Switzerland

«Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit»? Ein entlassener Profi-Basketballer gibt Deutschlands Verschwörungstheoretikern neues Futter

Der Basketball-Nationalspieler Joshiko Saibou hat seinen Job bei den Telekom Baskets Bonn verloren. Der Klub wirft ihm vor, seine Existenzgrundlage fahrlässig zu gefährden, weil er eine Demonstration gegen staatliche Corona-Massnahmen besucht hat. Saibou wehrt sich – zur Freude eines Teils der Protestszene.

Joshiko Saibous Vertrag mit den Telekom Baskets hätte noch bis 2021 laufen sollen. Nun wurde er fristlos gekündigt.

Joshiko Saibous Vertrag mit den Telekom Baskets hätte noch bis 2021 laufen sollen. Nun wurde er fristlos gekündigt.

Imago

Das vergangene Wochenende in Berlin wird nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Noch immer schwirren die bizarren Bilder der Demo gegen die Corona-Massnahmen durchs Netz: Judensterne auf den Hemden von Impfgegnern, Plakate mit dem Slogan «Wir sind die zweite Welle». Erste Politiker denken bereits laut darüber nach, die Demonstrationsfreiheit einzuschränken. Andere fragen, wo die Grenze zwischen Skepsis gegenüber staatlichem Handeln und Verschwörungstheorien verläuft – und wann aus dem einen das andere wird.

Eine Grenze wurde inzwischen schon gezogen, und zwar vom Bonner Basketballklub Telekom Baskets. Er kündigte den Vertrag des Spielers Joshiko Saibou, der seit 2019 beim Klub ist, fristlos – wegen «Verstössen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler». Saibou war an der Berliner Demonstration gegen Corona-Massnahmen gewesen und war dort ohne Maske fotografiert worden. Für eine Stellungnahme war der Sportler an diesem Mittwoch nicht zu erreichen.

«In erster Linie bin ich Mensch»

Es war nicht das erste Mal, dass der 30-Jährige Kritik an den Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie geübt hat. In der Vereinsmitteilung dazu heisst es, Saibou habe wiederholt auf Social-Media-Kanälen eine entsprechende Haltung geäussert. Das stimmt. In einem Instagram-Beitrag vom 3. Mai spricht er sein Publikum beispielsweise direkt an. «Du, der gelernt hat, du gibst das wieder, was Fernsehen, Zeitung und Politik dir sagen. Und du, der gelernt hat: Wehe, du hinterfragst. Selbst wenn du deine Menschenrechte verletzt.» Zum Schluss setzt er sich mit den Worten «also, Blatt vorm Mund» einen Mundschutz auf. Ist das schon eine Verschwörungstheorie? Sicher nicht. Doch ob absichtlich oder nicht: Dieses vielsagende Geraune bestärkt diejenigen, die auch so schon nicht viel von staatlichen Corona-Massnahmen halten.

Der Profisportler, der auch in der deutschen Nationalmannschaft spielt, hat nach seinem Rauswurf offenkundig nicht vor, klein beizugeben. In einem weiteren Instagram-Beitrag vom Dienstagabend übt er scharfe Kritik an der Entscheidung seines Klubs. «Wenn ich eine polarisierende Meinung habe, ist Gegenwind verständlicherweise vorprogrammiert. Daraufhin jedoch meinen Job zu verlieren, ist totalitär und ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit», schrieb Saibou. Er habe immer geglaubt, bei den Telekom Baskets stehe Toleranz an oberster Stelle, aber jetzt habe man ihm das Gegenteil bewiesen. Er sei Basketballspieler, «aber in erster Linie bin ich Mensch».

Wurde Saibou also, wie er sagt, wegen der Äusserung seiner Meinung entlassen? Mitnichten, sagte Wolfgang Wiedlich, Präsident des Bonner Basketballklubs, zur NZZ. Das Fehlverhalten des Sportlers habe nicht darin bestanden, an dieser Demonstration teilzunehmen; der Verein habe nichts gegen kontroverse Diskussionen, auch zu diesem Thema. Es liege vielmehr im vorsätzlichen Missachten der generellen Hygienemassnahmen. Momentan arbeite man akribisch an Hygienekonzepten für die nächste Saison. Das Infektionsrisiko, das Saibou darstelle, sei weder gegenüber seinen Arbeitskollegen noch gegenüber seinem Team verantwortbar: «Es geht darum, unsere Existenz aufrechtzuerhalten.»

