Switzerland

Noch strahlt 5G unter dem Grenzwert

Das Fazit von Axel Hettich, Leiter Nichtionisierende Strahlung beim Lufthygieneamt beider Basel, ist einfach: «Die Immissionen liegen in Baselland und Basel-Stadt weiterhin deutlich unter den Immissionsgrenzwerten.» Offensichtlich wird dies beim Studieren der veröffentlichten Feldstärkekarte, die im Detail die berechnete Strahlungen über die beiden Kantonsgebiete darstellt.

Die stärkste berechnete Strahlung von 15 Volt pro Meter (V/m) findet sich an einem Pixel, verrät Hettich. Die Immissionen liegen jedoch zum grössten Teil unterhalb 1,0 V/m. In der eidgenössischen Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung sind Immissionsgrenzwerte für die elektrische Feldstärke festgelegt, welche vor wissenschaftlich anerkannten Gesundheitsschäden schützen. Sie betragen für Rundfunk 28 V/m und für Mobilfunk (technologieunabhängig, das heisst aktuell für 2G bis 5G) zwischen 36 und 61 V/m. Diese Werte müssen überall eingehalten werden, wo sich Menschen – sogar nur kurzfristig – aufhalten.

An einzelnen Standorten steigen Messwerte

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Immissionen an einzelnen Standorten leicht erhöht, an anderen Standorten wiederum sind sie leicht gesunken. «Die Veränderungen liegen zumeist im Bereich von plus/minus 0,5 V/m und sind vernachlässigbar. Im Durchschnitt kann man von konstanten Strahlenwerten sprechen», erklärt Axel Hettich. Damit ist klar: Auch die Aufrüstung der Mobilfunktechnologie auf den 5G-Standard hat 2019 im Durchschnitt nicht zu einer stärkeren Strahlung geführt.

Der Immissionskataster mitsamt der oben auf dieser Seite abgebildeten Feldstärkekarte ist seit letztem Freitag auf der Website der Bau- und Umweltschutzdirektion aufgeschaltet. Die Strahlengrenzwerte pro Anlage sind unabhängig von einer möglichen Aufrüstung die gleichen geblieben, betont Axel Hettich. «Wird eine Antenne auf 5G aufgerüstet, muss der Mobilfunkanbieter zum Beispiel andere Technologien – am ehesten 2G (GSM) – drosseln, damit die Grenzwerte nicht überschritten werden.» Denn bereits heute sind die meisten Antennen bis zu den erlaubten Grenzwerten ausgelastet.

Bei seinen Berechnungen untersucht das Lufthygieneamt aber nicht, ob eine veränderte Strahlung an einem Standort mit einer Änderung bei der Technologie zu tun hat. Es werden nur die Immissionen dargestellt, die durch die gesamte Strahlung entstehen und nicht, durch welche Frequenzen sie genau zu Stande kommen.

5G-Auswirkungen zeigen sich erst nächstes Jahr

Axel Hettich, Leiter Nichtionisierende Strahlung beim Lufthygieneamt beider Basel, ist gespannt auf den Immissionskataster des laufenden Jahres, der Anfang 2021 veröffentlicht wird. Dann dürften sich die Auswirkungen von 5G noch stärker zeigen. Er wäre nicht überrascht, so Hettich, wenn dadurch die Strahlungen nicht zunehmen würden. «Wenn mehr 5G-Antennen kommen, müssen aufgrund der festgeschriebenen Grenzwerte pro Anlage ältere Technologien, zum Beispiel 2G noch stärker zurückgefahren werden. Und weil die 5G-Technologie effizienter ist als jene von 2G, nimmt dadurch die Strahlung ab.»

Ob aber aufgrund der steigenden Nachfrage nach schnellerem Internet die Anlagegrenzwerte der einzelnen Antennen erhöht werden, wie dies Mobilfunkanbieter wünschen, entscheidet der Bundesrat. Die Immissionsgrenzwerte bleiben aber die gleichen.

Das Lufthygieneamt stellt die Immissionen dar, die durch die gesamte Strahlung entstehen - und nicht, durch welche Frequenzen sie zustandekommen.