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Peking weist «WSJ»-Journalisten aus, erste Passagiere verlassen «Diamond Princess» – die aktuellen Entwicklungen zum neuartigen Coronavirus

Mehr als 2000 Personen sind bisher in China an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, mehr als 74 000 gelten dort als infiziert. Ausserhalb Chinas sind fünf Todesfälle und fast 1000 Infektionen bestätigt. Mittlerweile sind 29 Länder betroffen.

Raffaela Angstmann, Stephanie Kusma, Gian Andrea Marti, Alan Niederer, Manuela Nyffenegger, Alexandra Kohler, Jonas Oesch, Roman Karavia

Die neusten Entwicklungen

  • Aus Protest über einen als beleidigend empfundenen Kommentar im «Wall Street Journal» zum Ausbruch der Lungenkrankheit hat China drei Korrespondenten der Zeitung die Akkreditierung entzogen. Das teilte der Sprecher des Aussenministeriums, Geng Shuang, am Mittwoch (19. 2.) vor der Presse in Peking mit. Ihnen werde mit sofortiger Wirkung die Pressekarte entzogen. Der gleichzeitige Entzug der Akkreditierung von drei ausländischen Korrespondenten ist eine ungewöhnlich scharfe Massnahme. Damit entfällt praktisch auch die Grundlage für ihr Journalistenvisum und ihre Aufenthaltsberechtigung in China, so dass sie ausreisen müssen. Auslöser der chinesischen Verärgerung ist ein Meinungsbeitrag des amerikanischen Kolumnisten Walter Russell Mead im «Wall Street Journal» vom 4. Februar. Er trug die Überschrift: «China ist der «wahre kranke Mann» Asiens.»
  • Nach zweiwöchiger Quarantäne wegen des Coronavirus gehen am Mittwoch (19. 2.) die ersten Passagiere von Bord des Kreuzfahrtschiffes «Diamond Princess» in Japan. Bis alle der rund 3000 Menschen das Schiff verlassen haben, werde es mindestens drei Tage dauern, teilte die Regierung in Tokio mit. Als erste Gruppe sollen rund 500 vor allem ältere Passagiere das Schiff verlassen, die alle negativ getestet wurden. Sie würden in die Innenstadt von Yokohama oder zu anderen Bahnhöfen im Raum der Tokioter Nachbar-Metropole gebracht, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Wer zwar negativ auf das Virus getestet wurde, aber engen Kontakt mit später positiv getesteten Personen hatte, muss bis auf weiteres an Bord des Schiffes zur Beobachtung bleiben. Die Reederei werde entscheiden, wann ihre nicht vom Erreger betroffenen Crewmitglieder das Schiff verlassen, hiess es. Bisher (Stand: 18. 2.) wurden 542 Infektionen auf dem Schiff nachgewiesen. Das sind mit Abstand die meisten Fälle an einem Ort ausserhalb Chinas.
  • Die Zahl der am Coronavirus gestorbenen Menschen in China steigt auf über 2000. Die Gesundheitskommission in Peking teilte am Mittwoch (19. 2.) mit, die Zahl der Todesopfer sei im Vergleich zum Vortag um 136 auf nun 2004 gestiegen. Die nachgewiesenen Infektionen kletterten demnach um 1749 auf 74 185 Fälle. Allein in der besonders stark betroffenen Provinz Hubei kamen 132 Tote und 1693 neue Infektionen hinzu. Wie chinesische Staatsmedien berichteten, haben sich laut einer Studie der chinesischen Gesundheitsbehörde bisher auch mindestens 3000 Ärzte und Spitalmitarbeiter infiziert. Zuvor waren lediglich 1700 Erkrankungen bekannt gewesen. Ausserhalb von Hubei wurden seit Dienstag (18. 2.) nur 56 neue Infektionsfälle in Festlandchina bestätigt. Damit ging die Zahl der registrierten Neuerkrankungen ausserhalb von Hubei den 15. Tag in Folge im übrigen Festlandchina zurück. Ausserhalb des chinesischen Festlands wurden bis Mittwoch (19. 2.) fünf Todesfälle und fast 1000 Infektionen nachgewiesen, 16 Infektionen davon in Deutschland.
  • Russland schottet sich wegen der Epidemie besonders drastisch gegen China ab. Ab Donnerstag (20 .2.) werde generell allen chinesischen Staatsbürgern die Einreise untersagt, kündigte die Vizeregierungschefin Tatjana Golikowa an. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Moskau die 4250 Kilometer lange Grenze zu China weitgehend schliessen lassen. Bahn- und Flugverbindungen wurden ganz oder teilweise ausgesetzt. Chinesen erhalten ausserdem keine Arbeitsvisa mehr.

Immer mehr Patienten werden geheilt

Zahl der weltweiten Fälle des Coronavirus, nach Status der Patienten (in Tausend)

1 Seit dem 12.2. werden nicht mehr nur Fälle gezählt, die durch Tests bestätigt werden, sondern auch jene aus klinischen Diagnosen.

