Switzerland

Psychotischer Waffennarr kommt wegen eines Irrtums der Zürcher Polizei in die dringend notwendige ärztliche Therapie

Angehörige der Stadtpolizei Zürich sind bei einem illegalen Einsatz in einer Wohnung auf ein Waffenarsenal gestossen. Laut dem Bezirksgericht Zürich wehrte sich deren Mieter zu Recht gegen seine Festnahme. Er wird vom Vorwurf der Gewalt gegen Behörden freigesprochen, kommt aber in eine ambulante Behandlung.

Das Bezirksgericht Zürich sprach den angeklagten Waffennarren frei.

Das Bezirksgericht Zürich sprach den angeklagten Waffennarren frei.

Annick Ramp

Das nennt man ein richtig böses Erwachen: Ein junger Mann schläft auf dem Sofa seinen Bierrausch aus. Es ist ein Mittag Ende August 2019, und in der Wohnung ist es stockdunkel. Der Mieter hat die Fenster abgedunkelt, damit ihn das Sonnenlicht nicht wecken kann.

Plötzlich packen zwei Unbekannte den Schlafenden und reissen seine Hände auf den Rücken. Ein Dritter packt ihn am Hals. Obwohl die Angreifer «Polizei, Polizei!» rufen, setzt sich der Mann heftig zur Wehr. Es gelingt ihm, einen Arm loszureissen und im Dunkeln nach Waffen auf einem Pult zu tasten. Erst als ihn einer der Uniformierten mit dem Taser ins Visier nimmt, realisiert er, dass es sich bei den Eindringlingen tatsächlich um Polizisten handelt. Er gibt die Gegenwehr sogleich auf.

Staatsanwältin sieht hohe Rückfallgefahr

Dreizehn Monate später muss sich der 31-jährige IV-Bezüger vor dem Bezirksgericht Zürich wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz verantworten. Die Staatsanwaltschaft stellt den Antrag auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person mit Sicherheitsverwahrung. Die Gefahr eines Rückfalls sei zu gross, und der Mann könnte ein nächstes Mal ja jemanden töten.

Doch was war an jenem Montag in dem Mehrfamilienhaus im Friesenberg-Quartier genau geschehen? Eine Patrouille der Stadtpolizei hatte das als gestohlen gemeldete Motorrad des Mannes entdeckt. Vermutlich weil er ganz in der Nähe wohnte, beschlossen sie, den Fund dem Besitzer gleich persönlich zu melden und nicht wie üblich eine Nachricht zu schicken oder anzurufen.

Flinte zielt auf Wohnungstüre

Als niemand auf ihr Klingeln und Klopfen reagierte, öffneten die Polizisten die unverschlossene Wohnungstüre und blickten dabei buchstäblich in die Mündung eines geladenen und entsicherten Gewehrs. Der Mieter hatte den Lauf so durch ein Loch in der Wohnzimmerwand geschoben, dass die Waffe direkt auf die Tür zielte. Inmitten des Gerümpels in der Wohnung entdeckten die Polizisten mit ihren Taschenlampen darauf weitere Schuss- und auch Stichwaffen. Sie beschlossen, die Ankunft von Verstärkung abzuwarten, um den Mann dann festzunehmen.

Bei der richterlichen Befragung vom Mittwoch wird schnell klar, weshalb die Staatsanwältin den jungen Schweizer in die sogenannte kleine Verwahrung schicken will. Er leidet seit Jahren unter Verfolgungswahn und fühlt sich von Unbekannten bedroht. Seine Wohnung hatte er in den Monaten vor jenem Polizeieinsatz nicht mehr verlassen, die Lebensmittel liess er sich an die Tür liefern.

Die Vorrichtung mit der geladenen Flinte im Mauerloch sei eine blöde Idee im Suff gewesen, stellt er fest. «Aber ich hätte niemals abgedrückt.» Und: «Eine Videokamera und ein Warnschild hätten es auch getan.» Er sei halt mehrmals überfallen worden und habe sich deshalb zurückgezogen. Die Schusswaffen habe er als «Occasionen» gekauft und natürlich auch ausprobiert – im Schlafzimmer seiner Wohnung und mit scharfer Munition. Er habe eben ein grosses Sicherheitsbedürfnis. «In Amerika ist das ja ganz normal, aber hier natürlich nicht.»

Nach elf Monaten im Gefängnis befindet sich der Mann seit Anfang Juli in einer geschlossenen Massnahmestation der psychiatrischen Universitätsklinik Rheinau. Der Gutachter diagnostizierte bei ihm eine psychotische Erkrankung mit schwerer Alkoholabhängigkeit. Ausserdem konsumierte er regelmässig Cannabis, Kokain und auch das Aufputschmedikament Ritalin.

Seit der Festnahme vor 13 Monaten lebt er erzwungenermassen alkohol- und drogenfrei. «Ich fühle mich wie ein anderer Mensch, die Ängste, die ich früher hatte, habe ich nun nicht mehr», beteuert er und bittet darum, in eine ambulante Therapie ohne Sicherheitsverwahrung wechseln zu dürfen.

Illegale Polizeiaktion

Dieser Bitte entspricht das Gericht tatsächlich. Es kommt nämlich zum Schluss, dass die Polizisten die Wohnung ohne Haftbefehl und ohne triftigen Grund betreten hätten. Das sei illegal gewesen, und der Mann habe sich mit Fug und Recht gegen den vermeintlichen Überfall gewehrt. Und als er realisiert habe, dass die Angreifer Polizisten gewesen seien, habe er sofort gehorcht.

Die von der Staatsanwältin befürchtete Rückfallgefahr gebe es nicht, weil es gar keine Anlass-Tat im Zusammenhang mit der psychischen Störung des Beschuldigten gegeben habe. Der Vorfall sei schliesslich real gewesen. Der vorsitzende Richter hält aber auch fest, dass die stationäre Massnahme gut für den Mann gewesen sei und dass er nun für den Übergang in die auch von ihm gewünschte ambulante Therapie vorbereitet werden müsse.

PS: Das Motorrad des Mannes war im August 2019 nicht mehr als gestohlen gemeldet. Allerdings war der Rückzug der Diebstahlsanzeige nicht korrekt in der Datenbank vermerkt worden, in der die Polizisten die Nummer des Töffs aufriefen.

Urteil DG200099 vom 30. 9. 2020; noch nicht rechtskräftig.

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