Switzerland

Ökonomen verdienen (mehr) Gehör

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Ökonomen Kosten- und Effizienzüberlegungen in die politische Debatte einbringen und auf Anreiz- und Verteilungswirkungen hinweisen. Doch noch immer sind es leider nur wenige, die das breit vernehmbar wagen.

Ökonomen untersuchen Massnahmen auf ihre Effizienz und haben deshalb von generellen Ladenschliessungen und Ausgangssperren abgeraten.

Ökonomen untersuchen Massnahmen auf ihre Effizienz und haben deshalb von generellen Ladenschliessungen und Ausgangssperren abgeraten.

Ian Langsdon / EPA

Epidemiekurven, exponentielle Zunahme der Ansteckungen und Kapazitätsgrenzen der Intensivstationen: Plötzlich hatte die Angst vor der Pandemie alle und alles im Griff. Für die meisten Epidemiologen war rasch klar, dass es galt, das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben möglichst rigoros herunterzufahren, um des Virus Herr zu werden. Doch dann meldeten sich vereinzelt auch Volkswirtschafter zu Wort und äusserten sich besorgt über die enormen direkten und indirekten (Folge-)Kosten unspezifischer Massnahmen und empfahlen Gegenmassnahmen, um den Schock abzudämpfen.

Wie viel ein gerettetes Menschenleben wert sein soll, ist dabei keine rein ökonomisch beantwortbare Frage. Tatsache aber bleibt, dass die Mittel, die beispielsweise zur Eindämmung der Corona-Pandemie aufgewendet werden, immer auch Opportunitätskosten haben und andernorts fehlen. Meistens steigen die (Grenz-)Kosten, um etwas zu erreichen, und es nimmt gleichzeitig der (Grenz-)Ertrag ab – jedes Menschenleben um jeden Preis zu retten, ist weder medizinisch machbar noch finanzierbar.

Wie deshalb eine Gesellschaft zwischen totaler Corona-Eindämmung und individuellen Freiheiten abwägt, wie viel ihr das Gesundheitswesen oder die soziale Sicherheit oder die Verteidigung wert sind und wie sehr die am Markt erzielte Einkommensverteilung korrigiert werden soll, können und sollen Ökonomen nicht bestimmen. Das sind Fragen, die in der demokratiepolitischen Auseinandersetzung immer wieder aufs Neue ausgemacht und beantwortet werden müssen.

Ökonomen können aber aufzeigen, wie sich solche Ziele am kostengünstigsten und gezieltesten erreichen lassen. Sie untersuchen Massnahmen auf ihre Effizienz und haben deshalb von generellen Ladenschliessungen und Ausgangssperren abgeraten. Empirisch arbeitende Ökonomen haben auch darauf hingewiesen, dass es viel effizienter ist, breit und repräsentativ zu testen, um Ansteckungen zu verhindern, als grosse Herde wieder unter Kontrolle zu bringen. Und sie haben vor den falschen Anreizwirkungen gewarnt, wenn Kurzarbeitsentschädigungen und staatliche Kredite zu grosszügig und lange erhältlich sind.

Politik wird vom Wettbewerb um Wähler und häufig von juristischen Überlegungen dominiert. Dabei wird nicht nur in der Gesundheits- oder der Klimapolitik leicht übersehen, dass ein bestimmtes Ziel oft viel kostengünstiger erreicht werden könnte oder eine gutgemeinte Massnahme Sinnvolles ungewollt verhindert. Und nicht nur in der Steuerpolitik führen unbedachte Anreize immer mal wieder dazu, dass längerfristig das Gegenteil von dem erreicht wird, was eigentlich beabsichtigt war.

Wirtschaftswissenschafter können die Politik nicht ersetzen, aber sie sollten sie beraten. Dazu müssen sie den Mut haben, sich aus der geschützten Werkstatt ihrer akademischen Journale hinaus in den öffentlichen Diskurs zu begeben. Das Ökonomen-Einfluss-Ranking, das die NZZ gerade wieder publiziert hat, will dies fördern. Es ist erfreulich, dass die im neusten Ranking aufgeführten Ökonomen um rund einen Drittel häufiger in den Medien zitiert wurden als im Vorjahr. Doch noch immer gelingt es bloss einer kleinen Minderheit, sich in den Medien und im Politikbetrieb breit vernehmbar zu äussern. Der an der Universität Zürich lehrende Ernst Fehr hat es zwar erneut auf den ersten Platz des NZZ-«Ökonomen-Einfluss-Rankings» geschafft, doch von den an «seinem» Department of Economics lehrenden 37 Professoren schafften es nur gerade zwei weitere (Dina Pomeranz und David Dorn) unter die 40 einflussreichsten Wirtschaftswissenschafter der Schweiz. Ökonomen verdienen mehr Gehör. Aber dazu müssen sie sich auch hörbar und verständlich zu Wort melden. Im Dienste der Allgemeinheit, die sie finanziert.

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