Switzerland

Nun steigt die Zahl der Corona-Infektionen auch im Tessin

Im Frühling war der Südkanton der Covid-19-Brandherd der Schweiz, nun hat die zweite Welle mit einer gewissen Verspätung eingesetzt.

Die ersten Besucher des Parks «Swissminiature» bei der Wiedereröffnung nach dem Lockdown. Aufgenommen in Melide am 24. Mai.

Die ersten Besucher des Parks «Swissminiature» bei der Wiedereröffnung nach dem Lockdown. Aufgenommen in Melide am 24. Mai.

Alessandro Crinari / Keystone / Ti-Press

Auch im Tessin herrscht seit Wochenbeginn eine umfassende Maskenpflicht. Diese gilt in allen geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind. Darunter fallen Geschäfte, Einkaufszentren oder Bahnhöfe, aber auch Kultureinrichtungen, Kirchen und Restaurants. Diskotheken und andere Vergnügungslokale bleiben weiterhin geschlossen. Die zweite Corona-Welle hat also auch das Tessin erfasst. Aber noch gelte nicht Alarmstufe Rot, wie die Kantonsregierung kürzlich erklärt hat.

«Momentan durchlebt das Tessin eine Situation, die objektiv betrachtet besser ist als im Rest der Schweiz – nachdem wir im Frühling von Covid-19 am meisten betroffen waren», hält der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi auf Anfrage fest. Gemäss seinen Worten verlief der Tessiner Sommer fast virusfrei. Dies dank den Schutzmassnahmen, die der Staatsrat erliess und die auch jetzt noch zum Teil einschneidender sind als in anderen Kantonen.

Im Frühling war das Tessin der Covid-19-Brandherd der Schweiz und wies lange Zeit auch deutlich mehr Todesfälle auf als andere Kantone. Im Sommer dann wurde der Südkanton eben zu einer Art Insel der Corona-Verschonten. Doch um wie viel besser als im Rest der Schweiz und im Vergleich zum Frühling ist nun die Situation im Süden? Im Tessin befinde man sich erst am Beginn einer zweiten Welle, die in anderen Regionen der Schweiz früher eingesetzt habe, sagt Paolo Ferrari, der medizinische Direktor der Tessiner Kantonsspitäler (EOC).

Vergleich schwierig

Bei Vergleichen gibt er sich zurückhaltend. Denn im Unterschied zum März gilt nun ein anderer Testparameter. Damals testete man vor allem ins Spital eingewiesene Personen auf Covid-19, während jetzt im Herbst weitflächige Tests durchgeführt und somit mehr positive Fälle gefunden werden. Deshalb sei ein direkter Vergleich nicht möglich, betont Ferrari.

Zwischen Juni und September lagen die nachgewiesenen Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Tessin immer unter 10 pro Tag. Diese Schwelle wurde Anfang Oktober überschritten, die Zahl der Fälle nahm anschliessend rasch zu. Am Donnerstag lag die Zahl der Neuinfizierten im Südkanton, der ungefähr 350 000 Einwohner hat, bei 123 Personen, am Mittwoch bei 255.

Bezogen auf die Fallzahl pro 100 000 Einwohner belaufen sich damit die Covid-19-Infektionen im Tessin laut Ferrari immer noch auf weniger als 80 Fälle pro Tag. In den welschen Kantonen sind es hingegen derzeit mehr als 120 Fälle täglich.

Und punkto Deutschschweiz? Im Vergleich mit einigen Kantonen lägen die Tessiner Neuinfektionszahlen bereits höher, sagt der medizinische EOC-Direktor. Gemäss dem letzten Situationsbericht des Bundesamtes für Gesundheit belief sich in der Woche 42 der Tessiner Anteil an positiven Tests pro 100 000 Einwohner auf 11,8 Prozent und lag damit höher als in Graubünden, Schaffhausen, Nidwalden oder in den beiden Basel. Jedoch weisen die meisten Deutschschweizer Kantone einen zum Teil deutlich höheren Prozentsatz an positiven Tests auf als das Tessin.

Ferraris Meinung nach ist es schwierig, diese Daten zu vergleichen. Denn die Zahl der tatsächlich durchgeführten Tests pro 100 000 Einwohner kann je nach Kanton zwischen 540 wie in Glarus und 1900 wie in Genf schwanken. Je mehr man suche, desto mehr finde man, hält Ferrari fest. Daher biete die Zahl der Einweisungen ins Spital eine genauere Vergleichsmöglichkeit. Und zwar sowohl in Bezug auf die gegenwärtige Lage in der übrigen Schweiz wie auch im Hinblick auf die Situation im Tessin im Frühling.