Wie sich das Virus weltweit ausbreitet

Bestätigte Infektionen und Todesfälle durch das Coronavirus, nach Land

Das Wichtigste im Detail

Anfang Januar hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt, dass eine mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan durch ein neuartiges Coronavirus verursacht werde. Wann es angefangen hat, ist unklar. Erste Krankheitsfälle waren bereits Mitte Dezember 2019 festgestellt worden.

Es wird davon ausgegangen, dass das neuartige Coronavirus seinen Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan hat. Von da aus hat es sich weiter verbreitet. 

Die WHO hat auf einer Konferenz in Genf im Februar 2020 der Krankheit und dem Erreger je einen neuen wissenschaftlichen Namen gegeben. Der Name Covid-19 bezeichnet die neuartige Lungenkrankheit und leitet sich ab von Corona, Virus und Disease (dem englischen Wort für Krankheit), ergänzt um das Jahr der Entdeckung 2019. Auch der Auslöser der Krankheit, das Virus, erhielt einen eigenen Namen: Sars-CoV-2. Die WHO erhofft sich so einen schnellen und fundierten Austausch der bisherigen Erkenntnisse unter den Wissenschaftern. Weiterhin gebräuchlich ist der bisherige Name Coronavirus.

Spitalmitarbeiter in Wuhan schieben eine Bahre mit einer an Covid-19 verstorbenen Person aus einem Spital.

Spitalmitarbeiter in Wuhan schieben eine Bahre mit einer an Covid-19 verstorbenen Person aus einem Spital. 

EPA

Das Coronavirus wurde bis Mittwoch (19. 2.) bei über 74 100 Personen in Festland-China nachgewiesen. Über 2000 Personen sind in dem Land bis Mittwoch (19. 2.) an der durch das Virus verursachten Lungenerkrankung gestorben. Mittlerweile sind in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Ausserhalb Chinas wurden bis zum 19. Februar fünf Todesfälle und fast 1000 Infektionen bestätigt. Davon starb je ein Patient in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong, auf den Philippinen und in Japan. Am Samstag, 15. Februar, wurde der erste Todesfall in Europa (Frankreich) gemeldet.

In anderen Ländern wurden bis Mittwoch (19. 2.) bereits fast 1000 Infektionen in mindestens 29 verschiedenen Staaten registriert, die meisten davon in Japan. In Europa sind Frankreich, Grossbritannien, Italien, Deutschland, Belgien, Schweden, Finnland und Spanien von dem Virus betroffen.

Eine Frau mit Gesichtsmaske wird am Eingang eines Wohnkomplexes in der chinesischen Hafenstadt Tianjin von einem Gerät automatisch mit Desinfektionsmitteln eingesprüht.

Eine Frau mit Gesichtsmaske wird am Eingang eines Wohnkomplexes in der chinesischen Hafenstadt Tianjin von einem Gerät automatisch mit Desinfektionsmitteln eingesprüht.

Stringer / Reuters

Mittlerweile hat die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus die der Sars-Infektionen vor 17 Jahren übertroffen. An dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Sars) waren 2002/2003 laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 8096 Menschen erkrankt, 774 starben.

In ganz China, mit Ausnahme von Hubei, geht jedoch die Zahl der täglichen Neuinfektionen seit Anfang Februar stetig zurück. Allerdings wurde am 11. Februar auch bekannt, dass China nachweislich mit dem Coronavirus infizierte Personen, die aber keine Symptome zeigen, nicht mehr in seiner Statistik der Ansteckungen führt. Das geht aus neuen Bestimmungen zur Vorbeugung und Kontrolle der nationalen Gesundheitskommission in Peking hervor. Die Bestimmungen wurden demnach bereits am 7. Februar erlassen. Erst wenn Krankheitssymptome aufträten, werde die Person als «infiziert» geführt, heisst es darin. Wie viele Infektionen damit gar nicht erst erfasst werden, ist unklar. Generell dürfte die Dunkelziffer nicht registrierter Fälle immens sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte in ihren täglichen Pressekonferenzen zum Virus zuletzt betont, dass rund 80 Prozent der Infektionen einen milden Verlauf nähmen.

Ein Grund, warum die Statistik geändert wurde, wurde nicht genannt. In welchem Ausmass die neue Regelung mit ein Grund für den weniger starken Anstieg neuer Infizierter seit Anfang Februar ist, war zunächst unklar. Die neue Definition widerspricht jedoch den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die als Infizierten jemanden betrachtet, bei dem eine Infektion durch ein Labor bestätigt wurde – «ungeachtet klinischer Zeichen oder Symptome». Mit dem Coronavirus infizierte Personen können in der Inkubationszeit schon selbst ansteckend sein. Experten gehen in der Regel von bis zu 14 Tagen aus.

Vor einer U-Bahn-Station in Peking kontrollieren Mitarbeiter in Schutzkleidung am 25. Januar die wenigen Passanten.

Vor einer U-Bahn-Station in Peking kontrollieren Mitarbeiter in Schutzkleidung am 25. Januar die wenigen Passanten.

