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Rückzug von AL-Stadtrat: Neun Jahre sind genug: Richard Wolff tritt ab

Der Stadtzürcher Tiefbauvorsteher wird bei den kommenden Wahlen nicht wieder kandidieren. Die AL will ihren Sitz aber verteidigen.

Hat seine Pläne für die Stadtratswahlen bekannt gegeben: AL-Tiefbauvorsteher Richard Wolff.

Hat seine Pläne für die Stadtratswahlen bekannt gegeben: AL-Tiefbauvorsteher Richard Wolff.

Foto: Samuel Schalch

Richard Wolff hat genug. Der AL-Stadtrat hat an einer Pressekonferenz im Zürcher Volkshaus bekannt gegeben, dass er bei den Wahlen im Februar 2022 nicht mehr antreten wird. Dafür werden Gemeinderätin Olivia Romanelli und Gemeinderat Walter Angst für die AL ins Stadtratsrennen steigen.

Der Entscheid habe Wolff schon länger gefasst, gab er am Freitag vor den Medien bekannt. «Die bisherigen acht Jahre im Stadtrat waren äusserst intensiv und immer spannend», sagt Wolff. Er habe diese Zeit fast immer geliebt und genossen. Doch nach neun Jahren wird 2022 die Zeit reif sein, das Stadtratskapitel abzuschliessen. «Für den grossen Rückblick und die Bilanz ist die Zeit noch nicht gekommen», sagt er. Denn: Er wolle sich noch ein Jahr lang mit voller Energie vor allem der Verkehrspolitik widmen.

Jüngst wurde die Kritik an Wolffs Arbeit lauter. Vor allem rot-grüne Stadtpolitikerinnen und -politiker monierten, er würde die Umsetzung der Velo-Initiative verschleppen und bei wichtigen Fragen unvorteilhaft kommunizieren. Hinzu kam, dass er das Dossier des Bellerive-Strassen-Umbaus abgeben musste und Karin Rykart die Federführung bei der nächsten Tempo-30-Welle von ihm übernommen hat.

Angesichts der Kritik und seines Alters (er wird dieses Jahr 64) rechneten viele Gemeinderätinnen und Gemeinderäte damit, dass Richard Wolff abtreten wird. Und so kommt es nun auch. Eine grosse Frage blieb aber stets: Wer könnte für die AL den Sitz für Richard Wolff verteidigen?

Schwierige Aufgabe für die AL

Am Freitag lieferte die linksaussen Partei ihre Antwort. Es wird eine Doppelkandidatur. Die 46-jährige Olivia Romanelli und der 59-jährige Walter Angst. Beide politisieren im Stadtparlament. Walter ‘Wädi’ Angst sitzt seit bald 19 Jahren im Gemeinderat, Romanelli erst seit deren zwei. Angst ist einer der prominentesten Gesichter der AL, bekannt für sein Engagement für den Mieterverband. 2019 kandidierte er für den Regierungsrat, 2010 und 2006 bereits für den Stadtrat. Die Heilpädagogin und Imkerin Olivia Romanelli fiel öffentlich bislang erst wenig auf.

Für die AL dürfte es nicht leicht werden, Wolffs Sitz zu verteidigen oder gar zwei Sitze zu erobern. Die Partei ergatterte ihren ersten Stadtratsitz der Geschichte überraschend im April 2013. Richard Wolff setzte sich damals im zweiten Wahlgang knapp gegen den FDP-Kandidaten Marco Camin durch.

Nach der überraschenden Wahl: Richard Wolff feiert im April 2014 seinen Sieg in der Zürcher Mars Bar.

Nach der überraschenden Wahl: Richard Wolff feiert im April 2014 seinen Sieg in der Zürcher Mars Bar.

Foto: Dominique Meienberg

Seither verteidigte Wolff den Sitz zweimal bei Gesamterneuerungswahlen. Bis 2018 war Wolff Sicherheitsvorsteher. Als politischer Chef der Polizei beendete er die automatische Nennung von Nationalitäten in Medienmitteilungen der Stadtpolizei und geriet in der Koch-Areal-Affäre in Negativ-Schlagzeilen. Nachdem das besetzte Koch-Areal wochenlang im Fokus der Medien stand, musste Wolff im Oktober 2016 das Dossier «aus familiären Gründen» abgeben. Sein Söhne verkehrten unter den Besetzern. Er selbst empfand sich deswegen nicht als befangen, von aussen könne aber ein andere Eindruck entstehen, erklärte er damals den Entscheid des Stadtrats. Nach den Wahlen 2018 kam es zur Rochade im Stadtrat. Wolff übernahm das für die Verkehrspolitik wichtige Tiefbau- und Entsorgungsdepartement.

Was macht die SP?

Wolff ist der erste amtierende Stadtrat, der seinen Abgang bekannt gegeben hat. Definitiv noch einmal antreten wird Stadtrat Andreas Hauri (GLP). Auch die beiden grünen Karin Rykart und Daniel Leupi sowie die beiden Freisinnigen Michael Baumer und Filippo Leutenegger werden voraussichtlich noch einmal kandidieren. Spannend ist die Ausgangslage bei den drei SP-Regierungsmitgliedern, die bislang über ihre Ambitionen schweigen. Die grosse Frage lautet: Tritt Stadtpräsidentin Corine Mauch nach 12 Jahren noch einmal an?

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