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Nach Verbannung aus der Champions League: Manchester City greift die Uefa an

Der englische Meister gibt sich nach dem Urteil der Uefa zuversichtlich. Die Verantwortlichen Manchester Citys bezeichnen den Prozess als befangen und warten auf eine unparteiische Sentenz ab.

Die Zukunft des hochbezahlten Pep Guardiola in Manchester ist ungewiss.

Die Zukunft des hochbezahlten Pep Guardiola in Manchester ist ungewiss.

Peter Powell / EPA

Am Freitagabend wurde Manchester City wegen Verstössen gegen die Financial-Fairplay-Regeln von der Uefa mit einem zweijährigen Ausschluss aus der Champions League und einer Busse von 30 Millionen Euro geahndet. Der Verein reagiert nun mit einer Ungehaltenheit, die massiv arrogant daherkommt und möglicherweise als verleumderisch ausgelegt werden kann.

Das Statement, das die Vereinsleitung auf der City-Homepage veröffentlichte, hält sich knapp und unbedeckt. «Manchester City ist enttäuscht, aber nicht überrascht von der heutigen Bekanntmachung durch die Uefa», heisst es. «Der Klub hat von Anfang an erwartet, dass es letztlich eine unabhängige Körperschaft und Untersuchung braucht, um seine unumstösslichen Beweise für die Darstellung der Situation auf unparteiische Art und Weise zu betrachten.» Und weiter: Der Vorsitzende des Untersuchungskomitees (der frühere belgische Ministerpräsident Yves Leterme) habe mit einer Aussage im Dezember 2018 das «Resultat der Untersuchung sowie die nachfolgenden Sanktionen» vorweggenommen, noch ehe die Untersuchung begonnen habe.

Die nachfolgende Entwicklung, begleitet von ständigen Lecks vonseiten der Uefa, habe kaum Zweifel über den Ausgang des Prozesses belassen. Das Fazit des Vereines laute – «einfach zusammengefasst» – so: «Der Untersuchungsprozess wurde von der Uefa eingeleitet, von der Uefa durchgeführt und das Urteil schliesslich von der Uefa gefällt. Nachdem dieser befangene Prozess jetzt vorbei ist, wird der Verein so rasch wie möglich den Vorgang starten, der zu einem unparteiischen Urteil führen wird.»

Schon oft in schiefem Licht

Dem Untersuchungskomitee der Fifa hatten Rechtsanwälte und Professoren aus Portugal, den Niederlanden, der Schweiz und Grossbritannien sowie ein früherer polnischer Sportminister angehört. Die von Manchester City bekrittelte Aussage Letermes in einem Interview mit der Zeitschrift «Sport & Strategy» hatte so gelautet: «Wenn es stimmt, was geschrieben worden ist, dann könnte ein ernstliches Problem bestehen. Dies kann zur schwerstmöglichen Bestrafung, einem Ausschluss aus Uefa-Wettbewerben, führen.»

Während City-Fans in den sozialen Netzwerken gegen die Uefa wettern, stossen die Proteste aus dem City-Lager in den britischen Medien auf wenig Sympathien. Zu oft ist der Verein ins schiefe Licht geraten, seit er über den Umweg einer Investitionsfirma von Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan quasi als PR-Büro verwaltet wird. So wurde Manchester City schon vor sechs Jahren wegen vergleichbarer Verstösse im Bereich der kreativen Buchhaltung zu einer Busse von 49 Millionen Pfund verurteilt und musste die darauffolgende Champions-League-Saison mit einem reduzierten Kader angehen.

Ungewisse Zukunft Guardiolas

In den beiden nächsten Meisterschaften konnte man die Uefa davon überzeugen, dass man sich an die Vorschriften gehalten hatte. Nun ist die Uefa zum Schluss gekommen, dass gelogen wurde. Der europäische Kontinentalverband steht nicht allein mit seinem Verdacht. Die britischen Fussballobrigkeiten führen seit geraumer Zeit eine separate Untersuchung durch, deren Ende noch nicht abzusehen ist.

Bei einer früheren Verhandlung mit der Uefa trat City mit acht Rechtsanwälten an, die Gegenseite mit deren zwei. Sollte es der Klub trotz neuerlichem Grossaufgebot an führenden Rechtsanwälten nicht gelingen, die Strafe zumindest zu lindern, dürften die Konsequenzen brutal sein. Die an den Verein gebundenen Spieler werden weiterhin den alten Lohn beziehen, aber das Fehlen von Einnahmen aus Champions-League-Spielen und TV-Übertragungen reisst ein Loch in die Kasse, das ohne weitere Verletzung des Financial Fairplay kaum gestopft werden kann.

Die Zukunft von Trainer Pep Guardiola ist ebenso ungewiss wie die von Stars wie Kevin De Bruyne, Raheem Sterling und Leroy Sané, die nun dazu verdammt wären, zwei Jahre lang auf den wichtigsten Wettbewerb in Europa zu verzichten. Infrage steht auch das Engagement von Abu Dhabi, dessen Herrscherfamilie der City-Besitzer Mansour angehört: Kann man es sich leisten, weiterhin mit einem Verein assoziiert zu werden, der im Falle einer endgültigen Verurteilung mit einer Kultur der Mogelei, der Unsportlichkeit und der Lüge verbunden wird?