Switzerland

Old Banking contra New Banking: Der Showdown naht

Die Idee des Banking braucht eine Generalüberholung. Das Vertrauen sortiert sich gerade neu, ebenso die Konkurrenz.

Milosz Matuschek ist stellvertretender Chefredaktor des «Schweizer Monats».

Milosz Matuschek ist stellvertretender Chefredaktor des «Schweizer Monats».

Banken stehen gerade unter Druck. Das klassische Geschäftsmodell bricht durch Negativzinsen zunehmend weg, Banken verdienen immer weniger mit Einlagen oder Kreditgeschäften. Und agile Fintechs ohne grossen Apparat machen den Big Playern Konkurrenz. Den Banken droht es so zu gehen wie einst Kodak: Der einstige Fotopionier hielt zu lange an der analogen Fotografie fest und ignorierte die digitale. Als dann auch noch Hochleistungskameras in Smartphones und damit in jede Tasche wanderten, war es endgültig vorbei. Kodak ging 2012 pleite und gilt seitdem als Musterbeispiel für verschlafene Innovation.

Der grösste Angriff auf Banken und Zentralbanken droht aber durch die Blockchain-Technologie. Wer internationale Überweisungen mittels Kryptowährungen vornimmt, zahlt einen Bruchteil der bei Banken oder Dienstleistern wie Western Union anfallenden Kosten und weiss zudem, dass die Technologie agnostisch ist, also alle Nutzer gleich behandelt. Statt ein Konto hat man ein Wallet mit vollständigem Zugriff auf das Vermögen, wie ein geheimes Schliessfach; Zahlungen über das Bitcoin-Netzwerk kann kein einzelner Akteur vereiteln. Kredite gibt es «peer to peer», also von Nutzer zu Nutzer, Zinsen lassen sich mit nur ein paar Mausklicks verdienen.

Das New Banking ist eine Fork des Old Banking, die Aufspaltung eines Monopols – hier das des Handels mit Geld. Aus liberaler Sicht sind Monopole schädlich. Sie töten Innovation und zentrieren Macht, die dann zu Machtmissbrauch einlädt. Wenn die Hamburger Warburg-Bank der Cum-Ex-Geschäfte überführt wird, aber die Behörden es verpassen, 47 Millionen Euro zurückzuverlangen, braucht es neben dem überfälligen Rücktritt des heutigen Finanzministers Olaf Scholz auch eine Neukalibrierung der Verbindung von Staat und Bankensektor.

Der grösste Angriff auf Banken und Zentralbanken droht durch die Blockchain-Technologie.

Der grösste Angriff auf Banken und Zentralbanken droht durch die Blockchain-Technologie.

Dado Ruvic / Reuters

Hinzu kommt für die Banken der Wettbewerb im Bereich der Zahlungsmittel. Staatliches Geld steht privat geschöpften Kryptowährungen gegenüber. Auch wenn der Sektor noch verhältnismässig klein ist, macht er sich in den Bilanzen bemerkbar. Allein eine Kundeneinlage von 10 000 Euro auf dem Girokonto bedeutet für eine europäische Bank, dass sie Kredite in Höhe von einer Million Euro vergeben kann.

Wer heute also einen Bitcoin im Wert von knapp 10 000 Euro (vor einem Jahr: zirka 3300 Euro) kauft, entzieht seiner Hausbank ein Kreditvolumen von einer Million Euro. Diesen Verlust wird auch ein Krypto-Euro nicht aufhalten können.

Hinter den Umwälzungen in der Bankenwelt steht eine Neusortierung des Themas Vertrauen. Vertrauen muss dank der Blockchain-Technologie heute nicht mehr auf einem Versprechen oder Tradition beruhen, sondern ist durch Kontrolle und Nachprüfbarkeit eines unkorrumpierbaren, kryptografisch gesicherten Zahlungsverfahrens ersetzt worden. Dieses muss zwar erst noch massentauglich einfach zu bedienen sein, aber das haben Vinyl-Liebhaber bei CD und MP3 auch hinbekommen.

Historisch schliesst sich hier ein Kreis: Die Medici haben vor gut 500 Jahren dem Bankensektor mit der doppelten Buchführung zur Blüte verholfen. Mit der Blockchain kam vor elf Jahren die Erfindung der dreifachen Buchführung hinzu. Schon vor den Medici haben Tempelritter das Bankengeschäft gestaltet und sogar ein eigenes kryptografisches Zahlungsmittel anstelle von Bargeld und Gold verwendet, noch ohne Blockchain. Die Schweiz hat gut daran getan, den Tempelrittern im 13. Jahrhundert die Türen zu öffnen, welche den Bankensektor mit etablierten; ebenso sollte sie es heute mit Kryptofirmen tun. Dann ist die Zukunft des Banking in der Schweiz golden.

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