Switzerland

Renzo Piano, 82-jährig, glaubt auch in der Coronavirus-Krise an eine bessere Welt

Der italienische Architekt richtet einen Video-Appell an junge Architekten 

Seit der amtlich verordneten Schliessung von Museen und Kultureinrichtungen boomen digitale Formate. Virtuelle Rundgänge, digitale Vernissagen, Video-Interviews, Live-Talks, viel zu vieles staut sich seither auf dem häuslichen und mobilen digitalen Endgerät. Selten zu vernehmen sind Stimmen von Kulturschaffenden, die auf der Basis von Welterfahrung, Berufspraxis, Menschenkenntnis und Selbsterfahrung einen glaubwürdigen Beitrag liefern, der angesichts der Covid-19-Pandemie und der Ungewissheit über die Zukunft wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens eine Perspektive aufzuzeigen vermag.

Renzo Piano in seinem Atelier in Genua.

Renzo Piano in seinem Atelier in Genua.

Studio RPBW Genua / Chiara Cassazza

Ein solcher sinnstiftender, hoffnungsvoller Beitrag stammt aus Italien, dem Land, das von der Pandemie weltweit am schwersten getroffen wurde. Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Video-Botschaft des italienischen Stararchitekten Renzo Piano. Die Botschaft wurde im Privathaus des Architekten in Paris aufgezeichnet und vom MAXXI in Rom, dem Nationalmuseum der Künste des 21. Jahrhunderts, am 31. März ins digitale Netz der sozialen Netzwerke gestellt. Mit dem Appell wendet sich der 82-jährige Architekt und Pritzker-Preisträger vor allem an ein junges Publikum.

Ohne Angst in die Zukunft

«Ciao ragazzi!», beginnt Piano seine Botschaft. Will er Mitgefühl vermitteln, Trost spenden, an das Einhalten von Social Distancing mahnen, Mut machen? Letztgenanntes trifft zu, Mut und Tatkraft für die Zeit nach der Katastrophe, und er fordert dazu auf, die dann wieder geöffneten Museen und Kulturstätten quasi zu stürmen, denn diese Orte seien der Grundstein der Civitas und des vitalen Lebens der städtischen Zentren.

Sich in der dramatischen Situation der Kontaktsperren nicht von Angst überwältigen zu lassen, hierzu ruft Piano auf und richtet den Blick bereits nach vorne in die Zukunft. Er überdenkt die Rolle der Jugend und insbesondere die wichtige Aufgabe der jungen Architekten: «. . . non angosciamoci troppo», meint er angesichts der dramatischen Situation, «perché ci sarà da costruire un futuro migliore», was meint: Ihr werdet eine bessere Zukunft bauen müssen. Nachhaltig zu bauen, sei das neue Ziel baulicher Ausdrucksformen, und es fehle noch an Sensibilität. Da gebe es so viel zu tun, resümiert Piano, wir müssten aus der Krise als Bessere herauskommen, als wir es zuvor gewesen seien!

Überraschend kommt die insbesondere an die Jugend gerichtete Botschaft von Renzo Piano nicht. Er hat auch nicht plötzlich sein Herz für junge Architekten entdeckt, um sich in der Katastrophe als wegweisender Mentor aufzuspielen. Schon seit langem ermuntert der weltberühmte Baukünstler die nachwachsende Generation, keine Formeln zu akzeptieren, sondern diese zu hinterfragen, wie auch die Negativ-Parole «Das geht nicht!».

«Und es geht doch!»

Dass er den Grundsatz «Und es geht doch!» selbst umzusetzen weiss, beweist gegenwärtig die von ihm entworfene neue Brückenkonstruktion von Genua, die nach dem verheerenden Einsturz der Morandi-Brücke im August 2018 derzeit – für italienische Verhältnisse – im Rekordtempo der Vollendung entgegengeht.

Die Rekonstruktion der Morandi-Brücke nach dem tragischen Einsturz ist in vollem Gang.

Die Rekonstruktion der Morandi-Brücke nach dem tragischen Einsturz ist in vollem Gang.

Studio RPBW Genua / Shunji Ishida

Glaubwürdig wird der Video-Appell des Architekten zuletzt auch dadurch, dass er seine soziale und gesellschaftspolitische Aufgabe als Architekt wie auch als Lehrmeister auf Lebenszeit ernst nimmt. Dazu zählt die Gründung der Arbeitsgruppe G124, in der junge Architekten in urbanen Randzonen italienischer Städte und vergessenen Stadtvierteln Projekte realisieren, um die Lebensbedingungen der Einwohner zu verbessern. Dies gemäss der Leitlinie von Renzo Piano, dass die wahren Herausforderungen der Zukunftsgestaltung an der Peripherie der Städte situiert seien. Dort liegen auch die Herausforderungen der weltweiten Bekämpfung der Virus-Pandemie.

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