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«Nur weiter mit dem Gekläff!»

Das erste TV-Duell von Präsident Trump gegen Joe Biden war keine Debatte über politische Vorhaben. Wer «gewonnen» hat, ist unter solchen Umständen eine etwas groteske Frage.

Donald Trump und Joe Biden in der ersten moderierten Debatte am 29. September.

Donald Trump und Joe Biden in der ersten moderierten Debatte am 29. September.

Kevin Dietsch / Imago

«This is so unpresidential!» – eines Präsidenten unwürdig. Die Bemerkung entfuhr dem sichtlich entnervten Joe Biden am Dienstagabend im ersten Fernsehduell der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten in diesem Wahljahr. Sie war eine Reaktion auf die Tatsache, dass Donald Trump sämtliche zuvor vereinbarte Regeln ignorierte, Biden ständig unterbrach und ihm nebenbei auch noch ein Drogenproblem von dessen Sohn unter die Nase rieb. Aber der Vorwurf, «unpresidential» zu sein, ist nicht etwas, was Trump in irgendeiner Weise beeindrucken könnte. Das Wort könnte vielmehr auf seiner Fahne stehen. Auf der anderen Seite war Bidens Erwiderung – «Halt doch endlich den Mund, Mann» – natürlich auch nicht gerade würdevoll.

Präsidialer Redeschwall

Unglücklicherweise – für die Zuschauer – ist es aber so, dass Bidens Einwurf die 90 Minuten des ersten von drei geplanten Duellen zwischen Trump und Biden ziemlich gut zusammenfasste. Trump redete alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte, unentwegt. Wenn der Moderator Chris Wallace von Fox News es gelegentlich schaffte, Trump daran zu erinnern, dass sein Wahlkampfteam den Regeln über gegenseitigen Respekt bei den Wortmeldungen im Voraus zugestimmt habe und der Präsident sich deshalb doch bitte auch an sie halten solle, dauerte es nur Momente, bis Trump wieder redete. Wallace war bis zu dieser Sendung ein Mann mit hervorragendem Renommee als Interviewer und Gesprächsleiter. Doch auch er war gegen die bewusste, konstante Regelverletzung Trumps schliesslich machtlos. Um Trump zum Schweigen zu bringen, wäre ihm nur übrig geblieben, die Übung abzubrechen. Das wollte er nicht, also redete Trump weiter. Und Biden stöhnte resigniert: «Nur weiter mit dem Gekläff!»

Niemand sollte sich Illusionen machen, dass Trump von Nervosität und Temperament mitgerissen worden wäre. Die Bulldozer-Taktik war offensichtlich geplant. Der Präsident steht nämlich im Gegenwind. Die Umfragewerte sind schlechter als vor vier Jahren, als er einen Überraschungscoup landete und die Wahl gegen die Favoritin Hillary Clinton knapp gewann.

Die Zahl der Covid-19-Todesopfer steigt auch jenseits der traurigen Marke von 200 000 weiter an, immer noch in Schritten von mehreren hundert pro Tag. Es gibt keine Anzeichen, dass Amerika die Ausbreitung des Virus in den Griff bekommen würde. Die Wirtschaft leidet, Millionen von Amerikanerinnen und Amerikanern sind oder werden noch arbeitslos, auch wegen Trumps Versagen im Kampf gegen die Seuche. Medienhäuser von der «New York Times» bis zu «The Atlantic» veröffentlichen peinliche Enthüllungen über seine Steuerzahlungen und seine Haltung gegenüber gefallenen Soldaten, und sogar im betont konservativen Meinungsteil des «Wall Street Journal» fragt man sich, ob Trump eine Strategie für seine Wiederwahl habe.

Ja, eine solche hat er zweifellos. Nur gehören inhaltliche Auseinandersetzungen über konkrete politische Ziele nicht dazu. Vielmehr verfolgt Trumps Wahlkampfteam gegenüber Biden im Wesentlichen eine Doppelstrategie. Er wird zum einen als abgewirtschafteter, seniler Wirrkopf dargestellt, der kaum noch einen geraden Satz zustande bringt. Das erleichtert es, ihn zum anderen als Marionette darzustellen, die willenlos an den Fäden des radikalen linken Flügels seiner Partei hängt. Nur so kann das «Team Trump» diesem ausgewiesen gemässigten Politiker doch noch die Maske mit der hässlichen Fratze des Sozialismus anhängen.

Biden ist bekannt dafür, dass er unter Stress zuweilen in eine alte Sprachbehinderung zurückfällt. Und Stress war offensichtlich das Mittel, mit dem Trump am Dienstagabend dafür sorgen wollte, dass Biden aus der Fassung geriet und sich lächerlich machte. Das Erste ist ihm wiederholt gelungen, das Zweite nicht wirklich. Aber aus dem Anlass wurde ohne jeden Zweifel die schlechteste TV-«Debatte», seit diese Form der Auseinandersetzung in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem wichtigen Element des amerikanischen Wahlkampfs gemacht wurde.

Trump schaffte es mit seiner Taktik, Biden unzählige Male abzulenken und ihn davon abzuhalten, seine Positionen im Detail zu erläutern. Stattdessen schüttelte der frühere Vizepräsident oft ungläubig den Kopf, stockte, suchte mit Blicken nach Hilfe beim Moderator. Biden versuchte der gezielten Provokation auch auszuweichen, indem er Trump praktisch nie anschaute und oft die Hand abwehrend erhob, als könne er sich so vor dem Redeschwall des Präsidenten schützen.

Biden hatte aber eine Geheimwaffe parat, die offensichtlich im Voraus einstudiert worden war. Er wandte sich mehrfach direkt an die Kamera, also eigentlich an die Zuschauer, und gab so zu verstehen, dass er diesen bedeutend mehr Gewicht gab als seinem Widersacher. Nach einem persönlichen Angriff auf seinen Sohn Hunter, der mit einem Drogenproblem zu kämpfen hatte, war dieser Trick besonders wirksam. Es gehe nicht um seine Familie oder jene des Präsidenten, sagte Biden zu den Zuschauern: «Es geht um Ihre Familie – um das amerikanische Volk.»

Mehr als zwei Drittel ärgerten sich

Nach dem Duell ertönte unter Demokraten sofort der Ruf, Biden solle sich den zwei weiteren geplanten Debatten verweigern. Sein Wahlkampfteam winkte aber entschieden ab und unterstrich, der frühere Vizepräsident werde sich an seine Zusage zu drei Duellen halten. Das lässt darauf schliessen, dass Bidens Team mit der Darbietung seines Kandidaten nicht unglücklich ist. Repräsentative Blitzumfragen von mehreren Medien wiesen ihm bei der Frage, wer denn nun gewonnen habe, Vorteile zu. Das hinderte die offizielle Sprecherin des Weissen Hauses nicht, gegenteilige Resultate zu verbreiten, die von den Organisatoren eingestandenermassen völlig willkürlich erhoben worden waren.

Die Episode bestätigt eigentlich nur, dass man in «spontanen» Umfragen über Twitter jedes gewünschte Resultat organisieren kann.

Etwas erhellender war die repräsentative Umfrage der Fernsehanstalt CBS. 83 Prozent der Befragten meinten, der Ton der «Debatte» sei negativ gewesen, und mehr als zwei Drittel fanden, sie hätten sich geärgert. Nur gerade 17 Prozent fanden, sie hätten aus der Darbietung nützliche Informationen beziehen können. Immerhin knapp ein Drittel fand die Sache unterhaltend; ein Grossteil von ihnen waren Trump-Anhänger.

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