Switzerland

Sandro Mollet hat sich mit 33 um seinen Nachlass gekümmert: «Nur weil ich ein Testament gemacht habe, sterbe ich nicht früher»

Dass es kein angenehmer Gedanke ist, sich mit seiner eigenen Endlichkeit zu beschäftigen, weiss auch der Oltner Sandro Mollet. Doch eines Tages war er damit konfrontiert. Nicht weil er krank war, sondern weil er eine Checkliste vor sich hatte. Da standen so banale Dinge drauf wie «Autonummer hinterlegen» oder «Post umleiten lassen», erzählt Mollet. Aber auch «Testament verfassen» und die Frage, ob Sandro Mollet ein militärisches oder ein ziviles Begräbnis wolle. «Da habe ich leer geschluckt», sagt Mollet.

Das war 2015 und Mollet mitten im Vorbereitungskurs der Schweizer Armee in Stans NW für seine Aufgabe als Uno-Militärbeobachter. Militärbeobachter – inoffiziell auch Blaumützen genannt – sind unbewaffnete Einsatzkräfte der Uno, sie überwachen Waffenstillstandsabkommen, vermitteln zwischen verfeindeten Parteien und berichten an den Uno-Sicherheitsrat in New York.

Mollet, der im Südlibanon, in Damaskus und auf den Golanhöhen zwischen Israel und Syrien stationiert war, patrouillierte entlang der Waffenstillstandslinien, sprach mit Dorfbewohnern. Auf die Frage, ob es auch mal brenzlig wurde, darf Mollet nichts Konkretes antworten. Aber er sei schon einige Male in den Schutzraum «gsecklet». «Du bist zwar allermeistens nicht das Ziel», sagt Mollet, «aber trotzdem mittendrin.»

Mollet will andere unterstützen

Warum will das ein 33-Jähriger? Der mittlerweile 38-Jährige hatte mehrere Gründe. Mit einem solchen Einsatz konnte er einen, wenn auch nur kleinen Beitrag zur Verbesserung der Situation in einem Krisengebiet leisten. Als Militärbeobachter hat man zudem eine der wenigen «Möglichkeiten, in einen richtigen Einsatz zu gehen, nicht nur ausschliesslich WKs zu absolvieren». Ausserdem dachte er sich, nach dem Chemiestudium an der ETH und ein paar Jahren als Lehrer an der Kanti in Olten SO würde ein solcher Einsatz nicht schaden, um wieder vermehrt wertzuschätzen, was er in der Schweiz hat. Darüber hinaus lerne man mit so einem Einsatz neue Länder und Kulturen kennen.

Vor der Abreise sass er also vor dieser Checkliste. In einem Alter, in dem die meisten sich nicht um die Vorsorge oder den Nachlass kümmern. In einer bierseligen Diskussion mit einer Freundin sagte Mollet einmal: Ich lebe bescheiden, habe einen schönen Lohn, ich möchte etwas Gutes unterstützten. «Der Gedanke», so Mollet heute, «wenn es mich jetzt lupft, kann ich andere unterstützen, fühlte sich gut an.»

Die ETH rückte in seinen Fokus. «Ich war selbst mit Herzblut Student. Ich habe eine Menge Jahre an der ETH verbracht. Bachelor, Master, Doktorarbeit, Lehrdiplom. Die Ausbildung an einer der besten Hochschulen der Welt stand mir offen. Und sie soll nicht nur den Privilegierten offenstehen.» Mollet sass mit der ETH Zürich Foundation zusammen; wen er berücksichtigen wollte, wusste er genau. Mollet hatte als Kanti-Lehrer ein prägendes Erlebnis.

«Ein paar Stipendien werden einmal aus meinem Kässeli finanziert»

Ein begabter Schüler aus einer seiner Klassen hatte die Chance auf ein naturwissenschaftliches Praktikum an der ETH. Er freute sich, sagte ihm aber auch, dass er nicht wisse, ob sich seine Familie das leisten könne. Das Zugticket sei zu teuer. Das kann doch nicht sein, sagte sich Mollet. Er wäre bereit gewesen, die Woche aus seiner eigenen Tasche zu bezahlen, und fand dann gemeinsam mit der Schulleitung eine Lösung.

«Ich habe eine emotionale Verbundenheit zu dieser Universität, und ich möchte fähige und willige Studierende unterstützen», sagt Mollet. Konkret: Die Hälfte seines Nachlasses geht an finanzschwache Studierende in den Fachbereichen Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Bevorzugt weibliche Bewerber. Dazu Mollet: «In den Naturwissenschaften ist der Frauenanteil noch zu gering. Doch Frauen können das nicht schlechter, da verschwenden wir recht viel Potenzial.»

«Wir reden hier nicht von Millionen», sagt Mollet und lacht. «Aber ein paar Stipendien werden einmal aus meinem Kässeli finanziert.» Mollet, der heute wieder in Olten lebt und bei einem Pharma-Zulieferer arbeitet, ist es wichtig zu sagen, dass das nichts mit seiner Familie zu tun habe, es keine Art Abrechnung sei. Im Gegenteil, man habe ein ausgezeichnetes Verhältnis. Er sei bloss der Meinung, dass es ihnen allen gut gehe und sie keine finanziellen Probleme hätten. «Finanziell sorgenfreie Existenzen», sagt Mollet. Der gesellschaftliche Nutzen sei grösser, wenn er Studenten unterstütze.

Seine Eltern wissen Bescheid. «Ich wollte sie nicht hintergehen.» Mutter und Vater bekommen den Pflichtteil, je einen Viertel. Ihre Reaktion? Sie waren gelassen und sagten: Der Plan sei ja sowieso, dass sie vor mir gehen. Und dann sagt Mollet: «Nur weil ich ein Testament geschrieben habe, sterbe ich nicht früher.»

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