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Neue Kontroverse um Trumps Leistungsausweis als Steuerzahler

Die Zeitung «New York Times» behauptet in einer neuen Enthüllungsgeschichte, Trump habe auch in der jüngeren Vergangenheit kaum Steuern bezahlt. Das stimmt nur zum Teil.

Hat die «New York Times» jetzt den grossen Knüller gelandet, wenn sie chronische Verluste und Jahre der Steuervermeidung seit der Jahrtausendwende in bisher nicht zugänglichen Steuerdokumenten von Donald Trump festgestellt hat?

Keine Frage, die finanzielle Situation des amtierenden Präsidenten und sein Verhältnis zur amerikanischen Steuerbehörde IRS interessieren eine breite Öffentlichkeit. Dieses Interesse hat Trump auch selber geschürt, indem er anders als jeder Präsident vor ihm seit Mitte der 70er Jahre seine Steuersituation nicht von sich aus offenlegt.

Trumps verheimlichte Steuererklärungen beschäftigen die amerikanische Bevölkerung seit Jahren – hier eine Aufnahme aus New York vom April 2017.

Trumps verheimlichte Steuererklärungen beschäftigen die amerikanische Bevölkerung seit Jahren – hier eine Aufnahme aus New York vom April 2017.

Joe Penney / Reuters

Die «New York Times» bringt aber auch mit ihrer neusten exklusiven Recherche nur begrenzt Licht ins Dunkel, weil sie die ihr zugespielten Dokumente ebenfalls nicht veröffentlichen will. Ihr Chefredaktor Dean Baquet erklärte, die Zeitung wolle ihre Quellen nicht aufs Spiel setzen, und man habe enorme persönliche Risiken auf sich genommen, um die Öffentlichkeit zu informieren. Baquet verspricht, in den kommenden Wochen weitere Artikel zu den Erkenntnissen der «New York Times» über Trumps Steuersituation zu veröffentlichen.

Am Sonntag sind die ersten drei Beiträge erschienen. Der Hauptartikel beginnt mit der Feststellung, Trump habe in dem Jahr, als er zum Präsidenten gewählt wurde, 750 $ an Bundeseinkommenssteuern bezahlt. In seinem ersten Jahr im Weissen Haus (2017) habe er weitere 750 $ bezahlt. Und in 10 der 15 vorangegangenen Jahre habe Trump überhaupt keine Einkommenssteuern bezahlt.

Das tönt tatsächlich nach sehr wenig Steuern, die Trump bezahlt haben soll. 2017 haben in den USA 143,3 Millionen Steuerzahler zusammen 1,6 Bio. $ an individuellen Bundeseinkommenssteuern bezahlt. Das sind über 11 100 $ pro Steuerzahler.

Die Darstellung der «New York Times» könnte aber durchaus fairer sein, wenn sie den tatsächlich über all die relevanten Information verfügt. Man muss nämlich sehr tief in ihren am Sonntag veröffentlichten Beiträgen graben, um den Hinweis zu finden, dass Trumps Rechnung für die Bundeseinkommenssteuer für die Jahre 2000 bis 2017 im Durchschnitt 1,4 Mio. $ betragen habe.

Das heisst, dass Trump während 18 Jahren also doch immerhin über 25 Mio. $ an Steuern bezahlt hat. Die «New York Times» relativiert allerdings auch das gleich wieder und sagt, im Durchschnitt hätten die 0,001% der bestverdienenden Amerikaner, zu denen das Blatt auch Trump zu zählen scheint, über dieselbe Zeitspanne pro Jahr rund 25 Mio. $ an Bundeseinkommenssteuern bezahlt. Oder anders ausgedrückt: Trump habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 400 Mio. $ weniger an Bundeseinkommenssteuern bezahlt, als das eigentlich angebracht gewesen wäre.

Es ist schade, dass die «New York Times» nicht eine transparentere Darstellung gewählt hat und nicht einfach eine simple Liniengrafik mit Trumps Steuerzahlungen für die Periode 2000-2017 veröffentlicht hat. Oder war sie dazu gar nicht in der Lage? Jedenfalls würden so auf einen Blick die Jahre sichtbar, in denen Trump Steuern in Millionenhöhe bezahlt hat, wie auch jene, in denen er keine oder nur sehr wenig Steuern bezahlt hat. Für einmal möchte man Trump fast recht geben, wenn er wie am Sonntagabend gegenüber der Presse die Geschichte der «New York Times» als Falschmeldung qualifiziert hat.

Kein Zweifel: Gegenüber der Öffentlichkeit markiert Trump den erfolgreichen Geschäftsmann, während er vis-à-vis der Steuerbehörde IRS hohe chronische Verluste deklariert, um die Steuerlast zu minimieren. Und der Mann im Weissen Haus kämpft bei der Ausübung des Präsidentenamtes mit riesigen Interessenkonflikten. Tendenziöse Darstellungen wie jene der «New York Times» sind aber kaum das richtige Mittel, um solche Missstände anzuprangern.

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