Wu Hong / EPA

China hat sofort drastische Massnahmen ergriffen: In der Provinz Hubei wurden 45 Millionen Menschen in mehr als einem Dutzend Städten weitgehend von der Aussenwelt abgeschottet. Auch in drei Grossstädten ausserhalb der Provinz Hubei hat China die Bewegungsfreiheit von weiteren zwölf Millionen Menschen massiv eingeschränkt. In den betroffenen Städten wurden Flüge sowie Fern- und Nahverkehr gestoppt. Seit dem 16. Februar gilt zudem ein umfassendes Fahrverbot für die Provinz. In den Städten dürfen demnach nur noch Dienst- und Notfallfahrzeuge sowie Transporte mit Waren des täglichen Bedarfs auf die Strassen. Private Fahrten sind nicht mehr zugelassen.

Auch andere Regionen haben den Überlandverkehr von Bussen und einige Zugverbindungen gestrichen. Die Regierung verlängerte zudem die Ferien über das Neujahrsfest hinaus. Etliche Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum Neujahrsfest in China waren abgesagt worden. Zudem rief die Regierung dazu auf, Hochzeiten zu verschieben und Trauerfeiern in kleinem Rahmen abzuhalten, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Da am 3. Februar die wegen des Virus verlängerten Neujahrsferien endeten, nahm der Reiseverkehr in China allerdings wieder zu. Menschen, die nach Peking zurückkehren, müssen sich seit dem 14. Februar für zwei Wochen zu Hause oder in einem speziellen Zentrum unter Quarantäne stellen.

Aus Angst vor einer weltweiten Ausbreitung empfahl die Regierung in Peking zudem allen Chinesen, von Auslandreisen vorerst abzusehen.  Zuvor hatte Peking bereits alle Pauschalreisen ins Ausland gestoppt.

Da vermutet wird, dass das Virus von einem Markt mit wilden Tieren auf den Menschen übertragen wurde, haben die chinesischen Behörden vorübergehend den Handel und Transport mit Wildtieren verboten. Zuchtfarmen wurden zudem unter Quarantäne gestellt. Alle Plattformen – von Frischmärkten über Supermärkte und Restaurants bis hin zu Online-Geschäften – mussten den Verkauf einstellen.

Zur Behandlung der Lungenkranken haben Chinas Behörden inzwischen mehr als 21 000 medizinische Fachkräfte aus dem ganzen Land in die Provinz Hubei entsandt. In Wuhan wurden ausserdem innerhalb weniger Tage zwei neue Spitäler gebaut, wo mit dem Coronavirus Infizierte behandelt werden sollen. Ähnlich war China bei der Sars-Epidemie 2003 vorgegangen, als Peking innerhalb von nur einer Woche mit 7000 Arbeitern ein neues Spital hochzog. Ein Siebtel aller in China an Sars Erkrankten wurde dort behandelt. 

In der Provinz Hubei werden zudem weitere Gebäude, wie Schulen, Hotels, Turnhalle und Sportzentren vorübergehend in Spitäler umfunktioniert. Damit schaffen die Behörden Tausende von zusätzlichen Betten für erkrankte Personen. 

Am Dienstag, den 28. Januar, werden die Fundamente für das erste Notspital in Wuhan betoniert...

Am Dienstag, den 28. Januar, werden die Fundamente für das erste Notspital in Wuhan betoniert...

Getty

... am Sonntag, den 2. Februar, steht das Spital mit 1000 Betten kurz vor der Fertigstellung.

... am Sonntag, den 2. Februar, steht das Spital mit 1000 Betten kurz vor der Fertigstellung.

AP

Immer mehr Länder versuchen sich von China abzuschotten. Australien und Neuseeland haben als erste Länder ein Einreiseverbot für China-Reisende verhängt. Die USA haben wegen des Coronavirus eine «gesundheitliche Notlage» ausgerufen. Viele asiatische Staaten haben die Einreiseregeln für Chinesen verschärft (Singapur und Hongkong) oder lassen gar keine chinesischen Staatsbürger ins Land und machen die Grenzen dicht – so wie Russland. Mehrere Länder und Fluggesellschaften haben die direkten Flugverbindungen von und nach China vorübergehend eingestellt.

In einigen Ländern, zum Beispiel Südkorea, häufen sich die Meldungen von rassistischen Vorfällen gegenüber chinesischen Staatsbürgern. Grund dafür ist die Panik, sich mit dem Virus anzustecken.

Wegen der Lungenkrankheit haben mehrere Länder ihre Staatsangehörigen aus der schwer betroffenen Metropole Wuhan ausgeflogen. Wie etwa in den USA müssen die Menschen auch zum Beispiel in Deutschland zuerst zwei Wochen Quarantäne aussitzen. Der Ausbruch des Virus dauert etwa eine Woche. Damit ist man mit zwei Wochen Isolation auf der sicheren Seite, dass die betroffenen Personen gesund sind.

Der schwedische Möbelkonzern Ikea war eines der ersten Unternehmen, dass aus Sorge um die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern vorübergehend alle Warenhäuser in China schloss. Andere Konzerne wie H&M zogen nach. Auch Automobilhersteller wie Volkswagen und Flugzeughersteller wie Airbus oder Boeing schlossen ihre Fabriken in China vorübergehend.

