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Prozessdrama, beklemmend aktuell: Blut in den Strassen von Chicago

Das packende Gerichtsdrama «The Trial of the Chicago 7», bei dem politische Aktivisten 1969 als Kriminelle verurteilt wurden, brilliert mit dem Rhythmus der Sprache und der Intelligenz der Dialoge.

Sacha Baron Cohen (r.) als Abbie Hoffman in «The Trial of the Chicago 7».

Sacha Baron Cohen (r.) als Abbie Hoffman in «The Trial of the Chicago 7».

Foto: Niko Tavernise (Netflix)

Schon als Kind hätten ihn seine Eltern ins Theater mitgenommen, sagte er im Gespräch. Aaron Sorkin, Sohn einer liberalen jüdischen Familie aus New York, musste schon mit 11 Jahren Stücke von William Shakespeare überstehen. Und obwohl er die Texte nicht verstand, verstand er ihren Klang: die Sprache der Blankverse als Rhythmusinstrument des Bekenntnisses, das Wogen und das Stakkato der Dialoge als Musik mit wechselnden Solisten. Und wenn man etwas sagen kann über all die Drehbücher und Filme und Serien, die Sorkin geschrieben oder gedreht hat, spielen nicht die Schauspielerinnen und Schauspieler die Hauptrolle, sondern ihre Sprache.

Vielleicht liebt der Regisseur deshalb das Genre des Gerichtsdramas, den Kampf der Worte um die Wahrheit. Es bestimmte sein erstes, aus einem Theaterstück entstandenes Drehbuch («A Few Good Men», 1992), seine oscarbelohnte Version des Aufstiegs von Mark Zuckerberg und Facebook («The Social Network» von David Fincher, 2010) und jetzt den zweiten Film, den er nicht nur geschrieben, sondern auch inszeniert hat. Dieser trägt das Juristische schon im Titel: «The Trial of the Chicago 7».

Die Knüppel der Polizisten

Sorkins Film inszeniert ein traumatisches Kapitel der amerikanischen Politik. Ende August 1968 hatten Tausende junger Kriegsgegner versucht, den demokratischen Parteitag in Chicago zu stören, weil sie mit der Haltung der Partei zum Vietnamkrieg nicht einverstanden waren. Die Proteste eskalierten, woran die brutal knüppelnde Polizei entscheidend beteiligt war. Es gab zahllose Verletzte und Verhaftungen, Ausdruck einer gewalttätigen Zeit mit tödlichen Attentaten auf Marin Luther King, Robert Kennedy oder Malcolm X. Dazu kamen Tausende junger GIs, die in Vietnam ihr Leben oder ihren Verstand verloren.

Ein halbes Jahr später kam es in Chicago zum Prozess gegen sieben der angeblichen Anführer der Proteste, und von diesem Prozess, punktiert mit historischen Aufnahmen und Rückblenden auf die Unruhen, handelt Sorkins neuer Film. Wie immer bei ihm weiss man sofort, wo seine Sympathien liegen. Wie in seinen Serien «The West Wing», «Studio 60 on the Sunset Strip» oder «The Newsroom» treten seine liberalen Helden als intellektuell und sprachlich brillante Vertreter des Guten auf.

Überragende Darsteller

Diese Verklärung der eigenen politischen Haltung hat man Sorkin häufig vorgeworfen, und es stimmt schon: Die Angeklagten im Film sind wild, aber witzig, die Polizisten sind schlecht und brutal, und die Justiz handelt parteiisch. Nur ist damit noch nichts über Sorkins Schauspielführung gesagt. Er lässt dem exzellenten Ensemble den Raum, die Rollen auszufüllen. Und obwohl viel geredet wird, hat Sorkin einen körperbetonten Film gedreht.

Sacha Baron Cohen zeigt in seiner charismatischen Darstellung des Abbie Hoffman, dass er ernste Rollen genauso glaubhaft spielen kann wie komische.

Zwei Darsteller überragen alle Kollegen. Sacha Baron Cohen zeigt in seiner charismatischen Darstellung des Abbie Hoffman, was er schon in der israelischen Serie «The Spy» demonstriert hat, dass er nämlich ernste Rollen genauso glaubhaft spielen kann wie komische. Und Frank Langella bestätigt in der Verkörperung des Richters Julius Hoffman, wie man ihn aus anderen Filmen kennt: als Darsteller missmutig autoritärer Charaktere. Wie eine schlecht gelaunte Schildkröte residiert er hinter seinem Richterpult, gereizt und cholerisch, und man spürt in jedem Moment den Hass, den er gegen die Angeklagten hegt.

Mit Gewalt oder ohne?

Dass der Film nicht in seiner Gut/Böse-Dichotomie erstarrt, gründet in der Art, wie Sorkin den zentralen Konflikt der Studenten darstellt und gegen Ende des Films auf dramatische Weise beschleunigt, kontrastiert mit den Einsätzen der Polizei. Denn die Protestler streiten sich wortreich um die Frage, ob sie selber Gewalt anwenden oder friedlich bleiben sollen. Als Tom Hayden, einer der Anführer, ins Mikrofon schreit, das Blut solle in den Strassen von Chicago fliessen, lässt er offen, ob er das Blut der Demonstranten oder der Polizisten meint (Jim Morrison und die Doors haben den Satz in ihrem Song «Peace Frog» radikalisiert).

Als ihn der Richter um ein letztes Plädoyer im Namen der Verurteilten bittet, beginnt Hayden, die Namen der über 4000 Männer abzulesen, die seit Prozessbeginn in Vietnam gestorben sind.

Der Krieg in Vietnam ist verloren, der Krieg auf den Strassen dauert an. «The Trial of the Chicago 7» liest sich auch als Kommentar zum Amerika von heute.

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