Derzeit liegen 44 an Corona erkrankte Personen in den beiden Tessiner Covid-19-Spitälern La Carità in Locarno und der Clinica Luganese. Vier von ihnen befinden sich auf der Intensivstation. Insgesamt sind dies 4 Prozent der seit Oktober positiv getesteten Personen. Zum Vergleich: Letzten März mussten 35 Prozent der positiv getesteten Tessiner ins Spital eingeliefert werden.

Ein Grund für die geringe Zahl der Hospitalisierungen könnte folgender sein: Jetzt im Herbst tritt das Virus hauptsächlich bei Tessinern unter 60 Jahren auf, während im März die Hälfte der positiven Fälle bei den Senioren festgestellt wurde. Und bei jüngeren Menschen nimmt eine Corona-Erkrankung eben seltener einen schweren Verlauf.

Flache Hospitalisierungskurve

Der Vergleich der Hospitalisierungen mit jenen im Rest der Schweiz bleibt uneinheitlich. In absoluten Zahlen sind im Tessin zwar viel weniger Covid-Patienten ins Spital eingeliefert worden als beispielsweise in Zürich, Bern oder St. Gallen (landesweit gab es in den letzten zwei Wochen insgesamt rund 550 Einweisungen). Doch bezogen auf die Zahl pro 100 000 Einwohner erweist sich der Abstand zu etlichen Kantonen mittlerweile als gering – gerade auch im Hinblick auf die drei genannten Kantone. «Ich würde nicht behaupten, dass die jetzige Situation im Tessin viel weniger schlimm ist», fasst der medizinische EOC-Direktor Ferrari zusammen.

Im Spätsommer äusserte man im Tessin verschiedentlich die Befürchtung, dass die Zahl der Infektionsfälle bald zunehmen könnte. Dies nicht nur wegen der vielen Tessiner, die im Ausland Ferien machten. Auch die ungewöhnlich hohe Zahl von Deutschschweizer Touristen im Südkanton gab Anlass zur Sorge. Haben diese massgeblich zum sprunghaften Anstieg der Corona-Fälle im Tessin beigetragen? Aufgrund der Inkubationszeit des Virus schliesst Ferrari eine solche Möglichkeit aus.

Trotz raschem Anstieg der Tessiner Infektionszahlen bleibt die Hospitalisierungskurve also flach. Ferrari vermutet, dass die Kurve ansteigen wird, aber nicht so steil wie im Frühjahr – von einer drohenden Überlastung der Spitäler geht er momentan nicht aus. Allerdings wird die Phase der Corona-bedingten Spitaleinweisungen in den Wintermonaten wohl länger anhalten.

Droht dem Tessin alles in allem kein Lockdown? Der Staatsrat werde alles daransetzen, dies zu verhindern, betont Regierungspräsident Gobbi. Denn ein zweiter Lockdown wäre in sozialer wie in wirtschaftlicher Hinsicht untragbar. Hierbei spielt in Gobbis Augen auch das Verhalten der Bevölkerung eine entscheidende Rolle. Aufgrund der schlimmen Erfahrung vom Frühling dürften die meisten Tessiner eher vorsichtig bleiben.

Football news:

Wilscher über Özils Abwesenheit bei Arsenal: ich bin überrascht. Er kann für jeden Klub spielen: West Ham-Mittelfeldspieler Jack Wilscher hat sich über die Situation Von Mesut Özil beim FC Arsenal geäußert
Was man über Maradona Lesen kann: wie die Kirche Diego entstand, warum er einen unbekannten Fußballer bewunderte, wie er mit Drogen in Kontakt kam
Gott ist tot. Die Sportmedien der Welt trauern um Maradona
Mourinho über Klopps Worte über die Unzufriedenheit mit dem Kalender der Premier League: er kam 2015, ich-2004.Nichts ändert sich
Chelsea will die Option auf eine Vertragsverlängerung mit Silva aktivieren. Der FC Chelsea ist mit den Leistungen von Verteidiger Thiago Silva in der Laufenden Saison zufrieden. Nun will der Verein die Option aktivieren, den Vertrag mit dem 36-jährigen Spieler um eine weitere Saison zu verlängern, wie Sky Sports mitteilte. Frank Lampard, Trainer der blauen, glaubt, dass der Brasilianer eine Schlüsselrolle beim erfolgreichen Saisonstart gespielt hat
Zidane passte sich perfekt an die Verluste an und überlistete Conte in allem. Hazard hat im Topspiel am Mittwoch Real Madrid gegen Inter Mailand (2:0) endgültig bezwungen-der erste Sieg des Klubs bei San Siro (vor dem Spiel gab es 5 Unentschieden, 10 Niederlagen). Eine so lange Serie ohne Sieg hatte Madrid in keinem anderen Stadion. Sie wurde durch die feinen Züge von Zinedine zidane unterbrochen-Sie sind sehr Interessant zu verstehen
Nani: Fans lieben Brune. Er hat keine Angst zu riskieren und denkt nur an den Erfolg von Manchester United