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Rafael Nadal meldet sich nachdenklich und skeptisch aus Mallorca: «Im Moment können wir kein Leben in Frieden führen»

BLICK: Rafael Nadal, was haben Sie in den letzten Monaten am meisten vermisst?
Rafael Nadal: Das normale Leben. Mit Familie und Freunden zusammen zu sein. Das ist das Wichtigste im Leben, wichtiger als Tennis. Auch vermisse ich positive Nachrichten. Jeden Tag gibt es so viele schreckliche Neuigkeiten und das schon seit langer Zeit. Jetzt bin ich wieder zurück auf dem Tennisplatz, ein erster Schritt zurück ins normale Leben. Ich versuche, das zu geniessen und für meinen Teil positiv zu bleiben.

Normalerweise wären Sie jetzt in Paris. Sprachen Sie mit dem französischen Verband und haben Sie Hoffnung, die French Open später im Jahr zu spielen?
Ich vernahm nur zehn Minuten vor ihrer offiziellen Mitteilung, dass sie das Turnier in den September verschieben. Natürlich versuchte ich den Verband zu überzeugen, dass er sich mit der ATP und der WTA abspricht. Der Tenniskalender ist kompliziert und die verschiedenen Instanzen müssen zusammenarbeiten. Immerhin will der französische Verband vorwärts machen. Aber jetzt müssen wir schauen, ob sich die Situation verbessert, so dass die Bedingungen sicher und fair für alle sind. Tennis ist ein weltweiter Sport, die Spieler kommen aus allen Ländern. Es muss sichergestellt sein, dass alle kommen dürfen und können, sonst ist kein fairer Wettkampf gegeben.

Bedeutet das, dass Sie nicht spielen würden, wenn auch nur ein Land die Einreisebedingungen nicht erfüllt? Dann würde unter Umständen 2020 gar nicht mehr Tennis gespielt.
Ich kann nicht in die Zukunft blicken. Im Moment sind die Umstände fürchterlich, mit vielen menschlichen Schicksalsschlägen und Verlusten. Ich kann momentan nicht wirklich über Dinge wie Tennis nachdenken. Die Gesundheit der Menschen ist jetzt das Wichtigste, und deshalb müssen wir weiter warten. Sicher ist: Fair bedeutet, dass jeder Spieler aus jedem Land dabei wäre. Ist das nicht der Fall, müssen wir auf jeden Fall klar und verantwortungsvoll handeln. Vielleicht würde ich trotzdem antreten, aber ich würde mich nicht gut dabei fühlen, denn es wäre nicht korrekt. Der Schlüssel ist jetzt, einen Impfstoff zu finden, damit wir keine Angst mehr haben müssen vor dem Virus und davor, diesen in unser Land zu bringen. Tennis ist nicht gleich wie Fussball, es ist viel komplizierter. Aber ich versuche optimistisch zu sein.

Die US Open sollen vor den French Open stattfinden. Würden Sie in New York spielen, wenn Fans nicht erlaubt sind, nicht alle einreisen und Sie nur ein Team-Mitglied mitnehmen dürften?
Das wäre sicher nicht ideal. Ehrlich gesagt, wenn Sie mich das heute fragen, antworte ich: Nein. Aber wer weiss, ob sich die Situation in ein paar Monaten bessert. Wie in Frankreich werden auch die US-Organisatoren erst darüber entscheiden, wenn sie das Turnier wirklich sicher zelebrieren können. Geht das nicht, macht es keinen Sinn. Ein Grand Slam ist eine riesige Sache, allein 600, 700 Menschen arbeiten dafür. Dann kämen noch die Spieler und ihr Staff hinzu.

Wenn Sie zwischen Roland Garros oder US Open wählen müssten, wo würden Sie spielen?
Das weiss ich nicht, geplant sind ja beide Turniere direkt hintereinander. Ich will keine Prognosen machen, verfolge einfach die Entwicklung und entscheide, was am besten für mich ist, wenn der Moment gekommen ist.

