Switzerland

Renschler verlässt Vorstand von VW und Traton, Gegenwind für den Glyphosat-Vergleich von Bayer  – und weitere Wirtschaftsmeldungen

(dpa) Der Chef der VW-Lkw-Sparte Traton, Andreas Renschler, verlässt Mitte Juli den Vorstand des Unternehmens. Darauf hätten sich der Aufsichtsrat und der Manager geeinigt, teilte Traton am Dienstagabend überraschend in München mit. Die Trennung erfolge «einvernehmlich», hiess es. Renschler werde ab dem 15. Juli ausserdem nicht mehr dem Vorstand der Konzernmutter Volkswagen angehören.

Es hatte bereits Berichte über Reibereien in der Traton-Spitze gegeben - ein Rückzug Renschlers schon innerhalb einer Woche nach der formalen Ankündigung ist aber überraschend. Der Traton-Chef soll jetzt durch Matthias Gründler ersetzt werden. Dieser war früher schon einmal Finanzchef und 2018 zurückgetreten.

Ausserdem soll MAN-Chef Joachim Drees abgelöst werden. Für ihn wechselt der bisherige Produktionschef der VW-Kernmarke, Andreas Tostmann, den Angabe zufolge aus Wolfsburg nach München. MAN-Personalchef Carsten Intra soll ebenfalls das Unternehmen verlassen, seine Aufgaben soll Gründler als neuer Vorsitzender teils mit übernehmen. Laut MAN erklärte Renschler, bei dem Lkw- und Bushersteller auch sein Amt als Aufsichtsratschef Mitte dieses Monats niederzulegen.

(Agenturen) Bayer steht vor einem möglichen Rückschlag bei einem Teil seines milliardenschweren Glyphosat-Vergleichspakets in den USA. Die Aktien verloren am Dienstag mehr als fünf Prozent, nachdem ein US-Bezirksrichter Zweifel an dem Vergleichsvorschlag für den Umgang mit künftigen Klagen äusserte.

Das Gericht sei skeptisch hinsichtlich der Angemessenheit und Fairness des vorgeschlagenen Vergleichs und sei vorläufig geneigt, den Antrag abzulehnen, erklärte der zuständige Richter Vince Chhabria am Montag. Bayer teilte mit, der Konzern nehme die Bedenken ernst und werde diese bei einer vorläufigen Anhörung am 24. Juli adressieren.

Der Leverkusener Agrarchemie- und Pharmakonzern hatte Ende Juni bekannt gegeben, sich im Rechtsstreit wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Glyphosat in den USA mit einem Grossteil der Kläger geeinigt zu haben. Für den Vergleich und mögliche künftige Fälle werden bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig. Der Vereinbarung für mögliche künftige Fälle muss noch der US-Bezirksrichter zustimmen. Im Rahmen dieser Vereinbarung soll ein unabhängiges Wissenschaftsgremium eingerichtet werden, das entscheiden soll, ob der glyphosthaltige Unkrautvernichter Roundup Lymphdrüsenkrebs verursacht.

In der Kritik: Glyphosat-Unkrautmittel Roundup

In der Kritik: Glyphosat-Unkrautmittel Roundup

Mike Blake / Reuters

(Reuters) Das südkoreanische Technologie-Unternehmen Samsung Electronics hat der Corona-Pandemie im zweiten Quartal 2020 getrotzt. Der operative Gewinn dürfte um 23 Prozent auf 8,1 Billionen Won (6,46 Milliarden Franken) gestiegen sein, teilte der Konzern am Dienstag mit.

Der Gewinn lag damit weit über den Schätzungen der Analysten. Die Umrüstung auf Heimarbeitsplätze, die Zunahme des Online-Handels sowie des Online-Lernens im Zuge der Coronavirus-Pandemie hätten die Verkaufszahlen und Preise der Speicherchips in die Höhe getrieben.

Der Umsatz dürfte im Jahresvergleich um 7 Prozent auf 52 Billionen Won gesunken sein, hiess es. Analysten warnten jedoch, dass der Anstieg der Chip-Preise in der zweiten Jahreshälfte nicht anhalten werde. Die Kunden in den USA und anderen Ländern dürften wegen der Coronakrise zurückhaltend beim Vorratskauf von Speicherchips sein.

Ein aufgrund der Corona-Pandemie weitgehend leerstehendes Bürogebäude im Londoner Bürogebäudekomplex Canary Wharf.