Und doch habe der Verein das Gespräch mit Saibou gesucht. Seine Bereitschaft dazu sei allerdings «gering ausgeprägt» gewesen. Es hätte am Ergebnis ohnehin nichts geändert, sagt Wiedlich. Der Entschluss, sich von dem Spieler zu trennen, habe nach der Demonstration vom Samstag festgestanden. Man habe zudem schon vorher mit Saibou gesprochen, als dessen erste Social-Media-Postings zum Thema Corona aufgetaucht seien. Die Vereinslinie sei dabei klar dargelegt worden: Meinungsfreiheit ja, Gefährdung der eigenen Gesundheit und der Gesundheit der Mannschaft nein.

Die Leichtathletin Alexandra Wester und der Basketballer Joshiko Saibou an der Demonstration gegen die staatlichen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie am vergangenen Wochenende in Berlin.

Die Leichtathletin Alexandra Wester und der Basketballer Joshiko Saibou an der Demonstration gegen die staatlichen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie am vergangenen Wochenende in Berlin.

PD

Saibous Freundin, die 26-jährige deutsche Profi-Leichtathletin Alexandra Wester, steht zu ihrem Freund. Sie war mit ihm an der Demonstration in Berlin, und auch sie veröffentlichte am Dienstagabend ein Video auf Instagram. «Ein Verein sollte einen Athleten in seiner Diversity, seiner Entwicklung und auch seiner polarisierenden Meinung unterstützen oder zumindest sie akzeptieren», sagte sie da. Beide hätten bewusst darauf geachtet, niemanden bei der Demo in Gefahr zu bringen. Und weiter: «Ihr solltet verstehen, dass wir Athleten nicht die Sklaven der Neuzeit sind, aber ihr macht uns gerade dazu.»

Auch Wester verbreitet mitunter krude Inhalte in den sozialen Netzwerken. Mal spricht sie von einem Impfzwang für die Bevölkerung, mal von Ärzten und Anwälten, die Menschenrechte verteidigten und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden. Es wäre vermessen, die Beziehung der beiden Profisportler von aussen zu kommentieren. Doch offenbar fällt der eine dem anderen bei diesem Thema nicht oft ins Wort.

Basketballklub rechnet mit juristischem Nachspiel

Der Bonner Basketballklub geht davon aus, dass Saibou wegen seiner fristlosen Kündigung vors Arbeitsgericht zieht. Dieser juristische Schritt stehe natürlich jedem frei, sagte der Präsident Wiedlich. Der Klub stehe so oder so hinter seiner Entscheidung.

Der Fall Joshiko Saibou birgt eine beunruhigende Dynamik. Denn er bietet den Verschwörungstheoretikern im Land neues Futter: Schaut, wie das System diese beiden Unschuldigen bestraft und ausgrenzt. Und so ist es kein Zufall, dass der Sänger Xavier Naidoo, der seit Jahren dadurch auffällt, immer wüstere Verschwörungstheorien zu verbreiten, die Beiträge Saibous und Westers sofort mit Herzen dekorierte. «Alles Liebe und viel Kraft», lautete seine Botschaft.

Football news:

Brückenbauer über Rostock: Geldverschwendung spielt einen bösen Witz. Makkabi schlug Millionäre
Godin wechselte von Inter nach Cagliari
Atlético-Chef: Bartomeu wird zu den großen Präsidenten von Barça gehören. Die Geschichte wird seine Richtigkeit beweisen
Schiedsrichter Taylor setzte für ein Foul von Alaba an Rakitic einen Elfmeter ins Bayern-Tor. Ocampos erzielte in der 13.Minute den Anschlusstreffer durch Lucas Ocampos
Noch ein Abend, an dem wir uns unwohl fühlen: das traurige Bild über den Sturz von Rostow im Europapokal 2016 beim FC Bayern
Valery Karpin: Rostow, ein Tor erzielt, süchtig psychologisch, aufgehört zu drücken. Am Ende gab es keine Kräfte
Glebow bekam rot für ein Foul an Maccabi im Mittelfeld. IN der 3.Europa-League-Qualifikationsrunde gegen Maccabi Haifa (1:2, zweite Halbzeit) wurde der Mittelfeldspieler von Rostov Daniel Glebov vom Feld geholt. In der 68.Minute traf der eingewechselte Makkabi-Mittelfeldspieler Mohammad Abu-fani mit einem direkten Fuß ins Knie. Die Verletzung ereignete sich im zentralen Bereich des Feldes. Der Schiedsrichter der Begegnung, Peter Ardeljan, zeigte Glebow die rote Karte