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Rentenreform: Höhere Lohnabzüge gehen vor allem zulasten der Arbeitnehmer

Steigen die Sozialbeiträge, zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je die Hälfte: Diese gängige Annahme ist in der Praxis falsch. Die Arbeitgeber überwälzen einen Grossteil ihrer Zusatzkosten auf die Arbeitnehmer – via tiefere Nettolöhne und Stellenabbau.

Die Kosten für die vorgeschlagene Rentenreform müssen getragen werden. Doch von wem?

Die Kosten für die vorgeschlagene Rentenreform müssen getragen werden. Doch von wem?

Imago

Die vom Bundesrat diese Woche vorgeschlagene Reform der beruflichen Vorsorge (BVG) verlangt zusätzliche Lohnbeiträge von 2,8 bis 2,9 Mrd. Fr. pro Jahr. Diese Mittel sollen die geplanten Rentenerhöhungen beziehungsweise den Verzicht auf Rentensenkungen finanzieren.

Eine Erhöhung der Lohnabzüge ist in der Regel weniger unpopulär als die Erhöhung des Rentenalters oder die Senkung der nominalen Jahresrente. In der Altersvorsorge hat dies drei zentrale Gründe: Die Umverteilung von oben nach unten wird durch Lohnabzüge verstärkt (AHV), die Kosten lassen sich grossenteils den Jüngeren anhängen (AHV und vorgeschlagene BVG-Reform), und man kann glauben machen, dass die Arbeitnehmer nur die Hälfte der Kosten zahlten, aber 100% des Nutzens in Form höherer Renten erhielten (AHV und BVG).

In der Tat sind im Obligatorium der beruflichen Vorsorge paritätische Lohnbeiträge vorgesehen: Je die Hälfte kommt vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer. Eine gesetzlich verlangte Erhöhung der Lohnbeiträge entspricht damit zunächst einem Staatsdekret für eine Erhöhung der Bruttolöhne (Gesamtlohn inklusive Arbeitgeberbeitrag). Doch Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen verändern das Verhalten. Steigen für die Arbeitgeber plötzlich die Kosten ohne entsprechende Zusatzproduktivität, werden die Arbeitgeber reagieren.

Von der Zahlpflicht zur Traglast

Im Prinzip kann der Arbeitgeber diese Kosten über vier Kanäle verteilen: durch eine Senkung der Nettolöhne beziehungsweise der Zuwachsraten der Nettolöhne, durch einen Stellenabbau beziehungsweise sonstige Produktivitätssteigerungen, durch höhere Preise für die Kunden und/oder durch Hinnahme eines tieferen Gewinns. Die vier potenziellen Opfergruppen sind damit die Arbeitnehmer, die Arbeitslosen, die Konsumenten und die Eigentümer. Welche Gruppe welchen Anteil der Zusatzkosten trägt, hängt von deren Marktposition ab. Tendenz: Je stärker die Verhandlungsposition eines Akteurs ist, desto geringere Zusatzkosten bleiben bei ihm hängen.

Eine vom Bund bestellte Studie des Berner Forschungsbüros Ecoplan liefert nun Anhaltspunkte zur Verteilung der Zusatzkosten aus der geplanten Reform der beruflichen Vorsorge. Laut Modellschätzung der Studie tragen die Arbeitnehmer am Ende nicht 50%, sondern 76% der verlangten zusätzlichen Lohnbeiträge; die Arbeitnehmer tragen diese Kosten in Form einer Senkung der Nettolöhne beziehungsweise des Nettolohnanstiegs. Das heisst, die Arbeitgeber überwälzen im Mittel gut die Hälfte des Arbeitgeberanteils der Lohnbeiträge auf die Nettolöhne ihrer Angestellten.

Dieses Schätzergebnis liegt in der typischen Bandbreite von Resultaten aus der internationalen Forschungsliteratur über die Verteilung von Lohnnebenkosten. Doch das genannte Ergebnis der Schweizer Studie heisst noch nicht, dass knapp die Hälfte des Arbeitgeberanteils am Ende von den Arbeitgebern selbst getragen wird. Denn diese werden versuchen, mindestens einen Teil dieses Rests durch Einsparungen bei den Arbeitsplätzen und/oder durch Preiserhöhungen aufzufangen.

Verlust von 3300 Stellen

Die Ecoplan-Studie schätzt auf Basis typischer Reaktionsmuster am Arbeitsmarkt, dass wegen der verbliebenen Zusatzkosten der Arbeitgeber umgerechnet etwa 2700 bis 4800 Vollzeitstellen in der Schweiz verloren gehen; das mittlere Schätzergebnis zeigt einen Verlust von 3300 Stellen. Der Grossteil betrifft Angestellte mit einem Arbeitspensum von mindestens 90%. Gemessen an der Gesamtbeschäftigung erscheint der Stellenverlust nicht dramatisch (etwa 0,1%), aber es ist nicht nichts. Unklar ist, welcher Teil dieses Beschäftigungsverlusts durch freiwilligen Rückzug von Arbeitnehmern entsteht und welcher Teil einer Erhöhung der Zwangsarbeitslosigkeit entspricht. Letzteres wäre wesentlich gravierender als Ersteres. Zu vermuten ist jedenfalls, dass die derzeitigen Arbeitnehmer am Ende insgesamt wesentlich mehr als drei Viertel der Zusatzkosten tragen.

Konsumenten zahlen mit

Nicht untersucht hat die Berner Studie das Ausmass allfälliger Überwälzungen der Zusatzkosten auf die Konsumentenpreise. Anzunehmen ist, dass am Ende ein Teil der Kosten durch die Konsumenten getragen wird – die oft ebenfalls Arbeitnehmer sind. Doch solche diffus verteilten Kosten sind für Politiker attraktiv, weil die Sache in der Regel nicht direkt nachweisbar ist. Das Gleiche gilt für die eingebüssten Arbeitsplätze: Der Verlust ist real, aber er lässt sich nicht an Namen und Gesichtern festmachen.

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