Ein aufgrund der Corona-Pandemie weitgehend leerstehendes Bürogebäude im Londoner Bürogebäudekomplex Canary Wharf.

Dylan Martinez / X00177

(Bloomberg) Grosse US-amerikanische und europäische Banken fahren ihre Präsenz in London zurück. Allein in den kommenden Monaten wird Barclays Plc unterrichteten Kreisen zufolge wahrscheinlich ihre Investmentbank-Zentrale in der britischen Hauptstadt aufgeben; die Credit Suisse Group AG räumt neun Stockwerke; und Morgan Stanley stellt ihre gesamte Präsenz in London auf den Prüfstand.

Und all diese Schritte waren bereits geplant, bevor das Coronavirus zuschlug. Im Zuge der voraussichtlich schlimmsten Rezession seit drei Jahrhunderten werden nun wahrscheinlich Tausende von Stellen abgebaut. Infolgedessen müssen sich die Vermieter der Glas- und Stahltürme, die die City of London und Canary Wharf dominieren, auf einen noch grösseren Aderlass einstellen.

«Grössere Banken sind eindeutig ein höheres Risiko für Vermieter», sagte Rogier Quirijns, Leiter der europäischen Immobilienbranche bei Cohen & Steers Inc., der Immobilienfonds im Wert von mehr als 2 Mrd. Dollar verwaltet. «London droht eine Rezession und ein möglicher No-Deal-Brexit, und ich gehe davon aus, dass Covid-19 diese Risiken höchstwahrscheinlich verstärken wird.»

Die Deutsche Bank AG, die in den letzten Jahren etwa ein Dutzend Gebäude, grösstenteils in der City angemietet hatte, wird die meisten verlassen und nach der Fertigstellung im nächsten Jahr in ein neues Objekt in 21 Moorfield ziehen. Die Bank hatte im letzten Jahr angekündigt, Vermögenswerte von Hunderten Milliarden Dollar abzustossen und bis zu 18000 Stellen zu streichen. Nomura und HSBC Holdings Plc wollen unterrichteten Kreisen zufolge Büroräume in Gebäuden am Themse-Ufer untervermieten.

Die Pandemie hat den Banken weiteren Anlass gegeben, zu schrumpfen und zu sparen, nachdem sie bereits ein Jahrzehnt lang infolge der Finanzkrise in aller Stille Büroraum reduzieren. In den letzten neun Jahren ist ihre Bürofläche in London um etwa 557000 Quadratmeter zurückgegangen, was etwa einem Dutzend Hochhäusern in der Grösse der Londoner «Gurke» entspricht, sagt Makler CBRE Group Inc.

Laut Coalition Development Ltd haben sich die Entlassungen im ersten Quartal beschleunigt, und die Mitarbeiterzahl der 12 grössten Investmentbanken ging um 5% zurück - der stärkste Rückgang in diesem Zeitraum seit mindestens sechs Jahren. Ein Grossteil davon wurde von angeschlagenen europäischen Kreditinstituten getrieben, die bereits lange vor dem Virusausbruch auf Schrumpfkurs waren, sagt Amrit Shahani, Leiter Research bei Coalition. Er prognostiziert, dass die Banken des Kontinents bis Ende dieses Jahres 20% weniger Mitarbeiter haben könnten als zu Beginn des Jahres 2019.

Neben dem Abbau von Arbeitsplätzen beschäftigen sich die Banken mit der Zukunft des Büros selbst. Es bedurfte erst einer tödlichen Pandemie, um die Chefs davon zu überzeugen, dass die Arbeit von zu Hause aus sowohl effektiv als auch relativ einfach sein kann. Dies hat einer Branche, die bereits tief in Kosteneinsparungen steckte, eine günstige Gelegenheit geboten.

Bankmanager von Barclays-Chef Jes Staley bis hin zu Morgan-Stanley-CEO James Gorman haben sogar angefangen, sich zu fragen, ob Unternehmenszentralen nicht veraltet sein könnten. Die UBS Group AG hat angekündigt, dass bis zu ein Drittel der Mitarbeiter dauerhaft von zu Hause aus arbeiten könnten. Da die meisten Londoner Banker weiter im Home Office sind, bleibt unklar, wie viel Büroraum letztlich in den Zentralen benötigt wird.

