Switzerland

«Schlagerette»: Ich war schon lange nicht mehr …

Unsere Autorin stapft derzeit mit viel Sehnsucht im Schnee herum – um immer wieder aufs Sofa zurückzukehren. Grad so wie der Mann im Udo-Jürgens-Song.

Frei nach Udo Jürgens: Die Sehnsucht in ihnen wird wieder wach.

Frei nach Udo Jürgens: Die Sehnsucht in ihnen wird wieder wach.

Foto: Getty Images

Letztes Jahr machte eine Frage die Runde in den sozialen Medien, und ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke: Wenn du Corona beenden könntest, indem du eine Musikrichtung opferst, welche wäre es, und warum Schlager?

Ich kann nicht einmal erklären, warum ich es so lustig finde, weil: Schlager ist ja die Musik der Stunde. Jetzt nicht nur, weil meistens die Sonne scheint im Kornfeld oder – im übertragenen Sinne – durch fast jedes Lied kleine, rote Herzchen fliegen. Sondern weil Schlager so realitätsfremd ist und dann eben wieder überhaupt nicht. Und in jedem Fall angenehmer als die «Tagesschau».

Ich zum Beispiel höre mir in letzter Zeit immer wieder Udo Jürgens’ New-York-Lied an. Krass, wie ein Song von 1982 so … passend sein kann (geschrieben hat es Michael Kunze, den ich immer, wirklich immer, mit Hans-Rudolf Kunze verwechsle, Sie wissen schon: «Dein ist mein ganzes Herz»). Anyway, back to New York:

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii. Ging nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans. Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei. Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen.

Und so weiter, das ganze Lied spendet Trost! Natürlich müsste es jetzt lauten «Ich ging schon lange nicht mehr durch San Fran …» Und selbst wenn es derzeit nicht angeraten ist, «ein Taxi zu nehmen dort am Eck», und der Gedanke «Vielleicht ging heute Abend noch ein Flug» irgendwo im Tiefschnee versinkt und ich gar nie nach New York will: Mich berühren Zeilen wie «Die Sehnsucht in ihm wurde wieder wach» sehr. Sie erinnern mich daran, dass ich überhaupt noch Sehnsucht habe: etwas, was ich paralysiert, wie ich bin dieser Tage gern vergesse.

Der Mann im Lied kauft seine Zigaretten, geht zurück zu seiner Frau und schaut sich «Dalli Dalli» an. Ich stapfe jeweils eine Weile im Schnee herum, lasse meine Sehnsucht zu, bis es ein bisschen wehtut, gehe dann heim und ziehe mir «Auf und davon» auf SRF rein. Und wenn es dann trotzdem zu viel wird, dann sinniere ich über die Frage nach «Wenn du Corona beenden könntest, indem du eine Musikrichtung opferst, welche wäre es, und warum Schlager?» Und werde dann jeweils ganz vergnügt.

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