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Switzerland

Polens Regierung macht Politik auf dem Rücken eines Dreijährigen

Eine in Grossbritannien lebende Polin mit psychischen Problemen wehrt sich gegen die Adoption ihres britischen Sohns durch ein homosexuelles Paar. Nun macht das polnische Justizministerium Politik mit dieser tragischen Geschichte. 

Um eine Adoption durch ein homosexuelles Paar zu verhindern, will die polnische Regierung jetzt intervenieren.

Um eine Adoption durch ein homosexuelles Paar zu verhindern, will die polnische Regierung jetzt intervenieren.

Eloy Alonso / Reuters

Adoption ist ein hochemotionales Thema. Häufig stecken persönliche Tragödien dahinter – zerbrochene Familien, Todesfälle, schwere psychische Probleme. Dies gilt auch im Fall des dreijährigen Harry, der in Grossbritannien geboren wurde. Harry ist wie sein Vater Brite, seine Mutter Polin.

Laut Medienberichten leidet die seit Jahren auf der Insel lebende Frau unter schweren Depressionen und Epilepsie. Sie ist nicht in der Lage, für ihre Kinder zu sorgen. Bei Harry schritten die Behörden ein, als ihn die Mutter mit seiner dreizehnjährigen Schwester allein liess und er sich an einem heissen Teller verbrannte. Die Verletzung war gravierend genug, dass die Mutter ihr Sorgerecht verlor. Ein Gericht beschloss mit der Zustimmung von Harrys Vater, den Jungen zur Adoption freizugeben – an ein schwules britisches Paar. 

Dies ist in Grossbritannien völlig legal: Das Adoptionsrecht erwähnt gleichgeschlechtliche Paare ausdrücklich. Eine Tatsache ist auch, dass ein Elternteil mit psychischen Problemen nicht konsultiert werden muss. Doch die Mutter wehrte sich gegen die Adoption des Kindes durch Homosexuelle: Sie wolle, dass ihr Sohn von einem Mann und einer Frau erzogen werde, «in einer liebevollen Familie». Dass sie kaum Aussichten auf Erfolg hat, bestätigte ihr der polnische Konsul. Doch seit die Medien die Geschichte aufgenommen haben, mischt auch die polnische Regierung mit: Das Justizministerium sorgt sich, dass die Identität des Jungen bei der Adoption Schaden nehmen könnte, und will nun offiziell bei den britischen Behörden intervenieren.

Die Regierung weiss die öffentliche Meinung in Polen hinter sich. Ihre homophobe Kampagne gegen die angebliche Macht der «LGBT-Lobby» trug zu ihrem Wahlsieg im Herbst bei. Der Fall von Harry eignet sich auch deshalb zur Agitation, weil es nicht nur um Geschlechterrollen geht, sondern auch um die Welle der Auswanderung nach Westeuropa, die das Land vor fast unlösbare demografische Probleme stellt. Statt auf dem Rücken eines Dreijährigen Politik zu machen, würde die Regierung ihre Energie besser für deren Lösung einsetzen. 

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