung retten konnte. Zwei Jahre später heuerte er bei den SCL Tigers an – und verliess das Emmental noch vor dem Saisonende. «Ich bin wahnsinnig enttäuscht. Als er ein wenig Widerstand bekommen hat, ist er einfach davongelaufen», sagte der damalige Sportchef Jörg Reber der Lokalpresse.

2018 beendete Schremp seine Karriere – doch nun ist er zurück, seit September wirbelt er im HK Mogo in der ersten lettischen Liga, einem Konstrukt, in dem die Saläre überschaubar sind und das Niveau ebenfalls. Wer denkt, der Transfer sei eine Verzweiflungstat aus Geldnot, irrt. Schremp ist seit langer Zeit, seit seinem Engagement bei Dinamo Riga 2012, mit einer lettischen Frau liiert; das Paar hat eine gemeinsame Tochter. Dem Portal «TV Net» diktierte Schremp zwei Sätze, die Google Translate charmant so übersetzt: «Ich lernte Martha eines Nachts versehentlich in Old Riga kennen. Sie war mit Freundinnen unterwegs, und ich kam herüber und fragte, ob ich mit ihnen rauchen dürfe.»

Wer sich schon einmal im Ausgehviertel der in jeder Hinsicht unwiderstehlichen lettischen Hauptstadt verlustiert hat, weiss: Es ist eine latente Gefahr, dass man dort versehentlich jemanden kennenlernt und mit dieser Person gerne mindestens rauchen möchte. Nun lebt und spielt Schremp wieder in Lettland – und betreut von dort aus die Klienten seiner Firma 44 Vision Hockey, mit der er Trainings-Komplettlösungen und Videoanalysen für lernwillige Profis anbietet. Zu den Mitarbeitern gehört Glen Metropolit, einst Liga-Topskorer der National League und für Lugano, Zug und Bern aktiv.

Das Ziel, sagt Schremp, sei es, mit Videos Spielintelligenz zu vermitteln. Sein vielleicht prominentester Kunde ist Marco Rossi, das derzeit bei den ZSC Lions engagierte Supertalent, das Schremp als Skills-Coach engagiert hat. Bis zu drei Mal standen die beiden im Sommer zusammen auf dem Eis, das ist viel. Einer der besten WC-Kalendersprüche besagt: Wenn du kein Vorbild sein kannst, sei eine Warnung. Im Fall von Rossi kann Schremp beides sein: Ein Vorbild als Coach. Und eine Warnung als Spieler.

Lust auf weitere Legenden? Hier geht es zu den gesammelten Legenden der Woche.

nbr. Gottérons Coach Christian Dubé hat kürzlich das Duo Julien Sprunger/Andrei Bykow wiedervereinigt. Die beiden spielen seit Menschengedenken für Freiburg; der heutige Captain Sprunger (34) debütierte 2002/03, Bykow (32) zwei Jahre später. Zahllose Trainer haben sie in der letzten Dekade gemeinsam stürmen lassen und wieder getrennt, aktuell stürmt das Duo wieder zusammen. Weil Klubtreue heutzutage eher kleingeschrieben wird, sind Sprunger/Bykow das mit Abstand produktivste National-League-Duo der letzten 10 Jahre, sie kommen auf 66 Tore, bei denen einer der beiden für den anderen assistiert hat. Und sie werden ihre Führung in den kommenden Monaten weiter ausbauen.

Die produktivsten Duos der letzten 10 Jahre

1. Julien Sprunger/Andrei Bykow Gottéron 66 Tore
2. Tommi Santala/Denis Hollenstein Kloten 41
Marc Wieser/Perttu Lindgren Davos 41
Lino Martschini/Josh Holden Zug 41
Benjamin Plüss/Julien Sprunger Gottéron 41
6. Fredrik Pettersson/Linus Klasen Lugano 37
7. Mark Arcobello/Simon Moser Bern 34
8. Mark Arcobello/Thomas Rüfenacht Bern 32
9. Denis Hollenstein/Vincent Praplan Kloten 30
10. Reto Suri/Lino Martschini Zug 29
Roman Wick/Ryan Shannon ZSC Lions 29
Reto Suri/Josh Holden Zug 29

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