Switzerland

Palantir - Umstrittene Datenfirma mit Verbindung zu Geheimdiensten wird an der Börse mit 18 Milliarden bewertet

Die Firma ist von libertären Patrioten wie Peter Thiel und Alex Karp gegründet worden, weil die Geheimdienste vor den Anschlägen in New York versagt hatten. Ihre Software entdeckt verdächtige Datenmuster, ist aber bei Bürgerrechtlern sehr umstritten.

Aktivisten wollen nicht, dass der amerikanische Grenzschutz die Software von Palantir einsetzt.

Aktivisten wollen nicht, dass der amerikanische Grenzschutz die Software von Palantir einsetzt.

Shannon Stapleton / Reuters

CIA, NSA, FBI oder Europol – die Kundenliste von Palantir scheint aus einem Thriller zu stammen. Und genau so liest sich auch die Gründungsgeschichte. Tatsächlich ist das amerikanische Unternehmen, das gerade an die New York Stock Exchange (NYSE) gegangen ist, schon im Jahr 2003 aus der Taufe gehoben worden, um solchen Institutionen informationstechnisch auf die Sprünge zu helfen, nachdem diese im Vorfeld der Anschläge auf das New Yorker World Trade Center jämmerlich versagt hatten.

Der Auslandsgeheimdienst schiesst das erste Geld ein

Zu den Gründern zählen der libertäre, deutschstämmige Donald-Trump-Anhänger Peter Thiel, der mit Paypal und Facebook ein Vermögen gemacht hat, sowie sein Kompagnon Alex Karp, der Chef des Unternehmens. Die erste grosse Investition kam von der Central Intelligence Agency, also vom amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA.

Das Wachstum ist da

Umsatz von Palantir, in Millionen Dollar*

2008200920102011201220132014201520162017201820192020020040060080010001200

Das Ziel lautet ganz unbescheiden: «Wir wollen die westlichen Staaten, vor allem die USA, zu den stärksten der Welt machen, um des globalen Friedens und Wohlstands willen.» Im Grunde genommen entwickelt Palantir verschiedene Softwarepakete, mit denen seine Kunden riesige Mengen an Daten – von Bildern von Überwachungskameras bis hin zu Excel-Spread-Sheets – aus verschiedenen Archiven auf einer zentralen Plattform auf sichere, zügige, intelligente Weise analysieren und logische Zusammenhänge aus den Erkenntnissen ableiten können. Es geht in erster Linie darum, im «Daten-Heuhaufen» zeitnah ungewöhnliche oder gar verdächtige Muster zu erkennen. Dabei setzt das Unternehmen auf das Know-how, das die Gründer unter anderem bei der Entwicklung des bekannten Zahlungsdienstleisters Paypal gewonnen haben.

Der CIA war einer der ersten Investoren und lange Zeit sogar der einzige Kunde. Später kamen andere Geheimdienste wie die NSA, die Army und schliesslich auch der FBI dazu. Sie nutzen Palantirs kundenspezifisch eingerichtete Analysetechnologie, um Terroristen, Aufrührer und Drogenschmuggler zu identifizieren. Mit ihrer Hilfe soll es Soldaten in Regionen wie etwa im Irak und in Afghanistan unter gefährlichen Umständen leichterfallen, gegnerische Netzwerke auszumachen. Angeblich haben die Tools sogar dazu beigetragen, Usama bin Ladin ausfindig zu machen und zu töten. Selbst Bernie Madoffs Ponzi-System und eine chinesische Spionage-Software auf Dalai Lamas Computer sollen so aufgedeckt worden sein.

Zurückhaltende Informationspolitik führt zum Mythos

Tatsächlich sind solche Berichte zwar nie bestätigt, aber auch nicht dementiert worden. Auf diese Weise verdichtete sich in den vergangenen Jahren der geheimnisvolle Mythos, der von der äusserst zurückhaltenden Informationspolitik sowie von der Namensgebung ausging. Das Wort Palantir stammt ursprünglich aus dem Roman «Herr der Ringe», wo die «sieben sehenden Steine» dazu dienen, Geschehnisse in den verschiedenen Teilen von Mittelerde zu beobachten und miteinander zu kommunizieren. Die seltsame Melange ersetzte lange Zeit das Marketing, da Gerüchte und Vermutungen den Verkauf oft besser fördern als teure, gekünstelte Werbekampagnen.