Die vietnamesischen Behörden stellen die Kommune Son Loi wegen des Coronavirus seit Donnerstag (13. 2.) für zunächst 20 Tage unter Quarantäne. Zu diesem Schritt hätten sich die Behörden entschlossen, nachdem sechs Infektionen in der Kommune nachgewiesen wurden, schrieb die Nachrichtenagentur AFP. In Son Loi leben rund 10 000 Personen. Damit wurden erstmals Gemeinden ausserhalb Chinas unter Quarantäne gestellt.

Ein Bus bringt erste Passagiere, die das Kreuzfahrtschiff Diamond Princess verlassen dürfen, zum Bahnhof von Yokohama.

Ein Bus bringt erste Passagiere, die das Kreuzfahrtschiff Diamond Princess verlassen dürfen, zum Bahnhof von Yokohama.

www.imago-images.de

In der Schweiz gibt es bisher keine bestätigten Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus. Landesweit wurden bisher 250 Personen auf das Coronavirus getestet, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am 14. Februar mitteilte. Alle Tests der Verdachtsfälle sind bisher negativ ausgefallen. Laut BAG gibt es ausserhalb Chinas bisher keine zusammenhängenden Übertragungsketten. Das Risiko einer unkontrollierten Ausbreitung in Europa – und somit auch in der Schweiz – sei damit gering.

Fünf Schweizer wurden aus China repatriiert. Sie wurden über Frankreich ausgeflogen, waren dort in Quarantäne und sind mittlerweile wieder in der Schweiz. Laut EDA sind sie alle gesund.

Zeitweise wurde ein Kind unter Quarantäne gestellt, das während Skiferien in der Haute-Savoie mit einer am Coronavirus erkrankten Person in Kontakt gekommen war. Der 10-jährige Bub wird laut BAG voraussichtlich am Mittwoch (19. 2.) nach Hause dürfen. Zwei Schweizer sind zudem auf dem Kreuzfahrtschiff, das in Japan unter Quarantäne gestellt wurde. Laut BAG geht es ihnen gesundheitlich gut (Stand: 14. 2.). Das Paar erhält von der Schweiz konsularische Unterstützung. Derweil steht das Krisenmanagement-Zentrum des Aussendepartements in Kontakt mit Staatsbürgern, die in China gemeldet sind. Bis anhin hat kein weiterer Schweizer den Wunsch geäussert, auszureisen. Nach wie vor halten sich rund 3500 Schweizerinnen und Schweizer in China auf (Stand: 14. 2.). Das Aussendepartement rät von Reisen nach Wuhan ab und verfolgt laut eigenen Angaben die Lage in China laufend.

Die Schweiz hat die Informationen für Reisende an Flughäfen verstärkt. Passagiere, die aus China ankommen, müssen zudem neu eine Kontaktkarte ausfüllen, damit sie bei Bedarf schneller erreicht und in Quarantäne gesetzt werden können. Ein Verbot von Flügen aus gesundheitlichen Gründen plant die Schweiz nicht, wie Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, bestätigte.

Laut Koch ist damit zu rechnen, dass weitere Fälle in Europa auftauchten. Auch die Schweiz könnte früher oder später betroffen sein. Das Land sei aber gut vorbereitet. Sollte sich in der Schweiz ein Verdachtsfall erhärten, so werde der für solche Fälle existierende Pandemieplan aktiviert. Im Auftrag des BAG wurde zudem eine Hotline für Fragen aus der Bevölkerung aufgeschaltet. Erreichbar ist die Hotline unter der Nummer 058 463 00 00. Zudem hat das BAG die Meldepflicht von Ärzten und Laboratorien verschärft. Die Kompetenz zur Festlegung beim Vorgehen bei Verdachtsfällen liegt bei den Kantonen. Laut Koch stehen sie jedoch im ständigen Austausch mit dem BAG und würden im Falle einer bestätigten Infektion alle gleich handeln: Der Patient würde in Quarantäne gesetzt und nicht etwa nach Hause geschickt.

Die Schweizer Post nimmt bis auf Weiteres keine Briefe und Pakete nach China mehr an, heisst es auch am Mittwoch (19. 2.) in einer Mitteilung auf der Webseite der Post. Grund dafür sei der Ausfall zahlreicher internationaler Flüge nach China, der den Postversand einschränke.

Studierende und Mitarbeiter der ETH Zürich, die in China waren, dürfen während 14 Tagen nach Abreise die Räumlichkeiten der Hochschule nicht betreten. Darüber wurden sie am 12. Februar per E-Mail informiert, heisst es seitens der ETH. Auch an der Universität Zürich und der ETH Lausanne gilt ein Zutrittsverbot während 14 Tagen nach Abreise aus China. 

In Deutschland haben sich bisher (Stand am 19. 2.) 16 Personen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, drei Patienten wurden inzwischen geheilt aus dem Spital entlassen. Bisher hängen insgesamt 14 Fälle in Bayern mit dem Automobilzulieferer Webasto zusammen. Betroffen sind dort Mitarbeiter und deren Angehörige. Die anderen beiden Infizierten waren am Wochenende (1./2. 2.) zusammen mit mehr als 120 weiteren Passagieren aus China nach Deutschland geholt worden.

