Switzerland

Neue Spitalliste: Jetzt klagt auch das Basler Unispital - auf hohem Niveau

Der Schock sitzt tief. Viele Privatkliniken aus Baselland und Basel-Stadt müssen den Gürtel enger schnallen, sobald die neue gemeinsame Spitalliste am 1. Juli in Kraft tritt. So eng, dass sich einige in ihrer Existenz bedroht sehen. Zum ersten Mal möchten die Gesundheitsdirektoren beider Kantone durchgreifen und die Zahl der unnötigen Eingriffe reduzieren, indem sie die härtere Regeln für Leistungsaufträge definieren. Bei der im Dezember verschickten Entwurfsfassung fühlen sich aber viele Privatspitäler teils massiv gegenüber den öffentlichen Spitälern - vor allem dem Universitätsspital Basel (USB) - benachteiligt. So würde die Liestaler Ergolz-Klinik rund die Hälfte ihrer Leistungsaufträge und ein Viertel ihrer Patienten verlieren, wie Recherchen dieser Zeitung am Freitag zeigten.

Das Unispital kritisiert Spitalliste, das Kantonsspital nicht

Nun reagiert aber auch das USB auf die Anfrage der bz - und übt selbst Kritik an der neuen Spitalliste: «Wir profitieren nicht», hält Sprecher Nicolas Drechsler fest. Das Zentrumsspital erhalte keine zusätzlichen Leistungsaufträge in den relevanten Sektoren. Im Gegenteil: Bei der Orthopädie und Augenmedizin gebe es neu klare Einschränkungen. Nur noch komplexe, multimorbide Patienten dürften am USB-Hauptcampus behandelt werden, die leichteren Fälle müssten auf die Standorte Gellert und Mittlere Strasse ausweichen und separat abgerechnet werden. Drechsler betont zudem, dass die neue Weisung, dass sämtliche Kinder unter 16 Jahren nur noch am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) behandelt werden dürften, nicht nur die Privatspitäler empfindlich treffe, sondern auch das USB.

Und die Kritik endet hier nicht: «Die Zielmengenvorgaben je Disziplin sind eher zu starr, zu statisch und das Monitoring mit viel Bürokratie und Konfliktpotenzial versehen», fährt Drechsler fort. Zu guter Letzt kritisiert er auch, dass Belegärzte weiterhin mehr verdienen, je mehr Eingriffe sie durchführen, während dies festangestellten Ärzten - zu recht - verunmöglicht worden sei. Interessant: Das zweite grosse öffentliche Spital, das Kantonsspital Baselland (KSBL), möchte zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Stellung nehmen. Es hält einzig fest: «Wir sind fest davon überzeugt, dass sich alle Verantwortlichen für die Interessen und Bedürfnisse der Baselbieter Bevölkerung stark machen werden.»

Rennbahnklinik würde ein Viertel der Operationen einbüssen

Bei den Privatspitälern löst die Kritik des Unispitals Kopfschütteln aus. «Das USB hat ja schon fast alle Leistungsaufträge, die es gibt. Dass es jetzt keine neuen dazugewonnen hat, sollte daher zu verschmerzen sein», sagt etwa Philip Klopfenstein. Der Klinikdirektor der Muttenzer Rennbahnklinik zeigt auf, dass sein Haus deutlich stärker betroffenen wäre, würde die provisorische Spitalliste so umgesetzt: «Wir sind eine hochspezialisierte Orthopädie-Klinik und trotzdem möchten uns die Regierungen in unseren Kernkompetenzen wesentliche Leistungsaufträge wegnehmen.» Dabei sei die Rennbahnklinik nachweislich der kostengünstigste Anbieter orthopädischer Eingriffe der Region. Klopfenstein kritisiert auch die neue Mengensteuerung, durch die seine Klinik «massiv beschnitten» würde. Beides kombiniert würde zu einem signifikanten Rückgang der Operationen führen, der bis Ende 2024 auf bis zu 25 Prozent anwachsen könnte, so die Prognose Klopfensteins.

Anders als der CEO der Ergolz-Klinik, Tibor Somlo, zeigt sich Klopfenstein aber zuversichtlich, dass die Rennbahnklinik auf der definitiven Spitalliste, die im Frühling vorgestellt werden soll, mehr Leistungsaufträge erhält als jetzt im Entwurf: «Wir stehen im guten Dialog mit den Gesundheitsdirektionen und erwarten noch weitere Unterlagen.» Bis jetzt hätte man nur beschränkten Einblick in die Bewertungskriterien und das Berechnungsmodell erhalten. Klopfenstein: «Nur wenn wir alle Kliniken im Quervergleich sehen, können wir überprüfen, ob wirklich alle gleich behandelt werden.»

Was Klopfenstein und auch die anderen Privatspitäler zudem nicht verstehen, ist, weshalb die beiden Regierungen - trotz Coronakrise - so aufs Tempo drücken. Er plädiert dafür, die Spitalliste erst auf Anfang 2022 in Kraft zu setzen.

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