Tatsächlich ist Palantir in den 17 Jahren seit seiner Gründung stetig gewachsen. «Wir arbeiten Hand in Hand mit ‹speziellen Anwendern› in der westlichen Welt und mit Geheimdiensten in mehr als vierzig Staaten», erklärt Alex Karp. Allerdings zählen auch immer mehr Unternehmen mit kommerziellen Interessen zu den Kunden. Eines der ersten war JP Morgan Chase; die Bank setzte die Software von Palantir ab dem Jahr 2009 ein, um Angestellte zu überwachen, die «aus dem Ruder laufen» könnten. Allerdings endete die Zusammenarbeit in einem Skandal, nachdem die Software von der internen Revision dazu genutzt worden war, das Topmanagement auszuspionieren. Fiat-Chrysler dagegen nutzt sie, um Fehler in zugelieferten Teilen auszumachen, und Airbus, um schneller auf Produktionsprobleme reagieren zu können. Der Erdöl- und -gaskonzern BP soll sie einsetzen, um die bei Bohrungen erhobenen Daten zu analysieren. Auf diese Weise soll es bei der Förderung in der Nordsee zu einer Produktionssteigerung um 10% gekommen sein. Kommerzielle Kunden machen inzwischen fast 50% des Umsatzes aus.

«Imposante» Margen

Palantir schreibt bis jetzt nur rote Zahlen (%)

Operative MargeNettomarge–100–80–60–40–200

Nach 17-jähriger Entwicklungsarbeit geht die Firma nun direkt an die Börse. Fachleute rechneten ursprünglich mit einem Marktwert von 22 Mrd. $, allerdings hat die Nyse den Referenzpreis bei $ 7.25 angesetzt. Damit läge der Wert nur bei knapp 16 Mrd. $. Tatsächlich lag die Marktkapitalisierung im frühen Handel am Mittwoch dann bei 18 Mrd. $. Selbst das ist beachtlich, denn Palantir hat bisher keine Gewinne erzielt und wird in diesem Jahr gemäss eigenen Schätzungen gerade einmal etwa eine Milliarde Dollar umsetzen. Das wäre zwar gut 40% mehr als im vergangenen Jahr, allerdings zeigt die Erfahrung, dass Unternehmen ihre operativen Zahlen im Rahmen des Börsengangs oft optisch besonders gut aussehen lassen. Tatsächlich hat Palantir im vergangenen Jahr im Gegensatz zu früher rund 60% der Erlöse für Verkaufs- und Marketingzwecke ausgegeben. So stellt sich letztlich die Frage, ob das Geschäftsmodell wirklich wachstumsträchtig ist und ob es schliesslich auch immer mehr Gewinne abwirft.

Virales Wachstum ist nicht zu erwarten

An der Börse wird entscheidend sein, ob die Palantir-Aktie als Wachstumswert gilt oder eher als das Papier eines Beratungsunternehmens. Faktisch wendet sich das Unternehmen an staatliche und an Firmenkunden und nicht an die Konsumenten. Skeptiker fürchten, aus diesem Grund sei nicht mit exponentiellem Wachstum aufgrund von Netzwerkeffekten zu rechnen, wie das etwa bei werbegetriebenen Internetplattformen der Fall sei. In der Vergangenheit hat Palantir massiv in «Anpassungsdienstleistungen» für staatliche Behörden und die grossen Firmenkunden investiert. Das ist kostspielig, und schöne Zuwächse sind nach Einschätzung von Fachleuten eigentlich nur denkbar, wenn es möglich ist, die internen Prozesse zu automatisieren, den Verkaufsprozess effizient zu gestalten und den Bestandskunden immer mehr zu verkaufen. Immerhin bietet der Markt noch beachtliches Wachstumspotenzial, da der theoretisch denkbare Umsatz in dieser Nische auf 120 Mrd. $ geschätzt wird.

Allerdings gibt es nicht nur Ausführungsrisiken, sondern auch sozialpolitische Bedenken. In liberalen Kreisen im amerikanischen Sinne sind die libertären Ideen und Grundsätze der Palantir-Gründer nicht gerade gerne gesehen. Tatsächlich ist es im vergangenen Jahr zu monatelangen Protesten vor dem Haus des Chefs und vor den Bürogebäuden des Unternehmens gegen die Verwendung der Software bei der Überwachung des Grenzverkehrs und der Immigration gekommen, und firmenintern haben verschiedene kritische Geister gekündigt. Sie wollten offensichtlich nicht mehr länger für die «patriotische» Firma arbeiten, obwohl sich diese als «politisch agnostisch» bezeichnet.

Rückzug ins konservative Colorado

«Einige wenige Manager aus dem Silicon Valley würden gerne entscheiden, was und wie du isst, und sie monetarisieren dabei alle persönlichen Daten. Sie sollten nicht auch noch bestimmen, wer in deinem Land unter welchen Umständen lebt. Es gibt Wahlen, und es gibt Regeln, die auch durchgesetzt werden sollten», argumentieren die Palantir-Gründer Thiel, Karp und Joe Lonsdale. Diese moralische Diskrepanz scheint neben finanziellen Motiven ein Grund dafür gewesen zu sein, dass das Unternehmen jüngst seinen Hauptsitz von Kalifornien nach Denver im eher ländlichen und politisch konservativeren Gliedstaat Colorado verlegt hat.

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