Mindestens einer der infizierten Webasto-Angestellten soll sich bei einer Kollegin aus China angesteckt haben, die das Unternehmen besucht hatte. An dem Fall in Bayern ist besonders, dass es einer der ersten bekannten Nachweise weltweit ist, bei denen die Ansteckung ausserhalb Chinas geschah. Bisher hatten sich alle Infizierten in China angesteckt.

Auf dem in Kambodscha liegenden Kreuzfahrtschiff «Westerdam» waren 57 Deutsche. Die Holland America Line teilte am Mittwoch (19. 2.) unter Berufung auf das malaysische Gesundheitsministerium über Twitter mit, dass keiner von ihnen infiziert sei. Einige der deutschen Urlauber seien laut der Reederei bereits zu Hause.

Deutsche Ärzte haben ihre Angaben zur Übertragbarkeit des Coronavirus präzisiert (Stand: 5. 2.). So können sich die Viren bei Infizierten sowohl in der Lunge als auch im Nasen-Rachen-Raum und im Verdauungstrakt vermehren. Dies geschehe bereits, wenn die Betroffenen nur sehr milde Symptome wie «leichte Halsschmerzen oder ein leichtes allgemeines Krankheitsgefühl ohne Fieber» aufwiesen, schreiben die Ärzte des Münchner Klinikums Schwabing, der Charité Berlin sowie vom Institut für Mikrobiologe der Bundeswehr. Alle Teams beobachten entweder die bisher bestätigten Coronavirusfälle in Bayern beziehungsweise untersuchen die von diesen isolierten Viren.

Eine Woche vorher hatten die Münchner noch erklärt, dass man Hinweise auf eine Ansteckung durch eine völlig symptomlose Infizierte habe. Doch das war offenbar eine Fehleinschätzung. Denn die chinesische Gastreferentin, die das Virus aus China nach Bayern brachte, hatte offenbar doch leichte Halsschmerzen und fühlte sich etwas angeschlagen, wie nun bekannt wurde. Sie hatte Paracetamol genommen und war daher ihren Zuhörern gesund erschienen. Diesen Sachverhalt hatte die Frau jedoch erst später nach ihrer Rückkehr auf Nachfrage den Ärzten mitgeteilt. Im Hinblick auf mögliche Infektionsrisiken ändert die neue Sachlage wenig. Klar ist weiterhin, dass das Virus offenbar leicht übertragbar ist, sobald es sich im Körper vermehrt. Und das bei einer beginnenden Erkrankung offenbar ein tüchtiges Niesen oder Husten ausreicht, um Umstehende anzustecken.

Das Coronavirus hat inzwischen auch Auswirkungen auf die deutsche Post. Diese nimmt seit Mitte Februar keine Päckchen und Pakete nach China, Hongkong und Macau mehr an. Briefsendungen werden dagegen bis auf Weiteres noch angenommen und bearbeitet. Nicht betroffen vom Annahmestopp für Päckchen und Pakete sind Sendungen nach Taiwan. Auch der Express-Versand von Dokumenten nach China ist grundsätzlich noch möglich.

Infektionen mit dem neuen Erreger wurden inzwischen an mehreren Orten in China nachgewiesen. Mitarbeiter in Schutzanzügen der Abteilung für Krankheitsbekämpfung und Prävention der nationalen Gesundheitskommission desinfizieren am 25. Januar ein Wohngebiet in der Provinz Jiangxi.

Infektionen mit dem neuen Erreger wurden inzwischen an mehreren Orten in China nachgewiesen. Mitarbeiter in Schutzanzügen der Abteilung für Krankheitsbekämpfung und Prävention der nationalen Gesundheitskommission desinfizieren am 25. Januar ein Wohngebiet in der Provinz Jiangxi.

Reuters

Der Notfall-Ausschuss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Donnerstag (29. 1.) eine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ausgerufen. Damit verbunden sind konkrete Empfehlungen, wie alle Länder der Welt einer weiteren Ausbreitung vorbeugen können. Das bedeutet, dass die mehr als 190 Mitgliedsländer von der WHO empfohlene Krisenmassnahmen gegen eine weitere Ausbreitung untereinander koordinieren. In der Woche davor hatte die WHO noch darauf verzichtet, den Ausbruch als internationalen Gesundheitsnotstand einzustufen.

Nach der Ausrufung des internationalen Notstands sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass die Zahl der Infektionen ausserhalb Chinas zwar noch relativ gering sei. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. Die grösste Sorge sei, dass sich das Virus in solchen Ländern ausbreiten könnte. Der Schritt sei nicht als Misstrauensvotum gegen China zu verstehen, betonte der WHO-Generaldirektor und lobte ausdrücklich die Massnahmen der Chinesen, denen zu verdanken sei, dass es bisher nur einige Dutzend Fälle im Ausland gebe.