Die durchschnittliche Deliktsumme bei Wirtschaftsdelikten ist 2019 von 3,3 auf 7,7 Mio. Fr. angestiegen (Symbolbild).

Die durchschnittliche Deliktsumme bei Wirtschaftsdelikten ist 2019 von 3,3 auf 7,7 Mio. Fr. angestiegen (Symbolbild).

Thomas Trutschel/Photothek.net / www.imago-images.de

(awp/sda) Wirtschaftskriminelle verursachten 2019 laut einer Studie des Beratungsunternehmens KPMG einen doppelt so hohen Schaden wie im Vorjahr. Vor allem öffentliche Institutionen und Privatpersonen gerieten gemäss dem «KPMG Forensic Fraud Barometer» ins Visier von Wirtschaftsdelinquenten.

Konkret führten Wirtschaftsdelikte in der Schweiz im Jahr 2019 zu einem Schaden von 363 Mio. Fr. Im Jahr 2018 lag dieser Wert noch bei 166 Mio., wie der am Montag veröffentlichte KPMG-Bericht zeigt.

Auch die durchschnittliche Deliktsumme habe sich im Vorjahresvergleich mehr als verdoppelt und stieg von rund 3,3 Mio. Fr.  auf 7,7 Mio. Dabei handle es sich zudem nur um die zur Anzeige gebrachten Fälle. Die Dunkelziffer dürfte laut KPMG um ein Vielfaches höher liegen.

Neben der organisierten Kriminalität und Mitarbeitenden sind es vor allem die Führungskräfte von Unternehmen, die sich zu bereichern versuchten: Sie verursachten mit einer Deliktsumme von 136 Mio. Fr.  die weitaus grösste Schadenssumme, die im Vergleich zum Vorjahr um den Faktor zehn gestiegen sei.

Die grösste Gefahr gehe also von Insidern aus, heisst es im «Forensic Fraud Barometer» weiter: «Mitarbeitende und Führungskräfte waren letztes Jahr für fast die Hälfte aller Fälle verantwortlich und für mehr als die Hälfte der gesamten Deliktsumme», so Anne van Heerden, Leiter Forensik bei KPMG.

(dpa) Der chinesische Telekomriese Huawei soll nun doch vom Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes in Grossbritannien ausgeschlossen werden. Das berichten verschiedene britische Medien. Der britische Minister für Kultur und Medien, Oliver Dowden, sagte am Montag der BBC, die Sanktionen der USA gegen Huawei hätten weitreichende Folgen. «Das wird sich auch wahrscheinlich auf die Zukunftsfähigkeit von Huawei als Anbieter für das 5G-Netz auswirken.»

Verteidigungsminister Ben Wallace sagte in der BBC, dass die Sanktionen - die im September in Kraft treten sollen - speziell dazu gedacht seien, Grossbritannien zum Umdenken zu zwingen. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson hatte noch im Januar beschlossen, dass Huawei sich unter Einschränkungen am Ausbau der superschnellen 5G-Mobilfunknetze in Grossbritannien beteiligen darf. Anbieter, die als risikobehaftet gelten, sollen lediglich von Kernbereichen des Netzes ausgeschlossen werden. Damit wäre der Weg für die Verwendung von Huawei-Technik zumindest in Teilen der Infrastruktur frei gewesen.

Grossbritannien hofft auf ein lukratives Handelsabkommen mit den USA nach dem Austritt aus der Europäischen Union. Ein Streit um Huawei hätte die Verhandlungen erheblich belasten können.

Zum Sinneswandel haben aber nicht nur die Sanktionen der USA gegen Huawei beigetragen, durch die der chinesische Konzern unter Umständen von der Versorgung mit notwendigen Mikroprozessoren abgeschnitten wird, sondern auch Bedenken britischer Sicherheitsexperten. Die «Sunday Times» und der «Telegraph» berichteten, das Amt für Cybersicherheit NCSC sei angesichts der jüngsten Massnahmen der US-Regierung zu dem Schluss gekommen, dass das Sicherheitsrisiko durch Produkte des chinesischen Unternehmens nicht mehr kontrollierbar sei.

Ein Sprecher von Huawei sagte dem «Telegraph», sein Unternehmen sei der am genauesten untersuchte Anbieter der Welt. «Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere unübertroffene Transparenz in Grossbritannien bedeutet, dass man uns weiterhin vertrauen kann, dass wir bei der Gigabit-Aufrüstung Grossbritanniens eine Rolle spielen. Es ist wichtig, sich auf Fakten zu konzentrieren und jetzt nicht zu spekulieren.»

