Switzerland

Ohne Stars, mit Teamgeist

Wenn am Donnerstag die finale Qualifikationsphase für die in Deutschland, Tschechien, Georgien und Italien ausgetragene Basketball-EM 2021 startet, ist die Schweiz unter den 32 Teams der grosse Aussenseiter. An 63. Stelle steht sie in der Weltrangliste – hinter dem Libanon, den Jungferninseln und Chinesisch Taipeh; keine Nation, die noch auf die EM-Teilnahme hofft, ist schlechter klassiert.

Das schmälert eine grundsätzlich verheissungsvolle Ausgangslage: 24 der 32 Teams qualifizieren sich für die EM, es genügt, eine der acht Vierergruppen unter den ersten Drei abzuschliessen. Das Problem ist nur: Den Schweizern werden gegen den Auftaktgegner Georgien (Weltnummer 36), Finnland (34) und Serbien (6) geringe Chancen auf ein Weiterkommen eingeräumt.

Der Spielplan benachteiligt die Schweiz

Zwar stellt die Schweiz mehr NBA-Profis als Georgien (0) und Finnland (1), das am Sonntag in Fribourg gastiert. Aber es hilft nichts – der Spielplan benachteiligt die Schweiz. Die sechs Qualifikationsspiele sind über ein ganzes Jahr in drei Blöcke aufgeteilt: Februar und November 2020, Februar 2021. Alle Termine liegen mitten in der NBA-Saison, ein Mittun der Schweizer Lichtgestalten Clint Capela von den Atlanta Hawks und Thabo Sefolosha von den Houston Rockets ist ausgeschlossen, so lange sie in der besten Liga der Welt unter Vertrag stehen.

Noch im Sommer, in der dritten Qualifikationsphase, war das anders gewesen: Dass die Schweiz sich nun mit der Weltelite messen kann, ist wesentlich Clint Capela zu verdanken, welcher der Equipe mit seiner Präsenz ein neues Selbstverständnis gab. Gianluca Barilari seufzt,als er auf Clint Capela angesprochen wird. Der Schweizer Nationaltrainer sagt: «Natürlich war Clint wahnsinnig wichtig für uns. Aber wir haben auch ohne ihn schon sehr gute Spiele abgeliefert. Unsere wichtigste Waffe wird der Teamgeist sein.»

Auch Barilari wird wissen, dass so ein Teamgeist in der Regel gar nicht so viele Körbe wirft, aber was soll er auch sonst sagen? Er muss auf ein Team vertrauen, das sich fast ausschliesslich aus Spielern aus der schwachen nationalen Meisterschaft zusammensetzt. Die Ausnahmen bilden Jonathan Kazadi von Lille aus der zweiten französischen Liga, Patrick Baldassare, der in der zweiten italienischen Liga für Kleb Ferrara spielt, und Roberto Kovac, der in Island engagiert ist. Im Konzert der Grossen ist das ein bescheidenes Orchester. Barilari sagt: «Das Ziel ist die EM-Qualifikation. Aber für uns geht es auch darum, dass wir das Spielfeld nach jeder Partie mit erhobenem Kopf verlassen können. Wir wollen zeigen, dass wir uns vor den Top-Nationen nicht verstecken müssen.»

Auf dem Papier dürfte sich Georgien am ehesten in Schlagdistanz der Schweizer befinden, doch bei den Wettanbietern geniesst das Team wenig Kredit: Baliraris Spieler sind in Tiflis 3,5:1-Aussenseiter, ein Sieg wäre eine kleine Sensation. Um ihn zu realisieren, bräuchte es schon eine Vielzahl an Spielern, die über sich hinauswachsen – vielleicht ja, weil sie von einem Teamgeist beseelt sind, der Inspiration stiftet.