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Olympia in den USA: Vaterland vor Gesundheit

Olympia in den USAVaterland vor Gesundheit

Sie hatte ihre Teilnahme an Olympia-Wettkämpfen abgesagt und wurde für ihren Mut gefeiert. Jetzt wird sie in den USA aber auch Zielscheibe von Kritikern aus dem rechtspatriotischen Lager: US-Kunstturnerin Simone Biles (Mitte).

Sind Amber English, Will Shaner und Vincent Hancock, Olympiasieger im Schiessen, wahre Patrioten?

Und die erstaunlichste Frage, weil man sich normalerweise aufs gemeinsame Anfeuern der Landsleute ganz gut einigen kann: Sollte man Niederlagen der Fussballfrauen bejubeln, weil die Mehrzahl der Spielerinnen beim Abspielen der Nationalhymne kniet?

«Wokeism macht dich zum Verlierer», sagt Donald Trump

Hillsdale College liegt auf halber Strecke zwischen den Elite-Unis Notre Dame und University of Michigan, und es hat mit diesen beiden Instituten in etwa so viel gemein wie Kirk mit Biles. Es ist eine erzkonservative Universität, die ganz bewusst auf staatliche Fördermittel verzichtet, weil die den Lehrplan beeinflussen würden – das Budget von mehr als 550 Millionen Dollar pro Jahr wird komplett privat finanziert. Ohne Richtlinien beim Lehrplan gibt es zum Beispiel eine Vorlesung über die US-Verfassung, Untertitel: «Ablehnen der Grundwerte durch Progressive und Aufstieg des bürokratischen Despotismus.» Oder eine in Geschichte: «World War II, der grossartigste bewaffnete Konflikt in der Geschichte der Menschheit.»

Und: Hillsdale College ist Stützpunt der amerikanischen Sportschützen. Die Uni arbeitet seit 2019 mit dem US-Verband zusammen und will 15 Millionen Dollar in die Erneuerung der Anlagen investieren; das ist sehr viel Geld, wenn man bedenkt, dass das Budget des US-Schützenverbandes bei 6,5 Millionen Dollar pro Jahr liegt. Das gemeinsame Ziel formuliert Verbandschef Matt Suggs so: «Wir wollen nicht nur Weltklasse-Athleten ausbilden, sondern auch Weltklasse-Bürger, die in Zukunft den Schiesssport, aber auch den zweiten Zusatzartikel der Verfassung unterstützen werden», das Recht auf Waffenbesitz.

Den Konservativen gilt jemand wie Simone Biles als Symbol der Verweichlichung der Gesellschaft

Das Niederknien vor dem Spielstart als Zeichen der Solidarität wird an den Olympischen Spielen in Tokio von mehreren Teams praktiziert.

Genau darum geht es letztlich auch bei der aktuellen Debatte: Jemand wie Simone Biles, die ihre Gesundheit über den Gewinn der Goldmedaille stellt, gilt Konservativen als Symbol einer Gesellschaft, der ihre persönlichen Ziele wichtiger sind als ihr Land. Der rechtskonservative Kommentator Kirk sagt: «Wisst ihr, wer jetzt Gold hat? Russland. Russland! Ich muss also diese 1,50 Meter grossen Russinnen ansehen, wie sie in ihre Medaillen beissen und die Amerikaner angrinsen. Das finde ich nicht okay, aber dahin bewegen wir uns: Wir erschaffen eine Generation, die so verweichlicht ist wie Simone Biles.»

Ja, er hat das wirklich so gesagt. Laut einer aktuellen Umfrage der George Washington University glauben 55 Prozent der Konservativen, dass der «American Way of Life» womöglich mit Gewalt verteidigt werden müsse.

Das führt zurück zu Olympia, dem Hillsdale College und der Trennung von Sport und Politik. «Wir schreiben keinem unserer Athleten vor, was sie sagen oder woran sie glauben sollen», sagte Verbandschef Suggs in Tokio: «Wenn es aber zum Waffenbesitz kommt, sind wir alle in Übereinstimmung mit dem zweiten Zusatzartikel der Verfassung, der jedem Bürger das Recht sichert, eine Waffe zu besitzen.»

Hillsdale College finanziert sich über grosszügige Geldgeber, die Liste liest sich nicht zufällig wie die Liste der Unterstützer der Waffenlobby NRA. Künftig wollen sie auch Einnahmen über den Verkauf von Munition an Leute erzielen, die ganz bewusst nach Hillsdale kommen, um zu trainieren – und vielleicht an einer anderen Vorlesung zur Verfassung teilnehmen. Die Beschreibung lautet: «Um ein tieferes Verständnis zu bekommen, gibt es eine ausgewogene Mischung im Klassenzimmer mit Fokus auf den zweiten Zusatzartikel und Veranstaltungen auf der Schiessanlage.»

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