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Pape Diouf war ein Fussballfunktionär mit einer aussergewöhnlichen Biografie – nun starb er am Coronavirus

1960 war Pape Diouf aus Senegal nach Marseille gekommen, wo er Jahrzehnte später Präsident des skandalumwitterten Fussballklubs wurde. Zuvor war er Student, Postmitarbeiter, Sportjournalist und Spielerberater gewesen. Ein Nachruf.

Er war eine emblematische Figur des Fussballgeschäfts: Pape Diouf, der frühere Präsident von Olympique Marseille.

Er war eine emblematische Figur des Fussballgeschäfts: Pape Diouf, der frühere Präsident von Olympique Marseille.

Jean-Paul Pelissier / Reuters

In der Regel gehören Präsidenten von Fussball-Spitzenklubs, so sie nicht bloss als Marionetten finanzstarker Hintermänner amtieren, zur Gattung der Haudegen, der Parvenus, der quicken Macher ohne Skrupel. Doch jede Regel hat ihre Ausnahme. In Frankreich war es der aus Senegal eingewanderte Pape Diouf, von 2006 bis 2009 als Präsident von Olympique Marseille Europas einziger Top-Funktionär dunkler Hautfarbe.

Dem grossgewachsenen, kräftigen Achtzehnjährigen, der 1960 in Marseille ankam, wo er dem väterlichen Wunsch entsprechend eine militärische Laufbahn einschlagen sollte, hätte kein Mensch vorausgesagt, dass er dereinst eine emblematische Figur des Fussballgeschäfts sein würde. Der Weg dahin war denn auch alles andere als geradlinig. Mababa (so sein richtiger Vorname) studierte politische Wissenschaften, arbeitete nebenbei auf der Post sowie als Sportreporter der kommunistischen Tageszeitung «La Marseillaise».

Dabei kam er mit dem Fussball-Stadtklub und dessen nicht immer astreinem Umfeld in Berührung. Anfang der neunziger Jahre wagte Diouf den Frontwechsel und begann, sich als Spielerberater zu betätigen. Die Nähe zu afrikanischen Talenten, die in zunehmender Zahl ihr Glück in Frankreich versuchten, kam ihm zustatten. Zu seinen Klienten gehörten neben anderen Basile Boli, der Schütze des OM-Siegtors im Champions-League-Final 1993, Didier Drogba und Samir Nasri.

2004 wurde der blitzgescheite und redegewandte Diouf ins Direktorium von OM berufen und im Jahr danach als Präsident eingesetzt. Er verschwendete keine Zeit, um sich als Ausnahmeerscheinung zu profilieren. Amtskollegen wie etwa Jean-Michel Aulas, der Präsident von Olympique Lyon, erfuhren ohne Verzug, dass sie es mit einem brillanten Konkurrenten zu tun bekommen hatten.

Einem, der es verstand, zwischen dem Milieu des Fussballs und sportfernen Kreisen Brücken zu schlagen. Einem, der es verstand, die unbeständigen Fangruppen der fussballverrückten Hafenstadt am Mittelmeer allemal hinter sich zu scharen. Einem, der die Sprache Molières derart meisterlich beherrschte, dass er im Gespräch den Subjonctif der Vergangenheitsform elegant anzuwenden wusste.

Kritiker, von denen auch Pape Diouf zeitlebens nicht wenige hatte, werfen ihm noch heute vor, dass er als Präsident mit seinem Klub keinen einzigen Titel gewonnen hat. Dass er, nicht anders als manch andere Spielerberater, Klubbosse und graue Eminenzen des Fussballs, seine Hände gelegentlich schmutzig gemacht hat. So wurde er 2014 im Zusammenhang mit dubiosen Transfers von Spielern und Geldsummen verhaftet, wie andere OM-Präsidenten jedoch mangels Beweisen wieder freigelassen – in Marseille, wo Stadtklub und Zwielichtiges seit je zusammengehören, nichts mehr als eine Bagatelle.

Sie reichte allerdings aus, um Pape Diouf, 2012 als Ritter der Ehrenlegion dekoriert und 2014 nach erfolglosem Versuch in der Lokalpolitik enttäuscht, zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Lockrufen seines alten Klubs widerstand der frühere Präsident. Bei den gelegentlichen Besuchen in Marseille wurde Diouf indes von Bewunderern umschwärmt wie ein Rockstar. Seinem festen Wohnsitz in Dakar treu geblieben, infizierte sich Diouf, 68-jährig, vor einigen Wochen mit dem Coronavirus. Er verstarb innert kurzer Zeit.

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