Senioren überqueren eine Strasse in Zürich.

Senioren überqueren eine Strasse in Zürich.

Adrian Baer

(awp/sda) Fast jeder zweite Schweizer hat 2018 vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters erstmals eine Altersleistung aus der beruflichen Vorsorge bezogen. Dahinter stehe vielfach der Wunsch, selbst über das Altersguthaben bestimmen zu wollen, schreibt das Bundesamt für Statistik (BfS) in einer Mitteilung vom Montag.

Konkret haben 2018 knapp 42% der Frauen und sogar 46% der Männer vorzeitig eine Altersleistung aus der zweiten Säule bezogen. Die vorbezogenen Leistungen beliefen sich dabei im Median bei den Frauen auf monatlich 1 402 Fr. Rente und 58 063 Fr. Kapitalleistungen, bei den Männern dagegen auf monatlich 2 873 Fr. Rente beziehungsweise 146 347 Fr. Kapital.

Der Bezug eines Kapitals aus der zweiten Säule werde häufig mit dem Wunsch begründet, selbst über das Geld bestimmen und verfügen zu wollen, schreibt das BfS weiter.

Unter allen neuen Leistungsempfängern hat sich 2018 die Mehrheit nach wie vor dafür entschieden, im Ruhestand ausschliesslich eine Rente zu beziehen (53% der Frauen, 44% der Männer). 13 Prozent der Frauen und 24% der Männer entschieden sich dagegen für eine Kombination aus Rente und Kapital, und rund ein Drittel der Neubezügerinnen und Neubezüger liessen sich ausschliesslich ein Kapital aus der zweiten Säule ausbezahlen (34% der Frauen, 32% der Männer).

Eine neue Altersrente aus der beruflichen Vorsorge belief sich 2018 im Median bei den Frauen auf 1 165 Fr. pro Monat und bei den Männern auf 2 217 Fr. pro Monat. Der Medianbetrag der Kapitalbezüge lag bei knapp 138 000 Fr. für die Männer und bei 56 800 Fr. für die Frauen.

Ein Phonak-Hörgerät des Sonova-Konzerns.

Ein Phonak-Hörgerät des Sonova-Konzerns.

Christian Beutler / Keystone

(awp/sda) Der für seine Phonak-Hörgeräte bekannte Sonova-Konzern spürt die Corona-Pandemie. Nun möchte er konzernweit 4 bis 5% der Stellen abbauen. Die Reduktion soll - wenn immer möglich - über natürliche Fluktuation erfolgen.

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen derzeit etwa 15 000 Mitarbeiter, wie der CEO Arnd Kaldowski am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AWP sagte. Betroffen vom Abbau ist in durchschnittlichem Ausmass auch die Schweiz, wo derzeit rund 1300 Personen für Sonova arbeiten.

Bisher hatte das Unternehmen vom Instrument der Kurzarbeit Gebrauch gemacht, das nun jedoch wieder zurückgefahren werden soll. Mit dem Stellenabbau unter anderem verknüpft ist in einigen Ländern eine Straffung des Netzwerkes an Fachgeschäften, das Sonova betreibt.

Indem Standorte zusammengelegt werden, soll die Effizienz gesteigert und gleichzeitig der Umsatz gesichert werden, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Insgesamt werde man 50 bis 70 Mio. Fr. jährlich einsparen können, wobei im laufenden Geschäftsjahr einmalige Kosten von 40 bis 60 Mio. anfallen werden.

Der Konzern hatte im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2020/21 (April bis Juni) einen klar tieferen Umsatz erwirtschaftet. Allerdings sei die Erholung bereits stärker ausgefallen, als man dies noch Ende April erwartet hätte, betonte Kaldowski gegenüber AWP.

«Wir glauben fest an die mittelfristige Entwicklung des Marktes», betonte der Manager weiter. Denn grundsätzlich sei der Nutzen von Hörlösungen unbestritten und der Bedarf für die Produkte von Sonova vorhanden. Die Frage sei nun jedoch, wie schnell sich die Zielgruppe von Sonova, die Senioren, wieder in die Geschäfte getraue.

