Switzerland

Negativzinsen bei Banken: Schweizer wechseln zu den Online-Vermögensverwaltern

Die Jungfirmen True Wealth, Selma und Descartes profitieren von den tieferen Freigrenzen bei den Banken. Steckt dahinter ein grundlegendes Umdenken der Kunden?

Flucht vor den Negativzinsen: Statt bei Banken legen viele Schweizerinnen ihr Geld mithilfe von Online-Vermögensverwaltern an.

Flucht vor den Negativzinsen: Statt bei Banken legen viele Schweizerinnen ihr Geld mithilfe von Online-Vermögensverwaltern an.

Foto: Getty Images

UBS, Postfinance oder Raiffeisen: Immer mehr Kundinnen und Kunden sind von Negativzinsen betroffen. Die Banken hoffen darauf, dass die Sparer ihr Geld vermehrt in Anlageprodukte investieren, um sich so die Negativzinsen zu sparen. Doch offenbar klappt das nicht immer.

Zahlreiche Kunden ziehen ihr Geld lieber ganz ab und bringen es zu spezialisierten Online-Vermögensverwaltern. Dabei geht es nicht um kurzfristiges Trading wie bei der US-App Robinhood, sondern um langfristige Anlagen in einfache Finanzprodukte. Ab einem Startbetrag von wenigen Tausend Franken bieten die neuen Anbieter den Einstieg in die Geldanlage. Bei den Onlineanbietern gibt es zwar auch keine Zinsen, aber die Anlagen sollten über die Zeit an Wert gewinnen. Dafür verlangen die Anbieter eine vergleichsweise kleine Gebühr.

So viele Neukunden wie noch nie

Die Jungfirmen wie True Wealth oder Sparbatze wurden von den Banken lange belächelt, viele Kundinnen und Kunden würden bei ihnen ihr Spielgeld anlegen, aber bei der Vermögensverwaltung würden nach wie vor die traditionellen Banken punkten. Doch scheinen die Robo-Advisors derzeit auf Kosten der Banken zu wachsen. Bei einem Robo-Advisor stuft sich der Kunde zunächst in eine Risikoklasse ein, sprich, inwieweit er oder sie bereit ist, Kursschwankungen auszuhalten. Entsprechend diesem Risikoprofil wird das Geld dann in ein Wertpapierportfolio angelegt, das automatisiert an den Marktentwicklungen angepasst wird.

Beispiel True Wealth: Der Online-Vermögensverwalter habe noch nie so viele Neuanmeldungen verzeichnet wie in diesem Januar, sagt Firmenchef Felix Niederer: «Aktuell sind es 6850 zahlende Kunden, das ist ein Plus von fast 900 Kunden seit dem Jahresbeginn.» Auch die verwalteten Vermögen nahmen um 15 Prozent zu auf rund 400 Millionen Franken.

Auch der Online-Vermögensverwalter Selma Finance wächst deutlich. An ihm ist die TX Group, der diese Zeitung gehört, beteiligt. «Im Januar allein haben wir bereits mehr als 700 neue Konten eröffnet», so Kevin Linser, Mitgründer des Unternehmens. Aktuell betreut die Firma rund 4300 Kunden. Bei Descartes Finance heisst es: «Ja, wir haben ein erhöhtes Interesse nach unseren Online-Anlagedienstleistungen erfahren», so Geschäftsführer Adriano Lucatelli. Die Firma habe viele Kunden gewonnen, die zwischen 100’000 und 250’000 Franken anlegen wollten. «Das zeigt, dass digitales Anlegen kein Nischenprodukt für sehr kleine Beträge mehr ist», so Lucatelli.

Alle drei Anbieter führen die wachsende Nachfrage zu einem gewichtigen Teil auf die Minus-Zinsen der Banken zurück. Laut Lucatelli würden auch die höheren Preise der etablierten Anbieter eine Rolle spielen. Auffallend viele Neukunden hätten sich zudem für die nachhaltigen Anlageprodukte entschieden.

«Sobald es grössere Bewegungen an der Börse gibt, werden Anlagelösungen verstärkt nachgefragt.»

Benjamin Manz, Geschäftsführer des Vergleichsdienstes Moneyland.ch

Laut Benjamin Manz, Geschäftsführer des Vergleichsdienstes Moneyland.ch, spielt den Online-Vermögensverwaltern das Umfeld in die Karten. «Sobald es grössere Bewegungen an der Börse gibt, werden Anlagelösungen verstärkt nachgefragt», so Manz. Dabei könne es sich auch, wie im Frühjahr 2020, um einen Börsencrash handeln. Zu Beginn des Jahres hätten hingegen die gute Börsenstimmung, der starke Anstieg bei Kryptowährungen wie Bitcoin und Trend-Themen wie Gamestop viele Menschen für Anlagethemen sensibilisiert. «Wenn sich die Online-Vermögensverwalter hier gut positionieren, etwa durch Onlinewerbung, können sie von dieser Euphoriewelle profitieren», sagt Manz.

Im letzten Jahr haben sich viele Schweizer

das erste Mal mit der Börse befasst. «Dank der Corona-Krise haben einige auch die Musse gefunden, so unangenehme Themen wie Finanzen wieder einmal anzuschauen und zu optimieren», so Manz. Kurzfristig könne es den Online-Vermögensverwaltern gut gelingen, bereits digitale Kunden anzusprechen und vom Angebot zu überzeugen. «Langfristig ist es natürlich das Ziel von Robo-Advisors, möglichst viele klassische Vermögensverwaltungskunden von sich zu überzeugen», so Manz. Derzeit wird es ihnen von den Banken offenbar besonders einfach gemacht.

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