Als Sie jünger waren, wollten Sie stets viel spielen, um Ihr bestes Tennis zu geben. Hat sich das mit 34 geändert?
Ich denke, in den letzten Jahren habe ich gelernt, mit weniger Matches gut zu spielen. Ich finde einen Weg, parat zu sein. Alles geht um die gute Vorbereitung, und ich bin zuversichtlich, dass ich dafür noch genügend Zeit habe. Die Welt ist ja für alle vorübergehend still gestanden.

Roger Federer trainierte noch gar nicht, wartet lieber ab, bis die Perspektive konkret ist. Wie sehen Sie das?
Ich war ja auch zweieinhalb Monate nur zu Hause, habe nie ein Racket in der Hand gehabt. Ich lebe in einer Wohnung, habe keinen Court im Garten (lacht). Erst seit zwei, drei Wochen trainiere ich wieder, nun nehme ich die Dinge Schritt für Schritt. Die Hauptsache ist, Verletzungen zu vermeiden. Deshalb arbeite ich nur ein paar Mal eineinhalb Stunden die Woche, nicht jeden Tag drei Stunden. Mein Körper muss parat sein, wenn es wieder losgeht.

Ist die monatelange spielfreie Zeit auch gut, um den Körper zu schonen und die Karriere zu verlängern?
Ich bin nicht sicher, denn so eine Pandemie-Pause hatten wir ja noch nie. Mein Gefühl sagt mir aber das Gegenteil. Lange Pausen sind für ältere Körper härter als für jüngere. Das Comeback auf ein Hundertprozent-Level ist schwieriger. Aber natürlich haben wir Älteren auch mehr Erfahrung. Durch Verletzungspausen kennen wir das Comeback-Gefühl schon. Ich bin jedenfalls leidenschaftlich gewillt, noch ein paar Jahre auf der Tour anzuhängen.

Im Netz befürworteten Sie Federers Vorschlag, ATP und WTA zusammenzulegen. Hat sich diesbezüglich schon was getan?
Nein, bis jetzt ist es nur eine gute Idee, die Roger in den Raum geworfen hat. Ich unterstütze sie, denn als eine Organisation zu wirken, wäre einfacher für alle.

Was sagen Sie zum politischen Klima in den USA?
Die Situation ist sehr hässlich. Aber es gibt leider immer etwas auf der Welt, das wir uns nicht wünschen. Ich hoffe, dass die Lage bald wieder unter Kontrolle ist und wir wieder ein positiveres Leben in Frieden führen können. Im Moment können wir das alle leider nicht.

Können Sportstars dem Rassismus entgegenwirken?
Eine Diskussion darüber würde viel zu lange dauern. Natürlich geschieht Rassismus noch immer viel zu häufig, und ich denke, wir Topsportler verurteilen ihn zutiefst. Jeder Mensch sollte die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben, und wir sollten alle daran beteiligt sein, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dazu gehört Respekt jedem Menschen und jeder Meinung gegenüber. Gleich­zeitig befürchte ich, dass Ausschreitungen bei Protestaktionen, die schreckliche, gewaltsame Bilder in den Strassen verursachen, keine guten Beispiele abgeben. Die Lage ist kritisch. Und doch glaube ich fest an die Menschheit. Die Geschichte hat gezeigt, dass wir mit der Zeit viele Probleme lösen können.

Gibt es Dinge, die Sie in letzter Zeit über sich selbst lernten?
In erster Linie wurde mir wieder einmal bewusst, wie gut wir es in unserem normalen Leben haben. Wir erinnern uns immer erst wieder daran, wie glücklich wir sind, wenn wir mit gravierenden Problemen konfrontiert sind. Wenn die Gesundheit gefährdet ist, wir unsere geliebten Familien und Freunde nicht mehr sehen oder zum Essen ausgehen können. Nach dieser Leidenszeit werden wir alle das alles wieder mehr wertschätzen. Nur leider vergessen wir harte Momente oft wieder viel zu schnell. Menschen haben die Fähigkeit, sich schnell an Neues zu gewöhnen – und auch ganz schnell wieder alles zu verdrängen. Auf jeden Fall sollten wir versuchen, uns nicht so schnell zu beschweren.

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