Einen konkreten Ausblick auf das zweite Geschäftshalbjahr (Oktober bis März) wollte der CEO noch nicht wagen. Hier gebe es noch einige Unsicherheiten, etwa wegen der wieder steigenden Infektionszahlen in gewissen Ländern. Auch sei noch nicht klar, wie sich dies ökonomisch auswirken werde.

(sda) Die Corona-Krise hat in der Schweizer Wirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Mit einem Bündel von Massnahmen will der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) daher die Konjunktur stützen. Handlungsbedarf bestehe vor allem bei Personen mit tiefen und mittleren Einkommen.

Der globale Einbruch der Wirtschaft durch die Corona-Krise sei beispiellos. Die Schweiz sei in einer schweren Rezession, warnte der SGB am Montag an einer Medienkonferenz. Ursache seien die lahmende Weltkonjunktur, der stark eingeschränkte internationale Tourismus und die Zurückhaltung der Firmen bei Investitionen.

Besonders von der Krise betroffen seien Arbeitnehmende mit geringen und mittleren Einkommen, da Kurzarbeit in den Branchen mit den niedrigsten Löhnen am stärksten verbreitet sei. Das führe zu kaum verkraftbaren Lohneinbussen für diese Personengruppe. Die drohenden Entlassungen könnten eine Abwärtsspirale beim Konsum in Gang setzen.

Die während der Krise ergriffenen Massnahmen hätten dazu beigetragen, kurzfristig das Schlimmste zu verhindern. Die jüngst beschlossenen Verlängerung mehrerer Instrumente zur Lohngarantie seien eine gute Nachricht. Dennoch müsse jetzt gehandelt werden, um einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Es brauche nun Massnahmen zur Stärkung der Kaufkraft, damit sich die Binnenkonjunktur stabilisiere. «Bis jetzt konnten wir eine soziale Katastrophe verhindern. Doch nun muss es für alle aufwärts gehen», sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Bereits vor der Krise hätten sich die unteren und mittleren Einkommen ungenügend entwickelt.

Mit einem Bündel von Massnahmen müssten die Folgen drohender Entlassungen und einer Abwärtsspirale beim Konsum bekämpft werden, fordert der Gewerkschaftsbund. Ins Visier nimmt er dabei die Krankenkassen. Sie verfügten heute mit knapp 5 Mrd. Fr. über doppelt so hohe Reserven wie gesetzlich vorgeschrieben.

«Weshalb brauchen wir so hohe Reserven?», fragt sich SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard. Die Krankenkassenprämien seien umgehend zu senken. Der SGB schlage in der Vernehmlassungsantwort zur Verlängerung der Covid-19-Verordnung vor, die übermässig angehäuften Prämien an alle Einwohner weiterzuverteilen. «Eine Rückzahlung von durchschnittlich 500 Fr. pro Einwohner ist möglich», so Maillard.

(awp/sda) Nach einem rabenschwarzen April haben im Mai wieder etwas mehr Menschen in Schweizer Hotels übernachtet. Infolge der Corona-Krise bewegten sich die Logiernächte gegenüber dem Vorjahr aber immer noch auf sehr tiefem Niveau, vor allem bei den ausländischen Gästen.

Das Bundesamt für Statistik (BFS) zählte im Mai 0,6 Mio. Logiernächte. Verglichen mit dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang um 79,2%, wie das BFS anhand provisorischer Ergebnisse am Montag bekanntgab. Im April hatten die Übernachtungszahlen mit 0,2 Mio. allerdings noch weitaus tiefer gelegen.

Von den wenigen Hotelübernachtungen entfielen im Mai nur 85 000 auf ausländische Gäste, was gegenüber dem Vorjahr einem Einbruch um 95,2% entspricht. Die Logiernächte von Schweizer Hotelgästen gingen mit 540 000 gegenüber Mai 2019 ebenfalls um rund 56,2% zurück.

Im Vormonatsvergleich zeigte sich allerdings eine erste Erholung, vor allem bei Gästen aus der Schweiz: Im April hatten noch weniger als 150 000 inländische Gäste in Schweizer Hotels übernachtet, im Mai waren es bereits wieder über 500 000. Die Hotelübernachtungen von ausländischen Gästen erhöhten sich von 56 000 im April auf 85 000 im Mai ebenfalls, allerdings nur minimal.

Im Januar und im Februar hatte das Jahr für die Schweizer Hoteliers noch verheissungsvoll angefangen, die Logiernächte waren je um über 6% angestiegen. Während der Wintersaison, die von November 2019 bis Februar 2020 dauerte, wurden noch rund 11,3 Mio. Logiernächte registriert, was einem Plus um gut 5% gegenüber der Vorjahresperiode entspricht.

