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Ohne geimpfte Kinder ist eine Herdenimmunität fast unmöglich

Müssen in Zukunft auch Kinder geimpft werden? (Symbolbild) Bild: Shutterstock

Ohne geimpfte Kinder ist eine Herdenimmunität fast unmöglich

Bislang ist das Coronavakzin nur für Erwachsene zugelassen. Doch die mutierten Varianten führen dazu, dass die Impfrate in der Bevölkerung höher sein muss als bisher angenommen. Darum rücken jetzt Kinder und Jugendliche in den Fokus. Forderungen werden laut.

Bruno Knellwolf / ch media

Für eine Herdenimmunität müsste die Impfrate bei 80 bis 90 Prozent liegen. Das sagt Christoph Berger, Leiter Abteilung Infektiologie am Universitäts-Kinderspital Zürich, zur «Schweiz am Wochenende». Erst dann werde kaum noch ein Virus zirkulieren. Der weitaus grösste Teil der Bevölkerung müsste somit immun sein. Zum einen durch die Corona-Impfung und zum anderen eine gewisse Zeit auch durch die Immunität jener, die an Corona erkrankt waren.

«Zur Berechnung der Herdenimmunität zählt man alle», sagt Berger – also auch die Kinder. Klein und gross wiegen gleich, wenn auch je nach Art des Virus die Auswirkungen einer Infektion unterschiedlich sind. An Sars-CoV-2 erkranken vor allem die Erwachsenen schwer. Für eine Herdenimmunität müssen vermutlich auch die Kinder geimpft werden. «Ja, das ist so. Aber wir werden Kinder nicht impfen, um die Herdenimmunität zu erreichen», sagt Berger, der die Eidgenössischen Kommission für Impffragen präsidiert. «Kinder sind nicht Mittel zum Zweck, wir wollen sie mit der Impfung so gegen das Virus schützen wie die Erwachsenen und haben daraus dann auch eine bessere Herdenimmunität.»

Christoph Berger, Kinderinfektiologe und Präsident Eidgenössische Kommission für Impffragen EKIF. Bild: keystone

80 bis 90 Prozent Immunisierte sind ein hoher Anteil. Bis anhin sind die Wissenschafter davon ausgegangen, dass 60 bis 70 Prozent reichen. Dieser Anteil für eine Herdenimmunität ist aber abhängig von der Ansteckungsgefahr, die von einem Virus ausgeht. Und diese hat sich mit dem Aufkommen und der jetzigen Dominanz der britischen Variante ins Schlechte verändert, weil diese ansteckender ist als der Urtyp von Sars-CoV-2. «Wir bewegen uns, was die Ansteckungsrate des Virus betrifft, zwischen Grippe- und Masernviren», sagt Berger. Um die hoch ansteckenden Masern zu eliminieren, braucht es eine Herdenimmunität und die ist bei einer Durchimpfung von 95 Prozent erreichbar. Für die britische Coronavariante mindestens 80 Prozent. Weiter hängt die Herdenimmunität von der Wirksamkeit der Impfung ab.

Etwa 20 Prozent sind nach einer Erkrankung immunisiert

Das ist eine Herausforderung, auch wenn immer mehr Genesene zur Herdenimmunität beitragen. Die laufenden Untersuchungen der Universität Zürich zeigen, dass im höchsten Fall, insbesondere in Genf, etwa 20 Prozent nach einer Erkrankung genug Antikörper aufweisen. Das bedeutet, dass sich ein grosser Teil der Menschen in der Schweiz inklusive der Kinder, die etwa einen Zehntel der Bevölkerung ausmachen, durch die Impfungen immunisieren muss, damit wir wieder zur Normalität zurückkehren können.

Für eine Rückkehr zur Normalität wird befürchtet, dass es zu viele Impfskeptiker gibt. Im Moment geht man nach den Umfragen davon aus, dass sich etwa zwei Drittel der gesunden Erwachsenen impfen lassen wollen. Da fehlen noch einige Prozente. «Das ist so, trotzdem ist die Impfung freiwillig. Sie dient primär dem Schutz des Einzelnen, dem Selbstschutz», sagt Berger. Das muss Anreiz genug sein. Bei Jüngeren wird sich daneben die Bereitschaft auch wegen der zu erwartenden Erleichterungen durch einen Impfnachweis erhöhen.

Eine grosse Entspannung für die Gesellschaft wird es aber schon geben, bevor die Herdenimmunität erreicht wird. Bereits eine partielle Herdenimmunität bewirkt nach Berger, dass die Infektionszahlen deutlich runtergehen und die Pandemie ihrem Ende näher kommt, wenn für die Impfung gezeigt werden kann, dass sie Übertragungen stark reduziert. So könnten erste Massnahmen bereits bei einer partiellen Herdenimmunität gelockert werden. «Das wird rascher erreicht, wenn auch Kinder geimpft werden können», sagt Berger.

Noch ist der Wirkstoff für Jugendliche aber nirgends auf der Welt zugelassen. Allerdings haben für die in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna vor einem Monat die Kinderstudien begonnen. Moderna hat am 16. März die KidCOVE-Studie mit dem mRNA-Impfstoff gestartet, wie Michael Füglister von Moderna erklärt. In dieser zweiteiligen placebokontrollierten Studie der Phase II und III wird die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von zwei Dosen, die innerhalb von 28 Tagen verabreicht werden, untersucht. Moderna beabsichtigt, insgesamt etwa 6750 Teilnehmer in den USA und Kanada im Alter von 6 Monaten bis unter 12 Jahren zu rekrutieren.

Untersuchungen mit Teenagern

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist jetzt schon für Teenager ab 16 Jahren zugelassen, der von Moderna ab 18. Beide Firmen werden ihre Tests in zwei Altersgruppen mit unterschiedlichen Dosierungen durchführen. In einer Kindergruppe bis 12 Jahren und in einer Teenagergruppe für über 12-Jährige.

Wann diese Studien fertiggestellt sein werden, kann Moderna nicht sagen. Die Teilnehmer würden bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung beobachtet. Am Endpunkt der Studie stehe die Bewertung der Wirksamkeit und der Sicherheit des Impfstoffs für Kinder. Lukas Jaggi vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic rechnet damit, dass es in etwa vier Monaten erste verwertbare Resultate aus diesen Studien geben könnte. Für eine Zulassung des Impfstoffs für Kinder brauche es kein neues Zulassungsverfahren, sondern nur ein Änderungsgesuch. Wenn alle Daten vorhanden sind, könne eine Bewilligung schnell erfolgen. Jaggi rechnet damit, dass dies in etwa einem halben Jahr der Fall sein könnte. Dann wäre die Kinderimpfung möglich und das Erreichen der Herdenimmunität einfacher.

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