Switzerland

Pfingsten erweckt Zürich zu neuem Leben

Trotz gesperrten Uferanlagen war in der Stadt Zürich über Pfingsten sehr viel los. Protokoll eines Wochenendes in der Corona-Krise. 

Über Pfingsten waren in der Stadt Zürich viele Leute unterwegs.

Über Pfingsten waren in der Stadt Zürich viele Leute unterwegs.

Simon Tanner / NZZ

Schweizweit gilt grundsätzlich immer noch die Abstandsregel von zwei Metern im öffentlichen Raum. Neu sind jedoch Gottesdienste und in der Stadt Zürich spontane Ansammlungen wieder erlaubt. Sind die neuen Freiheiten ausgereizt worden? Auch die NZZ war unterwegs.

Bahnhofstrasse, Samstag, 13 Uhr

Der Nachholbedarf nach fast drei Monaten Ausnahmezustand scheint enorm zu sein: Auf Zürichs beliebtester Einkaufsstrasse sind gefühlt so viele Menschen wie vor der Corona-Krise unterwegs. Meterlange Schlangen bilden sich vor den Geschäften. Sobald zwei Personen den Laden verlassen, nutzen die beiden vordersten die Chance und treten ein. Gedränge und Ungeduld sind nicht auszumachen. Die Freude am entspannten Flanieren dominiert. Wer kann, nutzt die raren freien Stühle in den Cafés und geniesst das Treiben. 

Sechseläutenplatz, 14 Uhr

Vor dem Opernhaus versammeln sich immer mehr Menschen. Es sind Teilnehmer der Corona-Mahnwachen, die – unter grossem Medieninteresse – auch schon an den vergangenen Wochenenden in verschiedenen Schweizer Städten stattgefunden haben. Diesmal kommen deutlich weniger «Corona-Skeptiker». Die Polizei hält sich zurück. Auf den Strassen und Plätzen der Stadt darf man sich seit Samstag wieder in Gruppen von bis zu dreissig Personen aufhalten. Jedoch nur, wenn die Ansammlung «spontan, zufällig und nicht organisiert» ist.

Im Falle der Demo auf dem Sechseläutenplatz kann die Stadtpolizei zu Beginn «keinen eigentlichen Veranstaltungscharakter» erkennen, wie sie später in einer Mitteilung schreibt. Erst als die verstreuten Demonstranten in einer orchestrierten Aktion die Bundesverfassung in die Höhe strecken und den Schweizerpsalm anklingen lassen, spricht die Polizei eine Mahnung aus. Gegen 16 Uhr verlassen die meisten Demonstranten den Platz dann wieder; Bussen oder Verzeigungen gibt es keine.

Josefswiese, Sonntag, 9 Uhr 

Mitarbeitende der Kehrichtabfuhr leeren die überfüllten Abfallkübel – offenbar war hier am Vorabend sehr viel los. Auf der sattgrünen Wiese sitzt eine vierköpfige Yogagruppe im Schneidersitz, den Blick gegen Osten gewandt. Vier junge Männer lassen einen Volleyball fliegen, auf den baumbestandenen Kieswegen drehen Joggerinnen und Hündeler ihre Runden, Boulespieler sind noch nicht in Sicht. Derweil klappt man am Kiosk in Erwartung grösserer Ansammlungen zahlreiche Sonnenschirme auf. 

Münsterhof, 9 Uhr 45

Obwohl die Cafés keine gedruckten Sonntagszeitungen anbieten dürfen, haben sich einige Gäste auf dem Platz für einen Morgenkaffee niedergelassen. Vor dem Hauptportal des Fraumünsters ist unübersehbar Niklaus Peters hochgewachsene Gestalt im schwarzen Talar auszumachen. Neben dem Pfarrer steht eine Frau mit einer Liste der Namen der Gottesdienstbesucher. Imposantes Glockengeläute hebt an, die freundlich lächelnden Türwächter begrüssen jeden Neuankömmling persönlich – selbstverständlich ohne Händedruck.

Der Gottesdienst ist ausgebucht, um 11 Uhr 30 wird ein weiterer folgen. Obwohl das Fraumünster auf den offiziellen Plattformen und in über tausend Briefen auf die besonderen Bedingungen hingewiesen hat, kommen einige unangemeldet. Weil Pfarrer Peter niemanden abweisen will, stehen ihnen «Notplätze» zu Verfügung.              

Im Fraumünster, 10 Uhr

Festliche Orgel- und Trompetenklänge erfüllen den imposanten gotischen Kirchenraum, in dem in grossen Abständen rund hundert Menschen sitzen. Dann sagt Peter: «Welcome back!» und erläutert das Prozedere. Kein Abendmahl, kein gemeinsames Singen – Mitsummen hingegen ist erwünscht. «Wir machen das so, weil wir den Viren keine Kurz- und Langstreckenflüge erlauben, wir sind vernünftig», sagt er und kommt zur Sache, zur Bedeutung von Pfingsten, dem fünfzigsten Tag nach Ostern.

An Ostern habe Gott den Tod ins Leben verwandelt, die Jünger hätten mit sprachlosem Staunen reagiert. An Pfingsten gab es die zweite überwältigende Erfahrung des «Geistes», wie er fortfährt. Geist heisse Sprache und damit Verständigung trotz der Vielfalt der Sprachen. Peter kommt auf die Explosivität der Corona-Krise zu sprechen, auf die Ängste, das Misstrauen und das Ringen um Deutung, das auch das Auftreten von Verschwörungstheoretikern erkläre. Der Fraumünster-Pfarrer setzt solch unguter Dynamik den «pfingstlichen Geist» entgegen, einer, der Vielfalt zulässt, aber das Verbindende nicht zerstört.        

Bellevue, 11 Uhr

Ein Ehepaar steht vor der Absperrung der Uferanlagen in Richtung Zürichhorn. Erst am nächsten Wochenende werden sie geöffnet. Nein, sie seien nicht enttäuscht, sagt die Frau, der Mann nickt. Es sei besser so, um die Gefahr einer zweiten Welle einzudämmen. Durch die Innenstadt flanieren zu können, reicht den beiden vollkommen. Eine sonntäglich gekleidete Frau hört drei Flötistinnen zu, die auf einem Balkon oberhalb des Kinos Corso musizieren. Sie ist begeistert: «Endlich wieder Live-Musik, das ist einfach unbezahlbar.» Ihr gehen die momentanen Lockerungen zu weit. Auch Gottesdienste kommen für sie noch nicht infrage.    

Gemeinschaftszentrum Wipkingen, 17 Uhr

An den Ufern der Limmat in Zürich-West ist viel nackte Haut zu sehen. Die grösste informelle Badi befindet sich beim Gemeinschaftszentrum Wipkingen. Auf den Treppenstufen am Wasser, aber auch oben auf der Wiese sitzen viele Sonnenhungrige in kleinen Gruppen beisammen. Auf einem langen Tisch wird grilliert, ins Wasser mag niemand tauchen. Hingegen sind Gummiboote unterwegs, die sich den glitzernden Fluss hinuntertreiben lassen. Auf der anderen Seite rast plötzlich ein Polizeiauto mit Blaulicht vorbei. Die Leute kümmern sich nicht sonderlich darum. In Zürich ist die Normalität zu grossen Teilen wieder eingekehrt.                

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