Am 12. Februar hat die WHO nach einem Expertentreffen angekündigt, die Suche nach einem Impfstoff und wirksamen Medikamenten gegen die neue Lungenkrankheit zu beschleunigen. Darauf hätten sich die 400 Fachleute geeinigt, die seit Dienstag (11. 2.) in Genf tagten, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwochabend (12. 2.) in Genf. Laut der Chefwissenschafterin der WHO, Soumya Swaminathan, gibt es vier mögliche Kandidaten für einen Impfstoff, von denen sich hoffentlich zwei als vielversprechend herausstellen. Erste Impfstoff-Tests an Menschen könnten schon in drei bis vier Monaten beginnen. Ein zertifizierter Impfstoff für einen weitreichenden Einsatz stehe aber wahrscheinlich erst in 18 Monaten zur Verfügung. Mehrere bereits existierende Medikamente würden zur Zeit auf ihre Wirkung geprüft. Zu den drängendsten Aufgaben gehöre zudem auch die Entwicklung einfacherer Tests zum Nachweis von Infektionen.

Das neu entdeckte Virus ist ein Coronavirus und gehört damit zur selben Virusfamilie wie der Sars- und der Mers-Erreger. Zu dieser Familie gehören aber auch harmlose Schnupfenviren und Erreger, die Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Die nächsten Verwandten des neuen Erregers sind Viren, die man aus Fledermäusen isoliert hat.

Zurzeit geht man davon aus, dass das neue Virus weniger krankmachend ist als die Sars- und Mers-Viren. Bei diesen sterben knapp zehn respektive gut 34 Prozent der Erkrankten. Laut einer neuen Erhebung aus China hat das neue Virus eine Todesfallrate von 2,3 Prozent. Falls sich herausstellt, dass es sehr viele nur leicht erkrankten Personen gibt, kann diese Zahl deutlich kleiner werden.

Mit systematischen Antikörper-Tests in der Bevölkerung können Forscher untersuchen, wie viele Personen Kontakt mit dem gesuchten Erreger hatten, ohne eine Erkrankung zu entwickeln. Auch die Zahl dieser Personen ist wichtig, um die Gefährlichkeit eines Erregers richtig einzuschätzen. Diese Untersuchungen finden allerdings oft erst gegen Ende oder gar nach einer Epidemie statt, auch, weil die Entwicklung eines solchen Tests eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Laut dem Direktor des Chinese Center for Disease Control and Prevention gibt es derzeit auch keine Hinweise auf sogenannte «super spreaders» («Superverteiler»). Solche Infizierte tragen besonders stark zur Verteilung eines Virus bei. «Super spreaders» gab es zum Beispiel bei der Sars-Epidemie; auch bei HIV sind sie bekannt. Ein Erreger, der nur beschränkt von Mensch zu Mensch übertragbar ist, kann sich nicht so einfach ausbreiten wie etwa das Grippe- oder das Masernvirus.

Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop: Typisch ist die an eine Krone erinnernde Oberfläche, die dem Virus den Namen gab.

Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop: Typisch ist die an eine Krone erinnernde Oberfläche, die dem Virus den Namen gab.

PD

Die Patienten hatten laut WHO vor allem Fieber, einige klagten zudem über Husten, Halsschmerzen und Schwierigkeiten beim Atmen. Auf dem Röntgenbild zeigten sich die für eine Lungenentzündung typischen Veränderungen.

Die Altersspanne der Personen mit bestätigten Infektionen ist gross; sie reicht von kleinen Kindern bis zu betagten Personen. Die meisten Betroffenen sind laut der WHO Erwachsene. Ältere Personen mit bereits bestehenden Krankheiten scheinen besonders anfällig für schwere Verläufe der Atemwegsinfektion zu sein. So liegt die Todesfallrate laut einer neuen Erhebung bei Personen ab 80 Jahren bei 14,8 Prozent, während sie bei Personen ohne vorbestehende Krankheiten 0,9 Prozent beträgt. 

Der grösste Teil der Infizierten in China – knapp 90 Prozent – gehört zur Altersklasse der 30 bis 79-Jährigen. Es sind in China mittlerweile praktisch gleich viel Frauen wie Männer betroffen. Frühere Auswertungen deuteten darauf hin, dass die Krankheit eher Männer trifft. Allerdings sind auch nach den neueren Zahlen die Todesfallraten bei Männern mit 2,8 Prozent höher als bei Frauen (1,7 Prozent).

Als Ausgangspunkt der Infektion wird ein Fischmarkt in Wuhan vermutet, der Huanan Seafood Wholesale Market, auf dem auch lebende Wildtiere verkauft wurden. Dort wurde das Virus auf verschiedenen Oberflächen nachgewiesen, und dort soll es von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sein. Noch immer unklar ist, von welcher Tierart.

