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Russland hat laut US-Angaben Zehntausende Ukrainer verschleppt

Wie sich ukrainische Zivilisten auf ihren Feind vorbereiten

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Wie sich ukrainische Zivilisten auf ihren Feind vorbereiten

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Als das russische Bataillon den Fluss überqueren wollte, schlugen die Ukrainer zu: Der Verlust an der Brücke über den Siwerskyj Donez dürfte Putins Invasionsarmee schon rein rechnerisch wehtun.

Es ist ein schwerer Schlag für die russische Invasionsarmee im Osten der Ukraine: Bei einem Artillerieangriff auf eine schwimmende Pontonbrücke bei Luhansk haben ukrainische Truppen mindestens 50 russische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge zerstört. Das zeigen Drohnenaufnahmen, die das ukrainische Verteidigungsministerium vom Ort des Geschehens am Fluss Siwerskyj Donez veröffentlicht hat:

Gegen ihren Willen sollen Ukrainer von russischen Truppen über die Grenze gebracht werden. Kiew beklagt die Zwangsverschleppungen seit Wochen, nun bestätigen sie auch die USA. 

Schutzbedürftig und im Visier der Russen: Ukrainische Zivilisten.

Schutzbedürftig und im Visier der Russen: Ukrainische Zivilisten.Bild: keystone

Ein Artikel von

t-online

Die USA gehen davon aus, dass Russland seit Beginn seines Angriffskriegs zehntausende Ukrainerinnen und Ukrainer gewaltsam verschleppt hat. Allein aus der belagerten Hafenstadt Mariupol seien tausende Menschen nach Russland oder in russisch kontrolliertes Gebiet gebracht worden, sagte der US-Botschafter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Michael Carpenter, am Donnerstag in Wien.

Die ukrainische Regierung schätzt die Zahl der verschleppten Ukrainer gar auf knapp 1.2 Millionen. Darunter sollen sich nach Angaben der Ombudsfrau Lyudmyla Denisowa auch mindestens 200'000 Kinder befinden. Nach Angaben Kiews betreibt Moskau zudem sogenannte Filtrationslager, in denen festgenommene Ukrainer verhört werden.

Zivilisten in den Rücken geschossen 

Augenzeugen hätten von «brutalen Verhören» in diesen Lagern berichtet, sagte Carpenter. Dies und die Zwangsverschleppungen kämen Kriegsverbrechen gleich. «Wir dürfen dieses Übel nicht zulassen», sagte er. Der UN-Menschenrechtsrat hatte am Donnerstag mit überwältigender Mehrheit für eine Untersuchung mutmasslicher russischer Kriegsverbrechen in der Ukraine gestimmt.

Kiew wirft der russischen Armee vor, seit ihrem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar in zahlreichen Orten Kriegsverbrechen begangen zu haben. Die Sender CNN und BBC veröffentlichten am Donnerstag Aufnahmen eines solchen möglichen Verbrechens von Mitte März. Auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera war zu sehen, wie russische Soldaten offenbar zwei unbewaffnete Zivilisten in der Nähe eines Autohauses ausserhalb von Kiew in den Rücken schiessen. Einer der Männer starb noch vor Ort, der andere kurz darauf.

Angriff auf Schule

Die Kämpfe im Süden und Osten der Ukraine dauerten am Donnerstag weiter an. Das ukrainische Präsidialbüro meldete anhaltenden Beschuss aus der Region Luhansk. Russische Truppen versuchten, die vollständige Kontrolle über die Stadt Rubischne zu erlangen, eine wichtige Autobahn zwischen Lysytschansk und Bachmut zu blockieren und Sewerodonezk einzunehmen, hiess es.

In der nordöstlichen Region Tschernihiw wurden nach Angaben von Rettungskräften am Donnerstag bei einem Angriff auf eine Schule drei Menschen getötet und zwölf weitere verletzt. Die russische Armee selbst meldete Angriffe auf Donezk und Charkiw mit mehr als 170 Toten.

Selenskyj: «Das ist Barbarei» 

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj inzwischen landesweit 570 Gesundheitseinrichtungen zerstört, darunter 101 Krankenhäuser. «Wozu? Das ist Nonsens. Das ist Barbarei», sagte der ukrainische Staatschef in seiner täglichen Videobotschaft vom Donnerstag.

Die Ukraine führte zudem Verhandlungen mit Russland über die Evakuierung schwer verletzter Soldaten aus dem belagerten Stahlwerk des Konzerns Asowstal in Mariupol. Die Gespräche seien «sehr schwierig», erklärte die stellvertretende Regierungschefin Iryna Wereschtschuk. Es gehe zunächst nur um 38 Soldaten, die gegen gefangene Russen ausgetauscht werden könnten.

In dem Industriekomplex haben sich nach ukrainischen Angaben noch mehr als tausend Kämpfer verschanzt. Sie sind die letzten ukrainischen Verteidiger in der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol, die mittlerweile abgesehen von dem Industriegebiet vollständig unter russischer Kontrolle steht. Hunderte Zivilisten wurden in den vergangenen Wochen aus den Asowstal-Anlagen in Sicherheit gebracht.

(AFP(tonline)