(awp/sda/reu) Nach einem Rekordrückgang auf dem Höhepunkt der Corona-Krise füllen sich die Auftragsbücher der deutschen Industrie wieder. Das sind auch gute Nachrichten für die Schweizer Industrie, für die Deutschland ein wichtiger Absatzmarkt ist.

Die Bestellungen zogen im Mai um 10,4% an, wie das deutsche Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 15,0% gerechnet, dies nach einem Minus von 26,2% im April.

«Die jüngsten Daten zu den Auftragseingängen sprechen dafür, dass die Industrierezession ihren Tiefpunkt durchschritten hat», erklärte das Ministerium. «Das nach wie vor niedrige Orderniveau zeigt aber auch, dass der Aufholprozess noch lange nicht abgeschlossen ist.»

Der vergleichsweise geringe Zuwachs aus dem nichteuropäischen Ausland deute zudem darauf hin, dass das weltwirtschaftliche Umfeld zunächst schwierig bleibe.

Die Aufträge aus dem Inland kletterten im Mai um gut 12% im Vergleich zum Vormonat und die Bestellungen aus dem Ausland um knapp 9%. Dabei legten die Aufträge aus der Euro-Zone um fast 21% zu, jene aus dem restlichen Ausland nur um 2%.

Ein chinesischer Techniker installiert Huawei-5G-Technik an einem Mobilfunkmast in Peking.

Ein chinesischer Techniker installiert Huawei-5G-Technik an einem Mobilfunkmast in Peking.

Kevin Frayer / Getty Images AsiaPac

(sda/afp) Frankreich will den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei nicht grundsätzlich vom Aufbau seines 5G-Mobilfunknetzes ausschliessen.

Es werde keinen «vollständigen Bann» geben, sagte der Leiter der Behörde für IT-Sicherheit (Anssi), Guillaume Poupard, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Zeitung «Les Echos». Netzbetreiber, die auf Huawei-Technik zurückgreifen, sollen aber nach seinen Angaben nur zeitlich befristete Lizenzen erhalten.

Poupard rief Unternehmen, die bisher nicht mit dem chinesischen Konzern zusammenarbeiteten, dazu auf, auch künftig darauf zu verzichten. Firmen, die bereits auf Huawei-Technik setzen, müssen nach Aussagen des Ansii-Chefs mit Nachteilen rechnen. Ihre Lizenzen sollen auf drei bis acht Jahre begrenzt werden.

Die Entscheidungsprozesse in den EU-Staaten über die Vergabe der Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G laufen vor dem Hintergrund starker diplomatischer Spannungen ab.

Huawei ist einer der weltweit grössten Telekommunikationsausrüster und führend etwa bei der 5G-Technologie. In zahlreichen Ländern besteht aber die Sorge, dass Huawei-Technik ein Einfallstor für chinesische Spionage oder Sabotage sein könnte.

Die USA haben Huawei deshalb vom Aufbau ihrer 5G-Mobilfunknetze ausgeschlossen und üben Druck auf europäische Staaten aus, dies ebenfalls zu tun. Washington droht andernfalls damit, den Austausch von Geheimdienstinformationen mit den Partnerstaaten zu begrenzen. Die US-Regierung wirft Huawei eine zu grosse Nähe zu den chinesischen Behörden vor.

Huawei weist die Vorwürfe zurück und betont, kein staatliches Unternehmen, sondern ein rein privates zu sein. Auch bestreitet der Konzern jegliche Abhängigkeit vom chinesischen Sicherheitsapparat. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat wiederholt betont, beim 5G-Ausbau besondere Sicherheitsmassstäbe anlegen, aber kein Unternehmen prinzipiell ausschliessen zu wollen.

(awp/sda) Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat im ersten Halbjahr 2020 klar weniger umgesetzt. Wegen der Corona-Pandemie hat sich dabei der Abwärtstrend im zweiten Quartal nach einem soliden ersten wie erwartet beschleunigt. Empfindlich schlug auch der starke Franken zu Buche.

Der Umsatz reduzierte sich um 9,8% auf 1,47 Mrd. Fr., wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Darin enthalten seien negative Währungseffekte in der Höhe von 87 Mio. Fr. Werden diese ausgeklammert, ergibt sich ein Minus in Lokalwährungen von 4,5%.