Die Infektion wurde allerdings offenbar sehr rasch über Ansteckungen von Mensch zu Mensch – vermutlich über eine Tröpfcheninfektion – weitergegeben. Bereits einige der ersten Patienten sollen keinen Kontakt mit dem Markt gehabt haben. Besonders gefährdet, sich zu infizieren, sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Personen, die in engem Kontakt mit Erkrankten stehen, etwa innerhalb der Familie oder bei der Versorgung von Patienten im Spital. Berechnungen, die auf den bisherigen Daten zur Epidemiologie beruhen, gehen davon aus, dass jeder Fall zwischen 1,4 und 5,5 weitere Personen ansteckt.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Infizierte schon ansteckend sein können, bevor sie Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Diese sogenannte Inkubationszeit dauerte nach derzeitigem Wissen bei den ersten Fällen ausserhalb Chinas im Durchschnitt knapp sechs Tage.

Neben Tröpfcheninfektionen könnte das Virus aber auch über das Verdauungssystem verbreitet werden. Chinesische Forscher haben das Virus auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen haben. 

Ebenfalls spekuliert wurde über eine Ansteckung durch frei in der Luft schwebende Viren. Gegen Letzteres spreche aber die Epidemiologie der Erkrankung, sagt Andreas Widmer vom Universitätsspital Basel. Würde sich das Virus über die Luft ausbreiten, müsse man etwa auf dem betroffenen Kreuzfahrtschiff vor Japan deutlich mehr Infektionen sehen.

Derselbe Fall spreche allerdings auch dagegen, dass sich das Virus ausschliesslich über Tröpfchen weiterverbreite, erklärt der Infektiologe. Dazu seien die Betroffenen zu zufällig auf das Schiff verteilt und bereits zu lange in Quarantäne. Er hält es daher für wahrscheinlich, dass ein kleinerer Teil der Ansteckungen an 2019-nCoV über sogenannte Schmierinfektionenerfolgt, also durch den Kontakt mit kontaminierten Oberflächen. Man kenne dies auch von anderen Erkrankungen der Atemwege, die durch Viren verursacht würden.

Eine Ansteckung beispielsweise über Pakete aus China ist laut der WHO nicht möglich.

In leichten Fällen kann sich die Atemwegserkrankung, die durch eine Infektion mit dem neuen Virus verursacht wird, laut der WHO in Form einer laufenden Nase und eines leichten Hustens zeigen. Zu den schwereren Symptomen zählen Fieber, Husten und Schwierigkeiten beim Atmen bis hin zu einer Lungenentzündung.

Den Arzt aufsuchen sollte man laut der Organisation bei Fieber oder Atemproblemen. Wichtig sei dann, eine allfällige Reise in betroffene Gebiete oder einen Kontakt mit Erkrankten zu erwähnen. Bei leichtem Unwohlsein reiche es, zu Hause zu bleiben.

Wie gegen viele Viruserkrankungen, gegen die es kein ursächlich wirksames Heilmittel gibt, setzen Mediziner auch bei Covid-19 unterstützende Therapien ein, welche die Genesung des Patienten erleichtern.

Die chinesische Arzneimittelbehörde hat zudem Mitte Februar ein erstes antivirales Medikament gegen das neuartige Coronavirus zugelassen. Favilavir (Favipiravir) wirkt gegen verschiedene RNA-Viren, zu denen auch die Coronaviren gehören. Das Mittel wird laut den chinesischen Behörden zurzeit an 70 Patienten getestet. Es sei wirksam gegen das Virus, habe aber leichte Nebenwirkungen. Die Produktion des Medikaments in China hat bereits begonnen.

Ebenfalls an Patienten untersucht werden in China zurzeit Chloroqin, ein bekanntes Malariamittel, und das amerikanische Anti-Virus-Medikament Remdesivir. Letzteres wirkt gegen Mers-Viren und wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Ebola entwickelt. Beide Mittel haben sich in Zellkulturen als wirksam gegen das neuartige Coronavirus erwiesen. Laut ersten Resultaten soll Chloroquin auch bei den Patienten gewisse therapeutische Effekte gegen das neue Virus zeigen. Ergebnisse zu Remdesivir wurden noch nicht berichtet.

Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit von dem neuen Coronavirus und dem Sars-Virus – beide könnten laut chinesischen Forschern an den gleichen Rezeptor in der menschlichen Lunge andocken –, untersuchten Wissenschafter auch eine Reihe bekannter Antikörper, die gegen den Sars-Erreger wirken. Tatsächlich fanden sie, dass einer davon auch das neue Coronavirus band. Seine Bindungsstelle könnte, so schliessen sie, ein mögliches Ziel für Wirkstoffe gegen das Virus sein.

In Südkorea werden Flugzeugpassagiere aus China mithilfe einer Wärmebildkamera auf Fieber untersucht.

In Südkorea werden Flugzeugpassagiere aus China mithilfe einer Wärmebildkamera auf Fieber untersucht.

Yonhap / EPA

Nein, es gibt noch keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus. Frühstens in einem Jahr könnte ein Impfstoff vorliegen, da allein bis zur Testreife eines Impfstoffs mindestens einige Monate vergehen dürften. Da das Virus aus derselben Virusfamilie wie der Sars- und Mers-Erreger stammt, können die Wissenschafter allerdings Lehren aus der Impfstoff-Forschung an Sars und Mers ziehen. Denn die nahe Verwandtschaft der Viren ermöglicht es mindestens teilweise, bei der Entwicklung einer Impfung gegen das neue Virus auf bereits vorhandene oder gar schon standardisierte Verfahren oder Impfstoff-Bauteile beispielsweise experimenteller Mers-Impfungen zurückzugreifen. 

