Switzerland

Neues Ranking setzt Spitäler unter Druck

Das KSBL muss Anpassungen an der Kostenrechnungsstruktur vornehmen, um die richtigen Zahlen liefern zu können. Im Rahmen der gemeinsamen Spitalplanung beider Basel wird es ab 2023 ohnehin Pflicht sein, die Kostendaten pro Standort vorzulegen, ergänzt Rolf Wirz, Sprecher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. Die separaten Daten für 2018 musste das Spital noch mittels eines Hilfskonstrukts erfassen.

Es ist ruhig geworden um die beiden grössten Spitäler der Region, das Basler Universitätsspital (USB) und das Kantonsspital Baselland (KSBL). Doch die Ruhe ist trügerisch. 2020 wird das Jahr, in dem alle Spitäler der Schweiz die Karten auf den Tisch legen müssen. Acht Jahre nach der grossen Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) will der Bundesrat endlich die Betriebsvergleiche zur Kosteneffizienz publizieren. Dies ist einem Mitte Januar aktualisierten Konzept des Bundesamts für Gesundheit (BAG)zu entnehmen.

Ranking mit Ampelsystem und Benchmark

Das Konzept sieht vor, dass von allen Akutspitälern die «schweregradbereinigten Fallkosten» erfasst und in einer Liste veröffentlicht werden. Schon bisher tauschten Kantone Kostendaten ihrer Spitäler aus, doch basierten die Zahlen auf unterschiedlichen Berechnungsweisen. Nun werden die Kantone verpflichtet, die Daten nach identischen Kriterien bei den Leistungserbringern zu erheben und daraus die durchschnittlichen Kosten einer stationären Behandlung zu berechnen. Diese Fallnormkosten werden an die Gesundheitsdirektorenkonferenz weitergeleitet, die sie sammelt, prüft und zur Publikation ans BAG schickt. Zurzeit werden die Daten für das Jahr 2018 erhoben.

Das Besondere daran: Der Betriebsvergleich umfasst ein Ampelsystem, das aufzeigt, ob die gelieferten Daten vergleichbar sind. Auch soll eine Benchmark gesetzt werden, die festlegt, wann ein Spital als kosteneffizient gilt. Das bedeutet, dass die Öffentlichkeit am Ende ein Kostenranking aller Leistungsanbieter erhalten wird. Das Ziel ist klar: Der durch Transparenz geschaffene Wettbewerb soll die Gesundheitskosten sinken lassen. «Die Betriebsvergleiche haben das Potenzial, den Gesundheitsmarkt wirklich zu verändern», sagt Felix Schneuwly auf Anfrage. Der Gesundheitsexperte des Vergleichsdienstes Comparis nimmt dabei die Krankenkassen in die Pflicht: «Sie müssten die Versicherten mit eingeschränkter Spitalwahl in die kosteneffizientesten Häuser schicken.»

Dass diese Institutionen das KSBL und USB sein werden, daran zweifelt Schneuwly. «Zumindest in der Übergangsphase, bis das KSBL umstrukturiert ist, wird es bei den Fallkosten schlecht dastehen», ist er überzeugt. Darüber hinaus hegt der Experte ebenso wenig Hoffnung: «Die Reduktion auf zwei Standorte ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, letztlich aber nur eine halbe Sache. So werden die Überkapazitäten in der Nordwestschweiz nicht beseitigt, und die Kosten bleiben hoch.»

USB ist zuversichtlich, KSBL selbstkritisch

Ein noch düstereres Bild als für das krisengeplagte KSBL zeichnet Schneuwly für das USB: «Die Herausforderungen sind hier noch grösser, weil das Einzugsgebiet viel zu klein ist für ein Universitätsspital.» Auch sei das USB wegen seines Status weniger frei, teure Dienstleistungen abzubauen. Langfristig befürchtet Schneuwly, dass sich immer mehr Spitzenärzte vom USB verabschieden werden, weil die Fallzahlen zu tief seien. Sein Fazit: «Ich glaube nicht, dass das Basler mit den anderen Unispitälern beim Betriebsvergleich wird mithalten können.»

Damit stösst Gesundheitsexperte Schneuwly in Basel-Stadt auf Widerspruch. USB-Sprecher Thomas Pfluger gibt sich selbstbewusst: «Wir gehen davon aus, dass wir den Vergleich mit anderen Unispitälern nicht scheuen müssen.» Die Daten für das Jahr 2018 habe man dem Kanton bereits geliefert.

Dies bestätigt das Basler Gesundheitsdepartement. Laut Sprecherin Anne Tschudin konnte Basel-Stadt die Daten sämtlicher Leistungserbringer sammeln und auf ihre Plausibilität hin überprüfen. Ende Januar habe man sie der Gesundheitsdirektorenkonferenz zugestellt. «Wir sehen derzeit keine Anhaltspunkte für grössere Abweichungen der baselstädtischen Spitäler gegenüber vergleichbaren Schweizer Spitälern», sagt Tschudin.

Anders sieht es beim Kantonsspital Baselland aus. «Unsere herausfordernde Situation wurde in den vergangenen Jahren sehr offen kommuniziert», sagt Sprecherin Anita Kuoni. «Dass wir bei einem Betriebsstandort-Vergleich auf der Datenbasis von 2018 nicht gut abschneiden würden, ist offensichtlich.»

Den ersten Vergleich, der im Laufe dieses Jahres publiziert wird, hält das KSBL deshalb nicht für massgebend. Nach der Umstrukturierung aber, die frühestens in acht Jahren abgeschlossen sein soll, werde es dann anders aussehen: «Durch die klare Ausrichtung der Standorte und die Fokussierung der stationären Angebote auf Liestal und Bruderholz werden künftige Betriebsvergleiche aussagekräftig sein», so Kuoni. Allerdings steht zunächst eine zusätzliche Herausforderung bevor: Gemäss dem Newsportal «Medinside» verlangt der Bund von den Kantonen, «nach einzelnen Standorten aufgeschlüsselte Daten zu liefern». Das betrifft vor allem das KSBL. Mit seinen aktuell drei Standorten hat es sich in der Vergangenheit stets dagegen gesträubt, Finanzen oder Auslastung separat für Liestal, Bruderholz und Laufen auszuweisen. Auch jetzt zeigt sich Kuoni skeptisch: «Wir verstehen uns wie andere Spitalgruppen als ein Unternehmen und betreiben unsere Kliniken über alle drei Standorte.» Schneuwly entgegnet, dass «sich ein Patient nicht für einen Verbund, sondern einen einzelnen Standort entscheidet». Daher mache die Aufteilung Sinn.