Switzerland

Schiedsrichter-Chef Daniel Wermelinger: «Die Belastung für die Schiris macht mir Sorgen»

Dani Wermelinger, sind Ihre Schiris gesund?
Dani Wermelinger: Ja, sie sind sehr gesund.

Sind die Super-League-Refs auf das Coronavirus getestet worden?
Nein. Aber ich kann Ihnen versichern: Wir halten uns ans Schutzkonzept der Swiss Football League.

Sind die Unparteiischen während der Corona-Pause fit geblieben?
Grundsätzlich arbeiten wir mit dem Swiss Olympic Medical Center in Sion zusammen. Dort mussten die Schiedsrichter periodisch ihre Daten einreichen. Und wir bekamen darauf Rückmeldungen. Die Schiedsrichter hielten sich sehr gut an die Vorgaben und haben sich fit gehalten. Sie sind sehr gut vorbereitet für einen möglichen Re-Start. Was mir allerdings mehr Sorgen macht als der Fitness-zustand, ist die Belastung der Schiedsrichter bei einem Re-Start, weil ja 13 Runden in kurzer Zeit anstehen. Die Schiris sind keine Vollprofis, aber wir sind bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen.

Müssen die Schiedsrichter bei Geisterspielen aufpassen, damit man an den TV-Bildschirmen ihre Konversation mit den Spielern nicht mitbekommt?
Man sah das zuletzt in der Bundesliga. Man hört wirklich jedes Wort. Das gilt im umgekehrten Fall aber auch für die Aussagen der Spieler oder Funktionäre.

Sie wissen genau, wovon Sie reden. Sie haben gleich zwei von den sieben Geisterspielen geleitet, die in der Schweiz bisher über die Bühne gingen. Was ist anders?
Man könnte denken, dass die Leitung eines Geisterspiels für die Schiedsrichter einfacher ist, weils keine Zuschauer im Sta-dion hat. Diese Erfahrung habe ich allerdings nicht gemacht. Es ist sicher schwieriger, die Konzentration aufrechtzuerhalten, wenn kein Lärmpegel von den Rängen da ist. Auf dem Platz geht die Post ab und alles rundherum erinnert an ein Testspiel.

Waren Sie mit Ihren Leistungen in den Geisterspielen zufrieden? Oder können Sie sich gar nicht mehr daran erinnern?
Doch, klar erinnere ich mich. Basel gegen Schaffhausen war ja gleichzeitig auch mein Debüt in der Super League.

Gleich ein Geisterspiel zum Einstieg ...
Ja. Ich weiss noch genau, wie nervös ich war, als mich der damalige Schiedsrichterchef Werner Müller angerufen hat, um es mir mitzuteilen. Aber im Nachhinein war es kein schlechter Einstieg.

Warum?
Als Debütant war ich so angespannt und fokussiert, dass ich gar nicht richtig realisiert habe, dass keine Zuschauer da waren. Zudem glaube ich, dass die Spieler es dem Schiedsrichter in Geisterspielen auch einfacher machen.

Weniger Theatralik? Weniger Fallsucht?
Das haben Sie jetzt so genannt. Aber es geht in diese Richtung, ja. Jeder Spieler weiss, was er über die Fans alles auslösen und wie er sie ins Spiel einbinden kann. Zumindest kann ich mich an keine einzige Szene in diesen beiden Partien erinnern, in welcher ein Spieler ein Foul gesucht hat.

An was können Sie sich noch erinnern?
Mein zweites Geisterspiel war Zürich gegen Luzern im Jahr 2008. (Lacht) Ich kann mich bestens an einen emotionalen Trainer erinnern, der eine so laute, markante Stimme hat, dass ich ihn immer und überall gehört habe.

Sie reden von Bernard Challandes. Hatten Sie Mühe mit ihm?
Nein, überhaupt nicht. Bernard ist einfach ein sehr emotionaler Typ.

Werden nun auch junge Schiedsrichter in Geisterspielen debütieren? Immerhin stehen ja viele englische Wochen an.
Nein. Es wird zu keinen Debüts kommen, weder in der Super League noch in der Challenge League. Wir haben entsprechende Szenarien durchgespielt.

Noch eine Frage: Gibts von Ihrer Seite Anweisungen, dass die Schiedsrichter einen Maulkorb tragen müssen?
Nein, die Schiedsrichter sind mündig genug zu wissen, wie sie mit diesen veränderten Umständen umgehen müssen. Das Regelwerk bleibt ja dasselbe.

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