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Paraguays Guerilla nimmt eine prominente Geisel

Der Konflikt zwischen dem paraguayischen Staat und einer linken Guerillagruppe spitzt sich zu. Seit über einer Woche befindet sich ein ehemaliger Vizepräsident von Paraguay in der Gefangenschaft von Rebellen. Es handelt sich offenbar um einen Racheakt.

Demonstranten in Asunción verlangen, dass der EPP-Guerilla nichts für die Freilassung der Geiseln bezahlt wird.

Demonstranten in Asunción verlangen, dass der EPP-Guerilla nichts für die Freilassung der Geiseln bezahlt wird.

Jorge Saenz / AP

Die Entführung eines ehemaligen Vizepräsidenten und die Erschiessung zweier elfjähriger Mädchen haben in Paraguay zur Zuspitzung des Konflikts zwischen den Sicherheitskräften und einer linken Rebellengruppe geführt. Vor gut einer Woche hat der Ejército del Pueblo Paraguayo (EPP) Óscar Denis, Vizepräsident von 2012 bis 2013, gemeinsam mit einem seiner Arbeiter von seinem Landgut im Nordosten Paraguays verschleppt. Im Austausch gegen die beiden Geiseln verlangte die Guerilla Lebensmittelhilfen in der Höhe von zwei Millionen Dollar für indigene Gemeinden und die Befreiung zweier inhaftierter Anführer. Sie drohte die Entführten umzubringen, sollte die Regierung nicht auf ihre Forderungen eingehen. Paraguays Innenminister wollte nichts davon wissen. «Es ist ein Krieg, kein Sportturnier», erklärte er in einer Pressekonferenz.

Kopfgeld ausgesetzt

Die von den Rebellen gesetzte Frist zur Erfüllung der Bedingungen war am Sonntagabend folgenlos verstrichen. Einen Tag später kam der Angestellte von Denis auf freien Fuss, vom Politiker selber fehlt jedoch weiterhin jede Spur. Über die genauen Hintergründe ist wenig klar. Aus Militärkreisen hiess es, der EPP habe den Angestellten auf Druck der Regierung freigelassen. Hinzu kam, dass die Koordinierungsstelle der indigenen Anführer des Bajo Chaco am Sonntag erklärt hatte, dass sie auf die von der Guerilla geforderten Lebensmittelshilfen verzichten werde. Sie wollten sich nicht zu Sympathisanten von Kriminellen machen, meinte einer von ihnen gegenüber einer Lokalzeitung. Die Regierung fahndet derweil nach zwei Mitgliedern des EPP und hat ein Kopfgeld von rund 130 000 Dollar ausgesetzt.

Die Regierung geht davon aus, dass die Entführung von Denis ein Vergeltungsschlag für einen umstrittenen Militäreinsatz von Anfang September ist. Damals hoben Spezialkräfte nahe der Ortschaft Yby Yaú im Nordosten des Landes das Hauptlager der Guerilla aus. Dabei kam es zu Gefechten. Der Präsident feierte den Einsatz als Erfolg. Er informierte darüber, dass auch einige Mitglieder des EPP dabei getötet worden seien. Wie sich jedoch Tage später herausstellte, handelte es sich bei den Opfern nicht um Kämpfer, sondern um zwei elfjährige Mädchen argentinischer Staatsbürgerschaft. Sie waren Verwandte eines Rebellenführers.

Keine Unbekannte

Die Behörden in Asunción behaupteten jedoch, dass es sich um Paraguayerinnen gehandelt habe, die später nach Argentinien gebracht worden seien. Sie beschuldigten die Rebellen, die Mädchen als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben. Die argentinische Regierung forderte eine Aufklärung der Umstände. Ihr schlossen sich die Vereinten Nationen und die paraguayische Opposition an, welche eine rasche und unabhängige Untersuchung verlangten. Das Uno-Büro in Paraguay verlangte am Dienstag zudem per Pressemitteilung die Freilassung von Óscar Denis. Dessen Töchter fordern von den Rebellen, das Leben ihres Vater zu schonen, und verlangten von den Sicherheitskräften, eine von ihnen kontrollierte Zone freizugeben, um den Kämpfern Medikamente bereitstellen zu können.

Der EPP ist keine Unbekannte. Die vom Marxismus inspirierte Rebellengruppe wurde im Jahr 2008 gegründet und verfügte über Verbindungen zur kolumbianischen Farc-Guerilla, von der sie auch ausgebildet worden sein soll. Eines ihrer ursprünglichen Hauptziele war die gerechte Verteilung von Land in Paraguay. Über die Grösse der Gruppe wird spekuliert. Laut Schätzungen zählt sie zwischen 50 und 80 Mitglieder und finanziert sich hauptsächlich über Erpressungen und Entführungen. Der paraguayische Staat führt seit Jahren einen Kampf gegen den EPP. Laut offiziellen Angaben gehen 66 Morde an Zivilisten und Sicherheitskräften auf dessen Konto.

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