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Switzerland

Nach Schock-Bericht des Bundes: So wollen Gemüsebauern Pestizide im Trinkwasser reduzieren

Salat reiht sich an Salat, auf der Fläche von einem Fussballfeld. Gemüsebauer Thomas Wyssa (58) geht die Reihe mit den kleinsten Setzlingen ab und blickt hinüber zu den schon ausgewachsenen Köpfen: «Drei Wochen, dann sind die hier auch so weit.» 

Bis dahin muss Wyssa warten. Denn zu tun gibt es bei seinem einzigartigen System zur Salataufzucht nicht viel: Das mit Nährstoffen angereicherte Wasser fliesst vollautomatisch in die Kännel mit den Setzlingen. Einmal pro Wachstumsperiode wird mit Pestiziden gesprüht. Nach drei Wochen packen Erntehelfer das Gemüse zwecks Abtransport in Plastik­säcke. «Wir sparen mit dieser ­Methode 60 Prozent von allem: Wasser, Nitrat, Pestizide», erklärt Wyssa.
Auf seinem Hof rund um die Freiburger Gemeinde Galmiz baut Wyssa mit etwa 45 Angestellten vor allem Gemüse an. Ein Vorteil seiner Salatkultur: Es gelangen keine Schadstoffe in den Boden.

Die Bauern müssen handeln. Am Donnerstag veröffentlichte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) seinen Bericht zur Qualität des Grundwassers (siehe Box): In jeder zweiten Grundwasserfassung werden Pestizide nachgewiesen. In jeder siebten Trinkwasserfassung sind die Grenzwerte für Dünger überschritten. Das Bundesamt sieht dringend Handlungsbedarf – insbesondere bei den Schweizer Bauern.
Grenzwerte für Dünger und Pestizide im Grundwasser werden vor allem im Mittelland und dort in Regionen mit besonders intensiver Landwirtschaft überschritten. So mussten aufgrund zu vieler giftiger Stoffe im Grundwasser etwa im Berner Seeland bereits Trinkwasserbrunnen stillgelegt werden. Die Giftstoffe stellen ein Problem für die Gesundheit dar, sollen sogar Krebs auslösen.

Verbot verschiedener Substanzen gefordert

Experten warnen vor der Verseuchung des Trinkwassers. Martin Forter vom Verein Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) prangert mit seiner Gruppe schon lange den uneingeschränkten Einsatz von Pestiziden an, fordert das Verbot verschiedener Substanzen.
Der AefU sieht die intensive Landwirtschaft als Hauptverursacher für die Belastung des Trinkwassers. «Wir fordern eine generelle Verschärfung der Grenzwerte und ein Verbot von besonders gefährlichen Substanzen, die nachweislich Krebs verursachen», so Forter. Sorgen bereitet ihm vor allem die grosse Zahl verschiedener Stoffe im Wasser: Wie diese in Kombination auf den menschlichen Körper wirken, ist weitgehend unerforscht. Die bisherigen Grenzwerte gelten jeweils nur für einzelne Substanzen allein.
Der Verein AefU um Forter macht sich für die ökologische Landwirtschaft stark und unterstützt die laufenden Initiativen für Pestizidverbote zum Schutz des Trinkwassers.

Volksabstimmung frühestens im Frühjahr

Das Parlament ringt derzeit um einen Gegenvorschlag zu den beiden Vorlagen, die ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden oder einen Subventionsstopp fordern. Voraussichtlich in der Wintersession wird es abschliessend über die beiden Vorlagen beraten. Zu einer Volksabstimmung käme es frühestens im Frühjahr. Würde heute abgestimmt, hätten sie wohl gut eChancen, angenommen zu werden.

Um die Problematik weiss auch der Freiburger Gemüsebauer Thomas Wyssa, obwohl er eigentlich ein konventioneller Produzent ist: «Klar hat die intensive Landwirtschaft negative Folgen für die Umwelt», gibt er zu. Doch in den letzten 15 Jahren sei einiges verbessert worden. Allerdings seien die Böden noch kontaminiert von der Zeit davor.

Er betont, dass selbst Bauern wie er bereits Techniken der Biolandwirtschaft nutzten und bei Dünger und Pestiziden sparten – auch, um Geld zu sparen. So hat Wyssa seit einem Jahr seinen Traktor zur mechanischen Entfernung von Unkraut mit einem Sprühroboter aufgerüstet. Jetzt kann er Pflanzenschutzmittel punktgenau ausbringen. Eine Kamera erfasst die Pflanze unter dem Hackgerät, eine Düse appliziert das Fungizid oder Insektizid, erklärt Wyssa und rechnet vor: «So sparen wir 60 bis 80 Prozent der Pestizide.» 

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