Switzerland

Riskante Nonchalance heizt die Corona-Pandemie an

Höhere Fallzahlen bedeuten auch ein erhöhtes Risiko, dass gefährlichere Virusvarianten entstehen. Was in Grossbritannien geschehen ist, sollte uns eine Lehre sein.

Illustration Pascal Staub

In der wöchentlichen Rubrik «Hauptsache, gesund» werfen die Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin, Gesundheit, Ernährung und Fitness.

Beide seine Eltern seien an Covid-19 erkrankt, sagte mir unlängst ein Freund. Obwohl schon betagt, hätten sie die Erkrankung zwar überlebt. Allerdings seien sie um Jahre gealtert. Trotz zunehmend strengen Restriktionen gelingt es uns offenkundig nicht, die Senioren vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 zu schützen.

In der Schweiz sind 92 Prozent aller Corona-Todesopfer über 70 Jahre alt. Dasselbe trifft auch auf die meisten anderen Länder zu. Im Gegensatz dazu sind auf der 23 Millionen Einwohner zählenden Insel Taiwan, wo bereits frühzeitig Schutzmassnahmen eingeführt wurden, nicht einmal zehn Personen an den Folgen von Covid-19 gestorben. Den Ernst der Lage erkennend, hatte die dortige Bevölkerung schon vor der Einführung einer allgemeinen Maskenpflicht einen Nasen-Mund-Schutz getragen. Bei uns galt zu jener Zeit noch die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) verbreitete Devise, Masken könnten die Verbreitung des neuen Coronavirus nicht aufhalten.

Inzwischen revidiert, hat sich der «Un-Rat» des BAG bitter gerächt. So kenne ich eine ganze Reihe von Maskenskeptikern, die sich bis heute auf diese Fehleinschätzung oder die dem Maskenmangel geschuldete Desinformation des BAG berufen. Kommt hinzu, dass viele zumal junge Personen keine Angst vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 haben – und auch nicht haben müssen – und die Sache «lieber heute als morgen hinter sich brächten», wie mir eine junge Kollegin sagte.

Was die meisten nicht bedenken: Je grösser die Zahl der Infizierten, desto mehr verändert sich der Erreger. Damit steigt auch das Risiko, dass sich Virusmutanten durchsetzen, die bedrohlicher sind oder die sich mit den neuen Impfstoffen nicht mehr wirksam bekämpfen lassen. Ein solches Mutationsprodukt ist die britische Variante B1.1.7. Mittlerweile in etlichen Ländern nachgewiesen, ist diese sehr viel ansteckender als andere im Umlauf befindliche Spielarten des neuen Coronavirus.

In England und Irland, wo sich die neue Variante binnen kurzem wie ein Strohfeuer ausgebreitet hat, bringt sie das Gesundheitssystem derzeit an den Anschlag. Dass London hiervon ganz besonders betroffen ist, scheint Einheimische nicht zu erstaunen. Wie mir eine dort lebende junge Berufsfrau jüngst erzählte, sei sie bis vor kurzem wie früher fast täglich auf Dinnerpartys eingeladen gewesen, wenngleich in kleinerer Runde als sonst. Auch die Quarantäneregeln nach Auslandaufenthalten hätten viele ihrer Freunde und Bekannten bis jetzt problemlos umgehen können. Wenn man erwischt werde, könne das zwar teuer werden. Sie kenne allerdings nur wenige Personen, denen dies geschehen sei.

Nicht nur jenseits des Ärmelkanals, auch hierzulande ist die Bereitschaft, sich an die Schutzmassnahmen zu halten, nicht überall vorhanden. Um ein besonders krasses Beispiel zu nennen: Ende November, als Abstandhalten und Maskentragen längst selbstverständlich gewesen sein sollten, vermittelte eines unserer Lieblingsrestaurants in den Bündner Bergen den Eindruck von unbeschwerter Vor-Covid-19-Zeit: Mit einer engen Bestuhlung wie immer und allenthalben unmaskiertem Personal bot es dem Pandemieverursacher ideale Superspreader-Bedingungen. Während aber harmlose Parksünder meist unerbittlich gebüsst werden, können Personen, die zum Stillstand ganzer Wirtschaftszweige beitragen, nach wie vor mit Nachsicht rechnen.

Bereits erschienene Texte der Rubrik «Hauptsache, gesund» finden sich hier.

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