Switzerland

Pietro Vernazza (63), Chefarzt Infektiologie in St. Gallen, rechnet mit Corona-Fällen in der Schweiz: «Gibt keinen Grund, dass wir verschont bleiben»

BLICK: Herr Vernazza, in der Schweiz gibt es noch keine einzige nachgewiesene Erkrankung am neuen Coronavirus. Wann ist es so weit?
Pietro Vernazza:
Mich würde es nicht überraschen, wenn bereits am Montag oder nächste Woche die ersten Fälle kommuniziert würden. Es gibt keinen Grund, dass wir verschont bleiben. Es gibt viele milde Infektionen, die man kaum erkennt. Und auch die milden Erkrankungen sind ansteckend.

Ist es nicht möglich, die Kranken bereits an der Grenze zu erkennen?
Nein. Bis jetzt wurden nur Tests bei Menschen gemacht, die eine Beziehung zu China haben. Was aber, wenn sich jemand in Italien oder im Iran angesteckt hatte? Wir müssen damit rechnen, dass das neue Coronavirus in ganz Europa auftritt, auch in der Schweiz.

Wieso trifft das Virus so viele Menschen auf der ganzen Welt?
Es gibt noch keine Immunität gegen dieses Virus, weil es eben neu ist. Darum erkranken jetzt quer durch die Altersgruppen sehr viele Menschen. Es gibt zudem noch keine Impfung und keine Medikamente.

Kann man überhaupt etwas gegen eine Infektion tun?
Die Leute in der Schweiz müssen heute und jetzt damit beginnen, besser auf Hygiene zu achten. Das Bundesamt für Gesundheit publiziert jährlich wirksame Hygienevorschriften, mit welchen wir Übertragungen von Virusinfektionen eindämmen können. Wenn wir die Ansteckungsgefahr nur halbieren, hätten wir schon viel Zeit gewonnen.

Was würde das bringen?
In China testen Wissenschaftler bereits die ersten vielversprechenden Medikamente an Menschen. Ende April wissen wir, ob die antiviralen Medikamente wirksam sind. Jeder Tag, den wir gewinnen, kann Leben retten. Auch die Entwicklung einer Impfung ist möglich, nicht so wie bei HIV.

Gibt es dann jedes Jahr eine Corona-Welle, ähnlich der Grippe?
Nein, die Coronaviren hinterlassen meist eine Immunität. Man wird nur einmal angesteckt. Über die Jahre sind dann immer weniger Menschen gefährdet.

Obwohl es noch immer viele schwere Grippefälle gibt, impfen sich nur wenige Schweizer dagegen. Wird das beim neuen Corona anders?
Ich vermute schon. Bei der Grippe lassen sich in gewissen Regionen weniger als zehn Prozent des Pflegepersonals impfen. Ich bin überzeugt: Hätten wir eine Impfung gegen das neue Coronavirus, die Mehrheit würde sich impfen lassen.

Wie schlimm ist eine Erkrankung am Coronavirus?
Eine aktuelle Studie aus China zeigt: Über 80 Prozent der Erkrankten haben milde Symptome. Aber wenn, sagen wir, 20 oder 30 Prozent der Bevölkerung angesteckt würden, dann bedeuten 15 Prozent schwere und fünf Prozent kritische Verläufe für unser Gesundheitssystem sehr viel. Daher ist es wichtig, dass wir das Ansteckungsrisiko mit Hygienemassnahmen reduzieren. In China gab es bei Kindern unter zehn Jahren keine Todesfälle. Wie bei der saisonalen Grippe sind ältere Personen am stärksten gefährdet.

Football news:

Barys 20 Tage vor dem Start der KHL: Sie wissen nicht, wo Sie spielen sollen, die Legionäre sind vom Team abgeschnitten
Areolaa kehrte nach seiner Leihgabe bei Real zu PSG zurück
Manchester United kann Ousmane Dembélé für ein Jahr mit einer Ablösesumme verpflichten
Roma wird von einem Milliardär aus den USA gekauft, der bei Nolan in Dunkirk gedreht hat. Sein Sohn verliebte sich in Rom, während er mit Ridley Scott arbeitete
Hargreaves über Borussias Weigerung, Sancho loszulassen: Das ist ein Bluff. Sie versuchen nur, mehr Geld von Manchester United zu bekommen
Daniel Sturridge: die Rückkehr nach APL ist meine Priorität. Hungrig nach Fußball wie nie
In Valencia wurde das Coronavirus bei zwei Menschen identifiziert