Switzerland

Neue Blick-Serie: Mission Corona: So läuft die grösste Mobilmachung seit dem Krieg

Obwohl man den Feind weder hört, sieht noch riecht, fordert er täglich Todesopfer. Das Coronavirus ist ein realer Gegner in surrealen Zeiten. Auch die Schweizer Armee hilft im Kampf gegen die Seuche. Der Bundesrat setzt auf die Truppen und erhöhte die Obergrenze für den Assistenzdienst von 800 auf 8000. Die Soldaten unterstützen die zivile Bevölkerung – auf der Strasse, an der Grenze und in den Spitälern. Überall, wo Not am Mann ist.

In der grossen Serie «Mission Corona – die Armee im Einsatz» liefert BLICK einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen. Begleitet die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Einer, der die Koordination dieser Aufgabe meistern muss: Oberstleutnant Emerson Ramoni (41). Der Tessiner steht an der Spitze des Spitalbataillons 66. Vor drei Wochen kommandierte er noch 400 Personen, dann wurden es 600. Heute sind es 800, da zusätzliche Spitalkompanien aufgeboten wurden.

Die Armeeangehörigen des Bataillons verteilen sich von der Zentralschweiz bis nach Basel. Ihr aktueller Auftrag: Unterstützung bei der Pflege in Spitälern, Patiententransporte und Logistik. «Bei Bedarf können wir auch improvisierte Pflegestationen errichten oder ein Armeespital teilweise betreiben», sagt Ramoni. Noch bestehe dazu aber kein Bedarf. Gehandelt wird auf Befehl aus Bundesbern.

Stationiert sind der Kommandant und sein Stab in der Kaserne der Fliegerabwehr in Emmen LU. Der Stab ist sozusagen das Gehirn des Spitalbataillons. «Er ist verantwortlich für die Planung, Logistik und Ausbildung», so der Kommandant. Er zeigt die aufgeräumte Kaserne. Sofort ist klar: Hygiene ist extrem wichtig, damit die Milizsoldaten gesund bleiben.

Ein Arzt registriert jeden Besucher, der das Armeegelände betritt. Anschliessend gehts zum Händewaschen. Im Innern der Gebäude gilt Einbahnverkehr, damit sich möglichst wenig Personen kreuzen. Ramoni achtet penibel auf die zwei Meter Sicherheitsabstand und sagt nicht ohne Stolz: «Bislang gibt es im Spitalbataillon 66 keine positiv getesteten Personen.»

Draussen auf dem Kasernenplatz üben Armeeangehörige für den bevorstehenden Einsatz. Immer wieder ziehen sie Schutzmasken, Handschuhe und Überkleider korrekt an und aus. Die Hände werden im Akkord desinfiziert. Eine zweite Gruppe übt in der Lagerhalle nebenan die Patienten-Mobilisation. Alle sind hoch konzentriert. Keiner raucht, macht Faxen oder drückt sich.

Andere Soldaten checken nochmals die Sanitätsfahrzeuge durch. Es sind Krankenwagen wie im zivilen Leben. Doch mit einem entscheidenden Vorteil bei einer Pandemie. «Die Fahrerkabine ist komplett abgetrennt», so der Kommandant. «Dadurch verringert sich die Ansteckungsgefahr.»

Ruhig beobachtet er die Miliztruppe bei der Arbeit und sagt: «Ja, die Motivation ist sehr hoch. Jeder weiss, dass es ernst gilt. Man spürt, die Leute wollen helfen. Es ist eine andere Stimmung als in den Wiederholungskursen.» Auch für ihn sei es der erste Einsatz. Er freue sich auch über die geglückte Mobilmachung. «Fast alle sind eingerückt. Sie werden per SMS informiert. Anschliessend sind wir innert 48 Stunden mobil.»

Militärisch nennt sich das «Formation mit hoher Bereitschaft». Zwar wird das autonome Einrücken in den WK jeweils geübt. Doch der Ernstfall ist eben der Ernstfall. Hals über Kopf muss man Familie, Freunde und Beruf zurücklassen. Ramoni zieht erste Schlüsse: «Ich bin zufrieden. Auch wenn wir gewisse Prozesse sicher noch verbessern können.»

Noch weiss keiner, wann der Kampf gegen das unsichtbare Virus endet. Die aktuelle Situation in der Deutschschweiz gleicht der Ruhe vor dem Sturm. Die Prognosen versprechen noch keine Besserung. Auch deswegen gelten die Marschbefehle des Spitalbataillons 66 bis Ende Juni.

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