logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo
star Bookmark: Tag Tag Tag Tag Tag
Switzerland

Pädophiler für zwei weitere Jahre verwahrt – das Urteil ist ein Kompromiss

Oberhalb der Tischplatte wirkt an Reto (Name geändert) alles ganz normal, blauer Pulli, blaue Strickjacke, kurze blonde Haare, ein gutmütiges Gesicht. Ein Blick unter die Tischplatte zeigt, dass etwas nicht stimmt. Retos Füsse sind aneinander gekettet, Reto wurde aus der Justizvollzugsanstalt St. Johannsen ans Bezirksgericht Lenzburg gefahren.

Dort sitzt, lebt und arbeitet Reto, weil er 2014 vom Bezirksgericht Lenzburg verurteilt wurde. Reto, heute 46 Jahre alt, hat in Chats mit Buben Kontakt aufgenommen und sich mit ihnen verabredet. An den Treffen ist es zu sexuellen Handlungen gekommen. 2014 verurteilte das Bezirksgericht Lenzburg Reto zu einer Haftstrafe von 3 Jahren und 8 Monaten sowie zu einer stationären therapeutischen Massnahme. In seinem Besitz habe sich auch «Unmengen von illegaler Pornografie» befunden, wie aus den Dokumenten der damaligen Verhandlung herausgeht. Bei der jetzigen Verhandlung geht es um die Verlängerung der stationären Massnahme, die Staatsanwaltschaft beantragt weitere fünf Jahre; das Maximum.

Test nicht bestanden: Im Wohnexternat gescheitert

Zwischen den beiden Verhandlungen ist einiges geschehen. Reto wollte raus aus der Enge der Vollzugsanstalt, bemühte sich um eine Lockerung, welche ihm schliesslich im Sommer 2018 gewährt wurde. Er durfte in ein Wohnexternat ziehen, lebte einige Zeit mit zwei Frauen in einer WG. Das lief nicht gut. Nach nur zwei Monaten hatte Reto zwei Regeln gebrochen: Er hat ein paar Bier getrunken und sich ohne die Bewilligung abzuwarten einen Laptop angeschafft. «Ich war zu euphorisch», sagt er. «Ist Ihnen bewusst, dass dies ein Test war?», fragt Gerichtspräsidentin Eva Lüscher. «Das ganze Leben ist ein Test», antwortet Reto und für einmal macht seine Aussage absolut Sinn. Er spricht ausschweifend von Regeln, die es einzuhalten gibt, von seiner Linie, die er klar verfolgen muss, von einem sauberen Abschluss.

«Die Staatsanwaltschaft weiss alles besser»

Nach den Regelbrüchen im Wohnexternat hat er acht Monate im Zentralgefängnis Lenzburg verbracht. «Von einen Tag auf den anderen musste er in den Sicherheitstrakt», sagt Retos Verteidiger vor Gericht. Damit seien – trotz Therapie in Lenzburg – dreiviertel Jahre verloren gegangen. Auch Reto ist überzeugt, dass eine Therapie weiterhin nützt, er sei auf jeden Fall bereit, weiterzumachen. «Ich will einen sauberen Abschluss», sagt er immer wieder. Die Staatsanwaltschaft gehe stets vom Schlimmsten au und auch der Verteidiger befürchtete, dass das Gericht es nicht wagen würde, die beantragte Verlängerung von fünf Jahren zu reduzieren, weil es eigene Argumente entwickeln müsse.

Vielleicht traf er beim anwesenden Gesamtgericht einen Nerv, als er sagte, dass die Gerichte obsolet werden, wenn die Staatsanwaltschaft sowieso alles besser wisse. Er beantragt sechs Monate für Retos Abschluss. Gern wäre man bei dieser Urteilsbesprechung dabei gewesen. Das Urteil ist ein Kompromiss: Das Gericht verlängert die stationäre therapeutische Massnahme um zwei Jahre.

Themes
ICO