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Rassistischer Täter erschiesst 10 Menschen – was wir über die Tat in Hanau wissen

Rassistischer Täter erschiesst 10 Menschen – was wir über die Tat in Hanau wissen

Das Wichtigste in Kürze

Was ist passiert?

In der deutschen Stadt Hanau ist es zu schweren Gewalttaten gekommen: Elf Menschen haben am Mittwochabend ihr Leben verloren, sechs weitere Personen wurden verletzt, davon eine schwer.

Ein 43-jähriger Deutscher hat nach 22 Uhr kurz nacheinander an zwei verschiedenen Orten das Feuer auf Zivilisten eröffnet. Dabei wurden neun Menschen getötet.

Die Suche nach dem mutmasslichen Täter hatte mehrere Stunden gedauert. Zeugenhinweise führten die Sondereinheit der Polizei schliesslich zum Wohnort des mutmasslichen Täters. Dort fand sie den mutmasslichen Täter und dessen 72-jährige Mutter tot auf.

Wie lief die Tat ab?

Am Mittwochabend gegen 22 Uhr eröffnete der Täter in einer Schischa-Bar beim Heumarkt in der Hanauer Innenstadt das Feuer. Dabei wurden mehrere Menschen getötet und weitere verletzt.

Daraufhin soll der Täter in einem dunklen Auto geflüchtet sein. In zwei Kilometer Entfernung am Kurt-Schumacher-Platz im Stadtteil Kesselstadt erschoss er dann in einer anderen Shisha-Bar ebenfalls mehrere Menschen, weitere wurden verletzt.

Der erste Tatort am Heumarkt. Bild: AP

Die neun in den beiden Shisha-Lokalen getöteten Personen sind zwischen 21 und 44 Jahre alt. Bei den Opfern handelt es sich sowohl um deutsche als auch um ausländische Staatsangehörige. Die Getöteten haben unter anderem türkische, bulgarische, bosnische sowie rumänische Migrationshintergründe. Gemäss einem Sprecher der türkischen Botschaft in Berlin wurden fünf türkische Staatsbürger getötet. Nach Angaben eines Dachverbands kurdischer Gemeinschaften in Deutschland waren mehrere Tote kurdischer Herkunft. Die bulgarische Botschaft wiederum meldete ein bulgarisches Opfer.

Nach den Schüssen am Kurt-Schumacher-Platz begab sich der Täter nach ersten Erkenntnissen in seine in der Nähe gelegene Wohnung an der Helmholzstrasse. Dort findet die Polizei zwei weitere Tote, als sie in der Nacht die Wohnung stürmt. Es handelt sich um den Täter (42) und seine Mutter (72), die er gemäss ersten Erkenntnissen erschossen hat.

Gemäss ersten Erkenntnissen handelt es sich bei Tobias R. um einen Einzeltäter. Wie die Polizei am Donnerstagmorgen mitteilte, gibt es keine Hinweise auf eine Beteiligung von weiteren Tätern.

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Wer ist der Täter?

Der 42-jährige Tobias R. wurde in 1977 in Hanau geboren, wo er mit seiner Mutter zusammenlebte. Nach dem Abitur im Jahr 1996 soll er eine Bank-Lehre begonnen haben und von 2000 bis 2007 studierte er Betriebsökonomie an der Universität Bayreuth. Laut dem hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) war Tobias R. Sportschütze und besass legal mehrere Waffen.

Was war das Motiv?

Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Täter eine Art Manifest veröffentlicht hat. Auch wurden Youtube-Videos entdeckt, in der sich der Mann vor der Tat geäussert hatte.

Wenige Tage vor dem Verbrechen hatte der mutmassliche Täter nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein Video bei Youtube veröffentlicht. In diesem Video spricht der Mann in fliessendem Englisch von einer «persönlichen Botschaft an alle Amerikaner». Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen.

Der zweite Tatort am Kurt-Schumacher-Platz. Bild: AP

Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände «jetzt kämpfen».

Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten. Er behauptet auch, Deutschland werde von einem Geheimdienst gesteuert. Ausserdem äussert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

Generalbundesanwalt Peter Frank. Bild: kaltura://1789921/178992100/159000/0_0p0tgr6i

Der Mann habe eine «zutiefst rassistische Gesinnung» gehabt, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Donnerstag in Karlsruhe. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben. «Es liegen gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat vor.» Der mutmassliche Täter habe auf seiner Internetseite auch wirre Gedanken und abstruse Verschwörungstheorien geäussert. Man prüfe, ob der mutmassliche Täter Mitwisser oder Unterstützer für seinen Anschlag hatte.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). Bild: AP

Hessens Innenminister Peter Beuth sagte am Morgen in Wiesbaden, der Generalbundesanwalt ermittle wegen des Verdachts einer terroristischen Gewalttat - Frank selbst sprach am Nachmittag nicht davon. Nach einer Telefonschaltung der Innenminister von Bund und Ländern sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), man gehe davon aus, «dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund handelt».

Wie reagiert die Politik?

Die deutsche Regierung hat bestürzt auf das schwere Gewaltverbrechen in Hanau mit bisher elf Toten reagiert.

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach am Donnerstag den betroffenen Familien die Anteilnahme der Bundesregierung aus.

Rassismus sei ein Gift, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Erklärung am Donnerstagnachmittag.

Auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hat den Opfern seine Anteilnahme ausgesprochen. «Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer. Ihnen gilt mein tief empfundenes Beileid», teilte er am Donnerstagmorgen auf Facebook mit.

Am Donnerstagabend gedachten mehrere Hundert Menschen, darunter etliche prominente Politiker, haben am Donnerstagabend in Berlin am Brandenburger Tor der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. Sie bildeten eine grosse Menschenkette rund um das Tor. Einige hielten Kerzen in den Händen und legten Blumen an dem Bauwerk ab. Auf einem Schild stand zu lesen: «Wir trauern um die Opfer von Hanau, Halle, Kassel, Mölln etc. Stoppt Hass und Hetze in den asozialen Medien».

Gedenkfeier vor dem Brandenburger Tor. Bild: EPA

Zuvor hatten sich rund 20 Politiker verschiedener Parteien an den Händen gefasst und eine Schweigeminute abgehalten. Zu ihnen zählten die beiden Bundes- und Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Annalena Baerbock und Katrin Göring-Eckardt, FDP-Chef Christian Lindner, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh. Danach gingen die Bundespolitiker geschlossen zum Bundestag zurück.

Trauerfeier in Hanau. Bild: EPA

Auf dem Marktplatz von Hanau fand ebenfalls eine Trauerfeier statt. Gemeinsam mit der Bevölkerung der 100'000 Einwohner zählenden Stadt gedachten unter andere Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier den Opfern.

(cbe/meg/aeg/sda/dpa)

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