In Arbeit sind verschiedene Varianten von Impfstoffen. Am schnellsten die Arbeit aufnehmen konnten jene Teams, die für ihre Methode nicht das komplette Virus, sondern nur dessen genetische Sequenz brauchen, die chinesische Wissenschafter schon früh zur Verfügung gestellt hatten. Gewöhnlich basieren Impfstoffe darauf, dem Immunsystem den ganzen Erreger – abgeschwächt oder abgetötet – oder Teile des Erregers zu präsentieren, gegen den oder die es Antikörper herstellen soll. Für die Entwicklung solcher Impfstoffe ist das Virus selbst nötig, oder es müssen Bestandteile von ihm hergestellt werden. Die genetischen Verfahren dagegen benötigen nur genetische Sequenzen, die dann entweder in Form von DNA oder als sogenannte mRNA injiziert werden.

Mittlerweile ist es auch Labors ausserhalb Chinas gelungen, das neue Coronavirus zu züchten. Das dürfte dessen Erforschung weiter beschleunigen. Unter anderem hoffen die Forscher, nun einen Antikörper-Test entwickeln zu können. Dieser ist unter anderem für die Validierung von Impfungen wichtig, da er die Überprüfung der Impfreaktion ermöglicht.

Um sich selbst und andere zu schützen, empfiehlt die WHO, eine Reihe grundlegender Hygienemassnahmen einzuhalten. So sollte man unter anderem regelmässig die Hände mit Wasser und Seife oder einer alkoholbasierten Lösung reinigen. Muss man husten oder niesen, sollte man Mund und Nase mit einem Taschentuch oder dem Ellbogen bedecken. Das Taschentuch hinterher in einem geschlossenen Behälter entsorgen und Hände waschen.

In Risikogebieten rät die WHO zudem, nahe Kontakte mit Personen zu meiden, die Erkältungs- oder Grippesymptome zeigen, sowie Fleisch und Eier gründlich zu kochen. Besucht man in solchen Gebieten Märkte, sollte man den direkten, ungeschützten Kontakt sowohl zu Tieren als auch mit solchen Oberflächen vermeiden, die mit Tieren in Berührung gekommen sind.

Während chinesische Experten aus Hongkong dafür plädierten, unbedingt eine Schutzmaske zu tragen, relativierten britische Ärzte auf Anfrage der BBC deren Wirksamkeit. Reguläre Chirurgenmasken böten keinen wirklich effektiven Schutz gegen in der Luft herumschwirrende Viren oder Bakterien, da sie zu durchlässig seien und die Augen frei liessen. Korrekt getragen und regelmässig ausgewechselt, reduzierten sie allerdings das Risiko einer Ansteckung beispielsweise beim Husten oder Niesen.

Mit dem neuen Virus verwandte Viren hat man in Fledermäusen gefunden. Die Epidemie soll ihren Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan haben. Das Überspringen eines tierischen Virus auf den Menschen ist ein Vorgang, der immer wieder passiert und nicht per se dramatisch ist. Auf diese Weise entstehen ständig neue humanpathogene Erreger und damit auch neue Krankheiten. Wie gefährlich eine neu aufgetretene Krankheit («emerging disease», «emerging virus») ist, muss im Einzelfall anhand seiner Virulenz und Übertragbarkeit abgeklärt werden. Dies passiert beim neuen Coronavirus gerade. Aber es ist klar: Auf diese Weise können auch immer wieder gefährliche Krankheitserreger entstehen und solche, die eine weltumspannende Epidemie auslösen.

Eine solche Pandemie hat die Welt beispielsweise 2009/10 mit dem sogenannten Schweinegrippevirus erlebt (auch Influenzavirus H1N1 genannt). Dieser Virus war mit einer Todesfallrate von nur 0,02 bis 0,4 Prozent sehr mild. Allerdings war er leicht von Mensch zu Mensch übertragbar, und seine Ausbreitung liess sich nicht verhindern: Bereits zwei Monate, nachdem die erste Häufung von Fällen gemeldet wurde, gab es insgesamt 30 000 bestätigte Fälle in 74 Ländern. Zehn Monate später war die pandemische Grippe in 212 Ländern bestätigt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass viele neue Erreger im asiatischen Raum entstehen. Das hat mit den oft prekären Verhältnissen zu tun, wie verschiedene Tierarten und der Mensch auf engstem Raum zusammenleben. Dadurch können Viren leicht zwischen den Tierarten zirkulieren und sich genetisch so weit verändern, dass sie schliesslich auch den Menschen infizieren können. Gelingt das einem besonders aggressiven Erreger, der zudem die biologische Fähigkeit zur Mensch-zu Mensch-Übertragung besitzt, kann es sehr gefährlich werden.

Mitarbeit: raslz., koe., bso., esb., kkl., nbe., tsm., amü., lat., ela. mit Agenturmaterial