Switzerland

Perfekter Ostersonntag in Flandern für Fabian Cancellara

Der Beziehungsstatus von Fabian Cancellara zur "Ronde van Vlaandern", dem Eintagesklassiker in den flämischen Ardennen mit Volksfest-Charakter, darf lange Zeit mit "schwierig" bezeichnet werden. Dem 6. Platz 2006 folgen drei Teilnahmen, die für den Berner nur Enttäuschungen bergen. Einmal lanciert er aus Verzweiflung einen zu frühen Angriff, ein anderes Mal fehlt es ihm an der guten Tagesform und schliesslich bekundet er Pech, als ihm am berüchtigten Koppenberg die Kette reisst. Bis 2010, seiner zehnten Saison als Profi, bleibt der erfolgsverwöhnte Cancellara gar in ganz Belgien - abgesehen von zwei Zeitfahren - ohne Sieg.

Der Ostersonntag, 4. April 2010, lässt Cancellara das, was vorher war, vergessen. So gut in Form wie wohl noch nie und mit enorm viel Selbstvertrauen steht der damals 29-Jährige in Brügge am Start der Flandern-Rundfahrt, auf welche sein ganzer Saisonbeginn ausgerichtet war. "Ich fühle mich nun als halber Flame", sagt Cancellara, nachdem er wenige Tage zuvor den GP E3 in Harelbeke - quasi eine "Mini-Flandern-Rundfahrt" - gewonnen hat.

Trotz Velowechsel: "Ich blieb locker"

Gleichzeitig ist sich der Schweizer, zu diesem Zeitpunkt bereits Zeitfahr-Olympiasieger und -Weltmeister, bewusst, dass seine Topform keine Garantie auf den Sieg bedeutet. Die Schwierigkeit bestehe eben gerade darin, diese Flandern-Rundfahrt in der Rolle des grossen Favoriten zu gewinnen, bemerkt Cancellara. Bei diesen Worten dürfte ihm die schmerzliche Erinnerung an den Herbst zuvor und den entgangenen Strassen-WM-Titel in Mendrisio durchaus noch präsent gewesen sein.

Tatsächlich läuft für "Spartakus", wie sein Übernahmen lautet, auch 2010 in Flandern nicht alles reibungslos. Rund 200 Kilometer sind schon absolviert, als Probleme mit der Bremse auftreten. Diese streift die Felge, was Cancellara während rund zehn Kilometern manuell zu beheben versucht. Vergeblich, der Velowechsel lässt sich nicht vermeiden. Genau in dieser Situation, so erklärt Cancellara später, habe er das Rennen gewonnen: "Ich blieb cool und locker. Die Erfahrung aus den Vorjahren zahlte sich aus." Wenig später wechselt er abseits der TV-Übertragung zurück auf sein altes Rad.

Schnell findet Cancellara zurück ins Spitzenfeld mit allen Favoriten. Am Molenberg, 44 km vor dem Ziel, lanciert er den ersten Angriff. Das sei nicht etwa geplant gewesen, sondern vielmehr instinktiv erfolgt, so Cancellara. Mithalten kann in dieser entscheidenden Phase des Rennens einzig noch Tom Boonen. Die grosse Hoffnung der Einheimischen weiss als Sieger von 2005 und 2006 bestens, wie man die Flandern-Rundfahrt gewinnt. Und Cancellara weiss, dass er den sprintstärkeren Konkurrenten aus Belgien unterwegs noch loswerden muss. Dieses Unterfangen gelingt ihm an der Mauer von Geraardsbergen. Auf diesem kurzen Kopfsteinpflaster-Abschnitt mit einer durchschnittlichen Steigung von fast zehn Prozent lässt er mit seiner Tempoverschärfung Boonen ganz einfach stehen.

Double Flandern/Roubaix

Auf den verbleibenden 15 Kilometern ward der entfesselte Cancellara von seinem ersten Verfolger nicht mehr gesehen. In Meerbeke bleibt ihm auf der langen Zielgeraden alle Zeit der Welt, um ausgiebig zu jubeln und den von seiner Frau Stephanie vor der Abreise erhaltenen Glücksbringer in die TV-Kamera zu halten. Ebenso dazu, sich 150 Meter vor der Ziellinie - inmitten eines flämischen Fahnenmeers - eine Schweizer Flagge aus dem Publikum zu greifen. So zu triumphieren, sei das Grösste. Umso mehr, als dass er jahrelang Angst vor Flandern gehabt habe, sagt Cancellara, nun auf einen Schlag zum ganzen Flamen geworden. "Dieser Ostersonntag war der perfekte Tag für mich."

Cancellara ist erst der zweite Schweizer nach Heiri Suter 1923, der die Flandern-Rundfahrt zu seinen Gunsten entscheidet. Und wie dem Aargauer 87 Jahre vor ihm gelingt dem Berner innerhalb weniger Tage sogar das Double mit einem anderen Monument des Radsports: Eine Woche nach Ostern lässt Cancellara bei Paris - Roubaix die nächste Machtdemonstration folgen. In der "Hölle des Nordens" wird er sich trotz Gegenwind gar schon 50 km vor dem Ziel von seinen Konkurrenten verabschieden.

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