Da sich die Lage mit Blick auf die Corona-Pandemie in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern erst ab Mitte März zuspitzte, waren davon auch die Umsätze von Geberit im zweiten Quartal um einiges stärker betroffen als im ersten.

So brachen die Verkäufe allein im zweiten Vierteljahr um knapp 16% auf 671 Mio. Fr. ein. Im ersten Quartal resultierte noch ein vergleichsweise moderates Minus von 3,9%. Etwas besser präsentiert sich das Bild ohne die Auswirkungen des starken Frankens. In Lokalwährungen sank der Nettoumsatz um 10,7%, während im ersten Quartal gar noch ein kleines Plus erwirtschaftet wurde. Die Bauindustrie in Europa sei seit Mitte März durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie negativ beeinflusst, so Geberit.

Als Folge der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten in Bezug auf die Covid-19-Pandemie sei es derzeit nach wie vor nicht möglich, einen Ausblick für die Bauindustrie zu geben, heisst es mit Blick auf das Gesamtjahr 2020. Das detaillierte Halbjahresergebnis wird Geberit am 18. August vorlegen.

(Bloomberg) Angesichts des Restrukturierungsdrucks bei der Commerzbank AG hat der angekündigte Doppelrücktritt an der Bankspitze für ein Machtvakuum gesorgt, das schnellstens gefüllt werden muss. Der Aufsichtsrat dürfte so bald wie möglich Klarheit in Bezug auf die Nachfolge bei den Positionen des CEO und des Aufsichtsratsvorsitzenden schaffen wollen. Gemäss informierten Kreisen könnte es bereits am Mittwoch zu Entscheidungen kommen.

Als interner Favorit für die Nachfolge des scheidenden Vorstandschefs Martin Zielke scheint sich der Firmenkunden-Vorstand Roland Boekhout herauszukristallisieren, wie zu hören ist. Ebenfalls im Rennen ist die Finanzchefin Bettina Orlopp. Sollten externe Kandidaten herangezogen werden, könnte sich der Nachfolgeprozess verzögern.

Bei Grossaktionären wie Cerberus Capital Management gilt Boekhout im Prinzip als guter Kandidat. Der US-Finanzinvestor, der Zielke und den Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann zum Aufgeben bewogen haben dürfte, sprach sich am Sonntag allerdings für einen geordneten Nachfolgeprozess aus.

Der plötzliche Abgang sowohl des Aufsichtsratsvorsitzenden als auch des Vorstandschefs der Commerzbank erfordere ein geordnetes Verfahren zur Besetzung der vakanten Positionen, erklärte ein Cerberus-Sprecher gegenüber Bloomberg per E-Mail. Zunächst müsse ein neuer Aufsichtsratschef gefunden werden, dann müsse der Aufsichtsrat ein formelles Verfahren zur Suche nach einem Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden einleiten.

(sda/dpa) Im seit Monaten andauernden Ringen um einen Schuldenschnitt für Argentinien will die Regierung in Buenos Aires den privaten Gläubigern ein letztes Angebot unterbreiten. Die neue Offerte werde am Montag offiziell bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht und gelte bis zum 4. August, teilte das argentinische Finanzministerium am Sonntag (Ortszeit) mit.

Laut Medienberichten bietet die Regierung den Gläubigern bei der Umschuldung 53,5 Cent pro Dollar an. Das Zahlungsmoratorium soll nach der neuen Offerte nur ein Jahr statt drei Jahre dauern.

Die Schulden der zweitgrössten Volkswirtschaft in Südamerika sind zu den derzeitigen Bedingungen nicht mehr tragfähig. Deshalb fordert Argentinien von seinen Gläubigern, auf einen Teil ihrer Forderungen von rund 66 Mrd. $ zu verzichten. Kommt es zu keiner Einigung, droht dem Land erneut die Staatspleite.

Argentinien steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate betrug jüngst mehr als 50%. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um rund 10%.

Ende Mai hatte Argentinien Zinsforderungen in Höhe von 503 Mio. $ nicht beglichen und war dadurch in einen begrenzten Zahlungsausfall gerutscht. «Wir haben enorme Anstrengungen unternommen, um unser Wort zu halten», sagte der Präsident Alberto Fernández. Die neue Offerte sei «das Maximum, das wir anbieten können».

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