Switzerland

Ruf nach Staatshilfe – wo bleibt das Selbstvertrauen der Schweizer Industrie?

Mit seiner Forderung nach staatlicher Unterstützung behindert der Industrieverband Swissmem den Strukturwandel. Damit ist niemandem gedient. Fitte Unternehmen werden auch diese Krise überstehen.

Fitte Unternehmen werden die Krise überstehen: Produktionshalle des Spezialfahrzeugherstellers Aebi in Burgdorf.

Fitte Unternehmen werden die Krise überstehen: Produktionshalle des Spezialfahrzeugherstellers Aebi in Burgdorf. 

Martin Ruetschi / Keystone

Die Schweizer Industrie streicht gerne ihre Stärken hervor. Über 80 Prozent der Einnahmen würden im Ausland erwirtschaftet, betont der Branchenverband Swissmem, der mit dem Maschinen-, Elektro- und Metallsektor (MEM) einen der gewichtigsten Schweizer Industriezweige repräsentiert.

Trotz einem seit Jahrzehnten starken Franken sowie wiederholten weltweiten Konjunktureinbrüchen sei es gelungen, die hiesige Industriebasis weitgehend zu erhalten. Nach wie vor würden allein im MEM-Sektor fast 325 000 Arbeitnehmer beschäftigt, deren Wertschöpfung deutlich höher als jene in den meisten Bereichen der Dienstleistungsbranche sei.

Verbandsvertreter malen schwarz

Doch das sonst demonstrierte Selbstvertrauen scheint Industrievertretern im gegenwärtigen Umfeld abhandengekommen zu sein – zumindest vordergründig. An einer Online-Medienkonferenz versuchte die Führung von Swissmem, die Lage in den düstersten Farben darzustellen. Eine Krise wie die jetzige habe man noch nie erlebt, sagte der Verbandspräsident Hans Hess. Nicht nur brächen den Mitgliedsfirmen im Zuge der Corona-Krise die Aufträge weg. Auch müsse die Branche erneut mit einem deutlich überbewerteten Franken fertigwerden.

Falls keine baldige Erholung der Nachfrage eintritt, sieht der Verband schwerwiegende Ertragsprobleme auf die Branche zukommen. In einer Umfrage äusserte nur noch ein gutes Viertel der befragten Mitgliedsfirmen die Erwartung, 2020 eine Umsatzrendite von über 5 Prozent zu erreichen.

Bei einer derart schwachen Profitabilität sei es Firmen nicht mehr möglich, in Innovationen und damit in die Zukunft zu investieren, folgert der Verband. Er fordert denn auch flugs die öffentliche Hand auf, die Industrie mit einem Bündel von Massnahmen zu unterstützen.

Hohle Hand bei der Innovationsförderung

Erfreulicherweise verlangt Swissmem kein Konjunkturprogramm, obwohl verschiedene Industrienationen wie Deutschland oder Japan bereits umfangreiche Investitionen zum Ausbau und zur Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur angekündigt haben. Solche Ausgaben verhelfen einheimischen Unternehmen zwar kurzfristig zu Aufträgen, doch sind sie ein süsses Gift: Höhere Staatsaufwendungen lassen sich nur zum Preis einer höheren Verschuldung und/oder steigender Steuern finanzieren.

Bei der Innovationsförderung ist sich Swissmem indes nicht zu schade, in Bern die hohle Hand zu machen. Im Rahmen des Programms von Innosuisse brauche es einen zusätzlichen «Check» im Wert von 130 Millionen Franken, damit kleinere Firmen mangels eigener finanzieller Mittel nicht von der technologischen Entwicklung abgehängt würden. Der Verband plädiert zudem für eine bevorzugte Behandlung einheimischer Anbieter bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen.

Erholung doch schon früher?

Allerdings scheint sich die Swissmem-Spitze dann doch nicht so sicher zu sein, ob der Abschwung tatsächlich so ausgeprägt wie befürchtet ausfallen wird. Es könne auch sein, dass sich bereits in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung abzeichne, räumen die Verbandsvertreter ein.

Grundsätzlich täte der Industrie wie anderen Branchen etwas mehr Gelassenheit gut. Vor allem sollte der Sektor nicht versuchen, mit seinem Ruf nach staatlicher Unterstützung einen Strukturwandel künstlich aufzuhalten. Wenn es bereits in den vergangenen zwei Jahren je ungefähr 40 Prozent der Swissmem-Mitgliedsfirmen nicht geschafft haben, eine Umsatzrendite von mehr als 5 Prozent zu erwirtschaften, sind wohl einige dieser Unternehmen auf Dauer nicht überlebensfähig.

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